Münsters Abgeordnete im Bürgercheck: 100 oder null

Vier Bundestagsabgeordnete mit Münster-Bezug beantworten alle Fragen im Ranking. Stefan Nacke bleibt bei 19 Anfragen ohne Antwort.
Symbolbild mit KI erstellt

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Münster. Beim öffentlichen Dialog mit Bürgern liegen zwischen den Bundestagsabgeordneten mit Münster-Bezug Welten. Vier Politiker beantworteten im Antwortranking 2026 von abgeordnetenwatch jede gewertete Frage. Der CDU-Abgeordnete Stefan Nacke reagierte auf der Plattform dagegen auf keine der 19 Anfragen. Berücksichtigt wird dabei auch der AfD-Politiker Daniel Zerbin. Er wird parlamentarisch einem anderen Wahlkreis zugeordnet, sein amtlich angegebener Wohnort liegt jedoch in Münster.

Svenja Schulze führt das Münster-Ranking an

Das beste Ergebnis aus der Münsteraner Gruppe erzielt Svenja Schulze. Die SPD-Abgeordnete beantwortete alle 27 Fragen, die bis zum Stichtag gewertet wurden. Mit einer Quote von 100 Prozent erreicht sie bundesweit Platz 67 und erhält die Auszeichnung „hervorragend“. Der Bundestag führt Schulze als über die nordrhein-westfälische Landesliste gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis 128 Münster. Ihr Wahlkreisbüro befindet sich an der Bahnhofstraße.

Schulzes vergleichsweise hohe Platzierung erklärt sich durch die Zahl der beantworteten Fragen. Unter den Abgeordneten mit einer Quote von 100 Prozent stehen diejenigen weiter oben, an die besonders viele Anfragen gerichtet wurden. Die Antwortquote allein reicht deshalb nicht aus, um die Rangfolge zu erklären.

Rietenberg und Gebel beantworten ebenfalls jede Frage

Sylvia Rietenberg von den Grünen kommt im ausgewerteten Zeitraum auf zehn beantwortete Fragen bei zehn Anfragen. Damit erreicht die direkt gewählte Münsteraner Bundestagsabgeordnete ebenfalls 100 Prozent, die Bewertung „hervorragend“ und bundesweit Platz 206. Rietenberg gewann 2025 das Wahlkreismandat für Münster und unterhält ihr Wahlkreisbüro an der Windthorststraße.

Auch Kathrin Gebel von der Linken erreicht die volle Quote. Sie beantwortete alle neun gewerteten Fragen und belegt gemeinsam mit weiteren Abgeordneten Platz 225. Gebel zog über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag ein, wird dort aber dem Wahlkreis Münster zugeordnet. Neben einem Büro in Essen unterhält sie ein Wahlkreisbüro an der Achtermannstraße in Münster.

Warum auch Daniel Zerbin zur Münster-Bilanz gehört

Daniel Zerbin von der AfD ist ein Sonderfall. Im Bundestag wird er nicht für den Wahlkreis Münster geführt. Er zog über Platz 13 der AfD-Landesliste Nordrhein-Westfalen ein und ist dem Wahlkreis 140 Herne und Bochum II zugeordnet. Im offiziellen Antwortranking beantwortete er alle sieben an ihn gestellten Fragen. Das bedeutet 100 Prozent, die Bewertung „hervorragend“ und Platz 263.

Sein Münster-Bezug ergibt sich aus dem Wohnort. Im Amtsblatt der Stadt Herne wurde Zerbin vor der Kommunalwahl 2025 als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt aufgeführt. Als Wohnort nennt die amtliche Bekanntmachung die Postleitzahl 48157 und die Stadt Münster. Damit lebt ein weiterer Bundestagsabgeordneter in Münster, obwohl sein parlamentarischer Wahlkreis im Ruhrgebiet liegt.

Für eine enge Betrachtung des Wahlkreises Münster zählen deshalb zunächst Rietenberg, Schulze, Nacke und Gebel. Bei einer erweiterten Betrachtung der in Münster lebenden oder dem Wahlkreis zugeordneten Bundestagsabgeordneten gehört Zerbin jedoch dazu.

