Unter dem Dortmund-Ems-Kanal entsteht Münsters Anschluss ans Wasserstoffnetz

Unter dem Dortmund-Ems-Kanal entsteht Münsters Anschluss ans Wasserstoffnetz
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Eine neue Verbindung unter dem Dortmund-Ems-Kanal soll Münster an das geplante Wasserstoff-Kernnetz anbinden. Thyssengas arbeitet dafür derzeit auf einer Baustelle in Münster-Amelsbüren an einem fehlenden Abschnitt der Leitung zwischen Coesfeld und Rinkerode.

Die rund 45 Kilometer lange Trasse wurde früher für den Transport von Mineralöl genutzt. Nun soll sie für Wasserstoff vorbereitet werden. Nach Angaben von Thyssengas ist die Inbetriebnahme für Ende 2027 vorgesehen. Bis Wasserstoff tatsächlich bei Betrieben in Münster ankommt, sind allerdings weitere Leitungen, Genehmigungen und Investitionen erforderlich.

Wasserstoffleitung in Münster wird unter dem Kanal verlegt

Der aktuelle Bauabschnitt liegt am Dortmund-Ems-Kanal in Amelsbüren. Dort muss Thyssengas eine Verbindung wiederherstellen, die seit dem Ausbau der Wasserstraße unterbrochen ist. Der frühere Leitungsabschnitt unter dem Kanal war 2009 entfernt worden. Die Rohrleitung endet deshalb bislang an beiden Ufern.

Für die neue Querung wird der Kanal nicht geöffnet. Stattdessen nutzen die Fachleute ein sogenanntes Horizontalspülbohrverfahren. Dabei wird zunächst eine gesteuerte Bohrung unter dem Kanalbett hindurchgeführt. Anschließend erweitern die Arbeiter den entstandenen Kanal. Danach wird das bereits vorbereitete Rohrstück eingezogen.

Der Schiffsverkehr auf dem Dortmund-Ems-Kanal soll während der Arbeiten weiterlaufen können. Das Verfahren ermöglicht eine unterirdische Querung, ohne die Wasserstraße aufzugraben. Wie Thyssengas mitteilt, handelt es sich bei dem Bauabschnitt um einen wichtigen Schritt bei der Reaktivierung der gesamten Trasse.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft besichtigten die Baustelle am 16. Juli 2026. Dabei informierten Thyssengas und beteiligte Unternehmen über den technischen Ablauf sowie die nächsten Schritte. Die Veranstaltung hatte allerdings auch einen wirtschaftspolitischen Hintergrund. Der Netzbetreiber wirbt dafür, Fernleitungen, kommunale Netze und industrielle Abnehmer frühzeitig aufeinander abzustimmen.

Die Leitung besitzt einen Durchmesser von 200 Millimetern. Entlang der Trasse ist auf beiden Seiten ein jeweils drei Meter breiter Schutzstreifen vorgesehen. Aktuell laufen neben den Bauarbeiten weitere Planungen und Vorbereitungen für die spätere Umstellung.

Alte Mineralölleitung soll Wasserstoff ins Münsterland bringen

Die Leitung führt von Coesfeld bis nach Rinkerode bei Drensteinfurt. Sie soll das Münsterland künftig mit dem deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetz verbinden. Dabei nutzt Thyssengas überwiegend eine bereits vorhandene Mineralölleitung, statt eine vollständig neue Fernleitung zu bauen.

Im Raum Coesfeld soll die Trasse an die geplante Wasserstoffleitung zwischen Emsbüren und Dorsten angeschlossen werden. Diese Verbindung ist als überregionale Nord-Süd-Achse vorgesehen. Am südlichen Ende in Rinkerode soll später eine weitere Leitung bis Hamm-Uentrop entstehen.

Das Projekt ist Teil des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes. Dieses Netz soll größere Mengen Wasserstoff über weite Entfernungen transportieren. Für die Versorgung einzelner Städte oder Unternehmen reicht eine solche Fernleitung jedoch nicht aus. Dafür werden zusätzliche Abzweigungen und regionale Verteilnetze benötigt.

An der Leitung Coesfeld-Rinkerode ist deshalb ein sogenanntes T-Stück vorgesehen. Über diese Abzweigung könnte das Fernleitungsnetz künftig mit dem Netz der Stadtnetze Münster verbunden werden. Damit wäre eine technische Voraussetzung geschaffen, um Wasserstoff in Richtung Münster weiterzuleiten.

Ein fertiges Wasserstoffnetz für die Stadt entsteht dadurch noch nicht. Die Stadtnetze Münster weisen laut der Mitteilung darauf hin, dass auf Ebene der Verteilnetze weiterhin rechtliche Fragen ungeklärt seien. Das Unternehmen baut die Anschlussmöglichkeit dennoch bereits ein. Dadurch soll eine spätere Erweiterung möglich bleiben, ohne erneut in die Fernleitung eingreifen zu müssen.

Ob und wann weitere Leitungen gebaut werden, hängt unter anderem vom Bedarf der Unternehmen, von politischen Entscheidungen und von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab.

Janinhoff benötigt nach eigenen Angaben ab 2030 Wasserstoff

Zu den möglichen Abnehmern in Münster gehört die Klinkermanufaktur Janinhoff. Das Unternehmen aus Amelsbüren benötigt für seine Produktion große Mengen Energie. Nach Angaben der Geschäftsleitung soll Wasserstoff künftig dabei helfen, fossile Energieträger zu ersetzen.

Janinhoff verweist dabei auf einen 2024 mit dem Bundeswirtschaftsministerium geschlossenen Klimaschutzvertrag. Nach Darstellung des Unternehmens wird spätestens ab Anfang 2030 eine Versorgung über eine Wasserstoffleitung benötigt. Voraussetzung ist jedoch, dass bis dahin eine Verbindung vom Kernnetz bis zum Betrieb entsteht.

Die Fernleitung von Coesfeld nach Rinkerode bildet lediglich einen Teil dieser Strecke. Zusätzlich wäre ein lokales Verteilnetz erforderlich. Deshalb arbeiten Thyssengas, die Stadtnetze Münster und Janinhoff bereits während der Planungsphase zusammen.

Für Münster könnte das Projekt langfristig neue Versorgungsmöglichkeiten schaffen. Neben einzelnen Industriebetrieben könnten später auch weitere gewerbliche Abnehmer an ein regionales Netz angeschlossen werden. Konkrete Leitungsverläufe, Kosten oder verbindliche Anschlussdaten nennt die Mitteilung jedoch nicht.

Auch die Verfügbarkeit des Wasserstoffs bleibt ein entscheidender Faktor. Eine Leitung allein garantiert noch keine ausreichenden Mengen oder wirtschaftlich tragfähigen Preise. Deshalb hängt der Erfolg des Projekts nicht nur vom Baufortschritt in Amelsbüren ab. Er ist ebenso von der Entwicklung des bundesweiten Kernnetzes und der Wasserstoffproduktion abhängig.

Die Arbeiten unter dem Dortmund-Ems-Kanal schließen zunächst eine Lücke in einer vorhandenen Leitung. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll sie Ende 2027 in Betrieb gehen. Bis zur möglichen Versorgung von Unternehmen in Münster sind danach weitere Schritte nötig.

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