
Münster. Am Montag, 13. Juli 2026, wird Günther Jauch 70 Jahre alt. Den Rummel um den runden Geburtstag möchte der Moderator möglichst vermeiden. Münster kann den Tag dennoch als besonderen Jahrestag betrachten. Hier wurde Jauch geboren, hier verbrachte er seine ersten Lebensjahre und hier liegt ein Schiff, das seinen Namen trägt. Anfang 2026 führte ihn zudem eine unerwartete Entdeckung zurück zu seiner ersten Wohnung.
Günther Johannes Jauch kam am 13. Juli 1956 in Münster zur Welt. Sein Vater Ernst-Alfred Jauch hatte im selben Jahr die Leitung des Politikressorts der „Westfälischen Nachrichten“ übernommen. Bis 1959 arbeitete er für die Münsteraner Zeitung. Anschließend wechselte die Familie nach West-Berlin, wo Günther Jauch überwiegend aufwuchs.
Damit umfasst sein tatsächliches Leben in Münster nur die ersten drei Jahre. Dennoch ist der lokale Bezug mehr als eine bloße Angabe im Lebenslauf. Die berufliche Station seines Vaters führte die Familie nach Münster. In einer Redaktion der Stadt begann damit indirekt auch die Geschichte eines Mannes, der später selbst zu einem der bekanntesten Journalisten und Moderatoren Deutschlands wurde.
Jauch selbst spricht nüchtern über seine ersten Jahre in Münster. Als er 2016 zur Taufe der „MS Günther“ in die Stadt kam, erklärte er, seine Erinnerung an Münster sei praktisch nicht vorhanden. Er kenne diese Zeit vor allem aus Erzählungen seiner Eltern.
Eine kleine Episode blieb dennoch erhalten. In der Nähe des Schlossgartens soll der junge Günther Jauch einen Stoffelefanten verloren haben. Außerdem erinnerte er sich an Erzählungen über die Münsteraner Brauerei Pinkus Müller, die sein Vater besucht haben soll. Es sind nur einzelne Bilder einer sehr kurzen Kindheit. Gerade deshalb wurde eine Begegnung bei „Wer wird Millionär?“ Jahrzehnte später so bemerkenswert.
Im Januar 2026 saß der Münsteraner Leonard Sträter bei „Wer wird Millionär?“ auf dem Ratestuhl. Er berichtete, zwei Freunde von ihm lebten heute in jener Wohnung, in der die Familie Jauch in den 1950er-Jahren gewohnt haben soll. Die kleine Dachgeschosswohnung liege am Kanonengraben und damit unweit des Schlosses.
Sträter präsentierte zudem das Foto eines alten Schlüsselbundes. Auf einer Plakette war die Bezeichnung „Dr. Jauch“ zu erkennen. Günther Jauch bestätigte, dass sein Vater promoviert hatte, und reagierte sichtlich überrascht. Vollständig belegt ist die genaue Zuordnung der Wohnung damit nicht. Die Lage, der Zeitraum und der beschriftete Schlüssel ergeben jedoch eine bemerkenswerte Spur zu Jauchs ersten Lebensjahren.
Seinen einzigen bewussten Besuch in der Geburtsstadt verband Jauch mit einem Versprechen aus seiner eigenen Quizsendung. Der damalige Psychologiestudent Leon Windscheid aus Münster gewann im Dezember 2015 bei „Wer wird Millionär?“ eine Million Euro. Zuvor hatte er angekündigt, bei einem ausreichend hohen Gewinn ein Schiff zu kaufen und nach dem Moderator zu benennen.
Jauch sagte spontan zu, die Taufe zu übernehmen. Am 10. September 2016 löste er das Versprechen ein. Nach eigenen Angaben war es seine erste Rückkehr nach Münster seit dem Umzug der Familie im Jahr 1959. Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Veranstaltung am Hafen.
Die Schiffstaufe entwickelte sich zu einer Szene, die gut zu Jauchs Fernsehkarriere passte. Die Sektflasche zersprang erst beim vierten Versuch an der Bordwand. Der Moderator kommentierte die Panne mit dem trockenen Humor, für den ihn viele Zuschauer kennen.
Die Einnahmen einer anschließenden Fahrt und einer Veranstaltung am Abend kamen einem Flüchtlingsprojekt in Münster zugute. Die „MS Günther“ wird bis heute als Veranstaltungs- und Kulturschiff betrieben. Sie fährt auf dem Dortmund-Ems-Kanal und kann für Feiern und andere Veranstaltungen gemietet werden. So blieb aus einem Versprechen im Fernsehstudio ein dauerhaft sichtbarer Bezug zwischen Günther Jauch und seiner Geburtsstadt.
Bei der Taufe machte Leon Windscheid seinem prominenten Gast ein weiteres Angebot. Jauch könne zehn Jahre später seinen 70. Geburtstag auf der „MS Günther“ feiern. Für das Alter werde dann sogar ein Rollator bereitgestellt, scherzte der Schiffseigner.
Günther Jauch lächelte, gab dieses Mal aber kein Versprechen ab. Nun sind die damals genannten zehn Jahre vergangen. Hinweise auf eine Geburtstagsfeier an Bord gibt es nicht. Das dürfte auch Jauchs eigenen Vorstellungen entsprechen. Vor seinem Geburtstag erklärte er, solche Daten seien ihm nicht besonders wichtig. Er wolle möglichst nicht ans Telefon gehen und kein großes Aufheben um den Tag machen.
Jauchs Karriere begann nicht im Unterhaltungsshow-Studio. Ab 1975 arbeitete er für den Sportfunk des RIAS Berlin, 1977 wechselte er zum Bayerischen Rundfunk. Dort war er unter anderem Sportmoderator und Hörfunkkorrespondent. Mit Thomas Gottschalk gestaltete er später die „B3-Radioshow“.
Im Fernsehen folgten Sendungen wie „Na siehste“ und „Das aktuelle Sportstudio“. 1990 übernahm Jauch „stern TV“, das er mehr als zwei Jahrzehnte prägte. Am 3. September 1999 startete bei RTL „Wer wird Millionär?“. Die Sendung machte ihn endgültig zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands. Von 2011 bis 2015 moderierte er zudem den nach ihm benannten politischen Sonntagstalk im Ersten.
Auch mit 70 Jahren gehört Jauch weiterhin zum festen Personal des deutschen Fernsehens. „Wer wird Millionär?“ ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit seinem Namen verbunden. Hinzu kommen weitere RTL-Unterhaltungssendungen und einzelne Fernsehauftritte.
Öffentliche Aufmerksamkeit erhält Jauch nicht nur als Moderator. Im Juni 2026 wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Gewürdigt wurde sein langjähriges finanzielles Engagement für historische Gebäude und Anlagen in Potsdam. Dort lebt Jauch seit vielen Jahren und unterstützt unter anderem Kultur- und Denkmalschutzprojekte.
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