Stefan Nacke beantwortet keine der 19 Anfragen

Deutlich anders fällt das Ergebnis für Stefan Nacke aus. Der CDU-Politiker erhielt im Bewertungszeitraum 19 Fragen. Keine davon wurde über abgeordnetenwatch beantwortet. Seine Quote liegt damit bei null Prozent. Gemeinsam mit einem weiteren CDU-Abgeordneten belegt Nacke Platz 606 von 630 Bundestagsmitgliedern und erhält keine Auszeichnung.

Nacke wurde über die CDU-Landesliste in den Bundestag gewählt und wird offiziell dem Wahlkreis 128 Münster zugeordnet. Sein Wahlkreisbüro befindet sich an der Hammer Straße. Das Ergebnis des Rankings bedeutet jedoch nicht, dass Nacke grundsätzlich keine Bürgeranfragen bearbeitet. Erfasst wird ausschließlich sein Antwortverhalten auf abgeordnetenwatch. E-Mails, Briefe, Gespräche und Bürgersprechstunden fließen nicht in die Auswertung ein.

Viermal 100 Prozent stehen einmal null Prozent gegenüber

In der erweiterten Münster-Bilanz ergibt sich damit ein ungewöhnlich klares Bild. Schulze beantwortete 27 von 27 Fragen, Rietenberg zehn von zehn, Gebel neun von neun und Zerbin sieben von sieben. Zusammen kommen diese vier Abgeordneten auf 53 beantwortete Fragen bei 53 Anfragen. Nacke ließ dagegen alle 19 gewerteten Fragen unbeantwortet.

Rein rechnerisch wurden damit 53 von insgesamt 72 Fragen an die fünf Politiker beantwortet. Das entspricht einer gemeinsamen Quote von knapp 74 Prozent. Ohne Nackes Ergebnis läge die lokale Quote bei 100 Prozent. Mit ihm bewegt sie sich ungefähr auf dem bundesweiten Durchschnitt.

Münsteraner Ergebnisse übertreffen häufig den Parteischnitt

Auch im Vergleich zu den jeweiligen Parteien fallen die Ergebnisse auf. Die Grünen erreichten bundesweit eine Antwortquote von 97,08 Prozent. Die Linke kam auf 91,43 Prozent, die SPD auf 85,05 Prozent. Schulze, Rietenberg und Gebel liegen mit jeweils 100 Prozent über diesen Werten. Daniel Zerbin schneidet ebenfalls deutlich besser ab als die AfD-Fraktion, deren Quote bei 62,79 Prozent liegt. Nacke bleibt hingegen klar unter dem CDU-Durchschnitt von 65,35 Prozent.

Nordrhein-Westfalen landet im Vergleich der Bundesländer auf dem vorletzten Platz. Die Bundestagsabgeordneten aus NRW beantworteten 2.048 von 3.135 Fragen. Das entspricht 65 Prozent. Nur Brandenburg weist mit 56 Prozent eine niedrigere Quote auf.

Was das Antwortranking misst

Das Ranking ist eine Momentaufnahme. Gewertet wurden Fragen, die zwischen der konstituierenden Sitzung des 21. Deutschen Bundestages und dem 29. Juni 2026 um 23.59 Uhr eingegangen waren. Die Abgeordneten konnten diese Fragen bis zum 13. Juli 2026 um 12 Uhr beantworten. Später eingegangene Fragen verändern das veröffentlichte Ergebnis nicht. Deshalb können die aktuell auf den Profilseiten sichtbaren Zahlen bereits vom Ranking abweichen.

Insgesamt wurden 14.122 Fragen an die 630 Bundestagsabgeordneten gestellt. Davon wurden 10.576 beantwortet. Die bundesweite Quote liegt damit bei 75 Prozent. 381 Abgeordnete erhielten die Bewertung „hervorragend“, 28 wurden als „vorbildlich“ und 41 als „engagiert“ eingestuft. 178 Abgeordnete erhielten keine Auszeichnung.

Bewertet wird die Zahl der Antworten, nicht deren Länge, politische Position oder journalistische Qualität. Pauschale Standardantworten, die nicht auf die konkrete Frage eingehen, werden laut abgeordnetenwatch nicht als gültige Antwort berücksichtigt. Das Ranking zeigt deshalb vor allem, wer den öffentlichen Dialog auf dieser Plattform nutzt und wer dort nicht reagiert.

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