
Für die SAP-Aktie steht am Donnerstag ein besonderer Handelstag bevor: Der Softwarekonzern veröffentlicht seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr erst um 22.05 Uhr deutscher Zeit. Während des regulären Xetra-Handels fehlen Anlegern damit noch die entscheidenden neuen Geschäftsdaten. Der Kurs dürfte tagsüber vor allem von Erwartungen, der allgemeinen Stimmung für Technologiewerte und möglichen Positionierungen vor dem Bericht bewegt werden.
SAP will die Ergebnisse am Donnerstag um 22.05 Uhr veröffentlichen. Die Telefonkonferenz mit dem Vorstand beginnt anschließend um 23 Uhr. Damit können Anleger im regulären deutschen Aktienhandel nicht mehr unmittelbar auf die Zahlen reagieren. Eine klarere Reaktion der SAP-Aktie dürfte deshalb erst im Freitagshandel sichtbar werden.
Bis dahin stellt sich vor allem die Frage, wie hoch die Erwartungen bereits sind. Gute Zahlen allein könnten möglicherweise nicht ausreichen, falls der Markt eine erneute Beschleunigung oder eine Anhebung des Ausblicks eingepreist haben sollte. Umgekehrt könnte eine Bestätigung der bisherigen Ziele stabilisierend wirken, sofern die operativen Kennzahlen keinen deutlichen Schwachpunkt zeigen.
Der Handel am Donnerstag ist damit zunächst ein Erwartungshandel. Größere Kursbewegungen wären bereits vor der Veröffentlichung möglich, müssten aber nicht mit neuen Informationen aus dem Unternehmen zusammenhängen.
SAP ist mit kräftigem Cloud-Wachstum in das Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal erreichte der sogenannte Current Cloud Backlog 21,9 Milliarden Euro. Das entsprach einem Wachstum von 25 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Der Cloudumsatz legte auf dieser Basis um 27 Prozent zu.
Diese Entwicklung bildet nun die Vergleichsbasis für die neuen Zahlen. Anleger dürften genau prüfen, ob SAP das hohe Wachstumstempo im zweiten Quartal halten konnte oder ob sich erste Anzeichen einer Normalisierung zeigen. SAP hatte für 2026 bereits in Aussicht gestellt, dass sich das Wachstum des aktuellen Cloud-Auftragsbestands bei konstanten Wechselkursen leicht verlangsamen könnte.
Eine moderate Abschwächung wäre daher nicht automatisch überraschend. Entscheidend dürfte vielmehr sein, ob die Entwicklung weiterhin zur Jahresprognose passt und ob das Management die Nachfrage großer Unternehmenskunden als stabil einschätzt.
Der Cloud Backlog ist für SAP eine besonders wichtige Kennzahl. Vereinfacht beschreibt er vertraglich zugesagte Cloud-Leistungen, die noch nicht vollständig als Umsatz verbucht wurden. Ein wachsender Auftragsbestand schafft damit eine gewisse Sichtbarkeit auf künftige Erlöse.
Für Anleger zählt allerdings nicht nur die absolute Höhe. Wichtig ist auch die Wachstumsrate. Sie kann Hinweise darauf geben, wie erfolgreich SAP neue Verträge abschließt, bestehende Kunden in die Cloud überführt und zusätzliche Anwendungen verkauft. Gerade der Wechsel von klassischen Softwarelizenzen und lokal betriebenen Systemen zu laufenden Cloud-Abonnements ist ein zentraler Bestandteil des Konzernumbaus.
Ein starker Backlog könnte die Zuversicht stützen, dass SAP seine Cloudziele erreicht. Eine deutlich schwächere Entwicklung könnte dagegen Fragen aufwerfen, ob Kunden Investitionsentscheidungen verschieben oder große Transformationsprojekte langsamer umsetzen.
Neben dem Wachstum stehen die Margen im Mittelpunkt. SAP muss zeigen, dass höhere Cloudumsätze nicht nur die Erlöse steigern, sondern zunehmend auch die Profitabilität verbessern. Cloudverträge bringen zwar wiederkehrende und besser planbare Einnahmen, erfordern aber zugleich Ausgaben für Rechenzentren, Entwicklung, Vertrieb und die Umstellung der Kunden.
Anleger dürften deshalb darauf achten, ob SAP weiterhin Skaleneffekte erzielt. Steigt der Umsatz schneller als wesentliche Kostenpositionen, könnte sich das positiv auf die operative Marge auswirken. Hohe Investitionen oder zusätzliche Aufwendungen könnten diesen Effekt dagegen bremsen.
Für das Gesamtjahr erwartet SAP weiterhin einen Cloudumsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro bei konstanten Wechselkursen. Diese Zielspanne entspricht der zu Jahresbeginn veröffentlichten Prognose.
Entscheidend dürfte sein, ob der Vorstand daran festhält und wie er die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte einschätzt.
Auch das Geschäft mit künstlicher Intelligenz dürfte in der Telefonkonferenz breiten Raum einnehmen. SAP integriert KI-Funktionen zunehmend in seine Unternehmenssoftware und verbindet sie mit Daten aus Bereichen wie Finanzen, Personal, Einkauf und Lieferketten.
Für den Kapitalmarkt wird dabei wichtiger, ob sich die technologische Strategie bereits in messbaren Umsätzen niederschlägt. Allgemeine Aussagen zur Nachfrage dürften weniger Gewicht haben als konkrete Hinweise auf abgeschlossene Verträge, zusätzliche Cloudbuchungen oder höhere Erlöse durch KI-Funktionen.
Im ersten Quartal hatte SAP sein starkes Geschäft unter anderem mit der Dynamik bei Business AI begründet.
Am Donnerstagabend dürfte sich zeigen, ob dieses Thema weiterhin vor allem eine Wachstumsperspektive darstellt oder bereits einen erkennbaren Beitrag zum laufenden Geschäft liefert.
Für die erste Marktreaktion dürften damit drei Punkte entscheidend sein: die Entwicklung des Cloud Backlogs, Fortschritte bei den Margen und belastbare Aussagen zu KI-Umsätzen. Hinzu kommt der Ausblick. Während des Xetra-Handels bewegt jedoch zunächst vor allem die Erwartung die Aktie – die eigentliche Bewährungsprobe folgt erst nach der Veröffentlichung.
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