Kirschgarten in Münster: Seltene Chance – aber kein günstiges Bauland

Entdecken Sie das Blaue Haus in Münster – eine einzigartige Kultkneipe und historische Immobilie steht zum Verkauf. Ein Stück Münsteraner Geschichte erwartet Ihren Beitrag.
Foto: Jens Neumann

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Münster. 29 neue Baugrundstücke in Handorf klingen angesichts des angespannten Münsteraner Immobilienmarktes zunächst nach einem großen Angebot. Tatsächlich ist die Vermarktung des Kirschgartens für private Bauherren außergewöhnlich. Preislich ist das Projekt jedoch anspruchsvoll: Im Vergleich zu anderen städtischen Baugebieten zahlen Bewerber für die Lage in Handorf einen deutlichen Aufschlag.

Ist der Kirschgarten teuer?

Der reguläre Preis beträgt 770 Euro pro Quadratmeter für das eigentliche Baugrundstück. Hinzu kommen Nebenflächen wie Zufahrten, Stellplätze oder gemeinschaftliche Wege, die mit 385 Euro pro Quadratmeter berechnet werden. Die Gesamtpreise der 24 Kaufgrundstücke reichen dadurch von rund 161.950 Euro für ein Reihenmittelhausgrundstück bis zu knapp 287.725 Euro für eine Doppelhaushälfte – jeweils ohne Haus, Notar, Steuern, Anschlüsse und Baukosten.

Billig ist das nicht. Im Baugebiet Langebusch/Westhoffstraße in Kinderhaus verlangte die Stadt 2024 noch 620 Euro pro Quadratmeter. In Amelsbüren lag der Bodenwert bei der Vermarktung 2025 überwiegend bei 540 Euro. Der Kirschgarten ist damit rund 24 Prozent teurer als das Kinderhauser Angebot und etwa 43 Prozent teurer als die Grundstücke in Amelsbüren.

Überzogen erscheint der Preis im münsterweiten Vergleich allerdings nicht automatisch. Der Gutachterausschuss nennt für erschließungsbeitragsfreie Grundstücke des individuellen Wohnungsbaus 2026 einen gebietstypischen Bodenrichtwert von 760 Euro pro Quadratmeter in mittlerer Lage. Für gute Lagen sind es 1.190 Euro, für mäßige Lagen 510 Euro. Der Kirschgarten liegt mit 770 Euro nahezu exakt auf dem münsterweiten Orientierungswert für eine mittlere Lage.

29 Grundstücke sind für Münster ein beachtliches Angebot

Im Kirschgarten werden 18 Grundstücke für Doppelhaushälften und sechs Reihenhausgrundstücke verkauft. Weitere fünf Flächen werden für 75 Jahre im Erbbaurecht vergeben. Insgesamt entstehen damit 29 Möglichkeiten für private Bauherren. Die Grundstücke sind zwischen 162 und 346 Quadratmeter groß.

Im Vergleich zu früheren Vergaben liegt der Kirschgarten im Mittelfeld. In Kinderhaus wurden 2024 lediglich zehn Reihenhausgrundstücke angeboten. In Amelsbüren kamen 2025 dagegen 46 Grundstücke auf den Markt. Am Schwarzen Kamp in Mecklenbeck wurden 2022 zunächst 17 Erbbaurechtsgrundstücke vermarktet; zuvor hatte die Stadt dort bereits 42 Reihenhausgrundstücke verkauft. Für Albachten ist aktuell eine weitere Vergabe mit 55 Grundstücken angekündigt.

Wie groß das Handorfer Angebot tatsächlich ist, zeigt ein anderer Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 registrierte der Gutachterausschuss in Münster nur 40 Kaufverträge über baureifes Land für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften oder Reihenhäuser. Die 29 Kirschgarten-Grundstücke entsprechen rechnerisch fast drei Vierteln dieses Jahresvolumens. Die Zahlen sind nicht unmittelbar gleichzusetzen, verdeutlichen aber die Seltenheit einer solchen gebündelten Vermarktung.

Nachlässe machen das Angebot sozialer – aber nicht automatisch günstig

Je nach zu versteuerndem Haushaltseinkommen sind Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent möglich. Der Bodenpreis kann dadurch auf 577,50 Euro pro Quadratmeter sinken. Als grundlegende Einkommensgrenze gelten 80.000 Euro, die sich für bestimmte im Haushalt lebende Kinder jeweils um 10.000 Euro erhöht. In der niedrigsten Einkommensstufe kann zusätzlich ein Kinderbonus von 7.500 Euro gewährt werden.

Das erhöht die Chancen für Familien, beseitigt aber nicht das zentrale Problem: Der Grundstückspreis ist nur der Einstieg. Hinzu kommen die Finanzierung des Hauses sowie Kosten für Anschlüsse, Vermessung, Steuern und Notar. Außerdem müssen die Gebäude den Effizienzhaus-40-Standard erfüllen, eine Photovoltaikanlage erhalten und an die vorgesehene Wärmeversorgung angeschlossen werden.

Attraktive Lage trifft auf strenge Verpflichtungen

Wer den Zuschlag erhält, muss innerhalb von drei Jahren bauen und das Haus anschließend mindestens zehn Jahre selbst bewohnen. Frei stehende Einfamilienhäuser sind nicht vorgesehen. Vermarktet werden ausschließlich kompaktere Reihenhäuser und Doppelhaushälften.

Genau darin liegt die Strategie des Projekts: Auf vergleichsweise kleinen Grundstücken sollen möglichst viele Eigenheime entstehen. Handorf bietet dafür eine gefragte Lage mit Werse, gewachsenem Ortskern und guter Versorgung. Der Preis spiegelt diese Attraktivität wider.

Der Kirschgarten ist deshalb weder ein Schnäppchen noch ein Luxusangebot. Er ist ein seltenes, aber streng geregeltes Eigentumsangebot zu einem Preis, der für Münster marktüblich, im Vergleich zu anderen städtischen Vergaben jedoch deutlich erhöht ist. Für Bewerber entscheidet am Ende nicht allein der Grundstückspreis, sondern die Frage, ob sie Grundstück, Hausbau und energetische Anforderungen gemeinsam finanzieren können.

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