
Der Bezahldienst Wero in Deutschland wird für Verbraucher zunehmend sichtbar. Nachdem die Anwendung zunächst vor allem für direkte Geldüberweisungen zwischen Privatpersonen genutzt wurde, lässt sich Wero inzwischen auch in ersten Onlineshops als Zahlungsmethode auswählen. Zu den Unternehmen, die das System integriert haben, gehört seit dem 24. Juli 2026 auch Lidl. Der Lebensmitteleinzelhändler dient damit als aktuelles Beispiel für die Ausweitung von Wero im deutschen Onlinehandel. Hinter dem Angebot steht die European Payments Initiative, ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister, der eine gemeinsame europäische Zahlungsinfrastruktur aufbauen will.
Wero ist eine digitale Bezahlmethode, bei der Zahlungen direkt zwischen Bankkonten abgewickelt werden. Nutzer benötigen kein zuvor aufgeladenes Guthaben und grundsätzlich auch kein separates Konto bei einem Zahlungsanbieter. Stattdessen wird das bestehende Girokonto über die Banking-App oder eine eigenständige Wero-App mit dem Dienst verbunden.
Der Name Wero setzt sich nach Angaben der Betreiber aus den englischen Begriffen „we“, „euro“ und „Europe“ zusammen. Das System wurde 2024 zunächst in Deutschland, Frankreich und Belgien eingeführt. Zu Beginn lag der Schwerpunkt auf schnellen Überweisungen zwischen Privatpersonen. Inzwischen wird die Anwendung schrittweise um Bezahlungen im Onlinehandel und weitere Funktionen ergänzt.
Entwickelt und betrieben wird Wero von der European Payments Initiative, kurz EPI. An der Initiative beteiligen sich große Banken und Zahlungsdienstleister aus mehreren europäischen Ländern. Die Mitgliedsbanken repräsentieren nach Angaben der EPI mehr als 75 Prozent der Privatkunden in den ursprünglichen Einführungsmärkten Deutschland, Frankreich und Belgien.
Das Ziel besteht darin, einen gemeinsamen europäischen Zahlungsdienst aufzubauen, der Überweisungen zwischen Privatpersonen, Onlinezahlungen und perspektivisch auch Zahlungen an Ladenkassen abdeckt. Die Europäische Zentralbank hatte die Gründung der EPI bereits 2020 begrüßt. Sie sieht in europaweit nutzbaren Zahlungsangeboten eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von nicht europäischen Zahlungsunternehmen und Kartensystemen zu verringern.
Beim Bezahlen in einem Onlineshop wählen Kunden Wero im Checkout aus. Anschließend werden sie zur Banking-App ihres Kreditinstituts oder zur Wero-App weitergeleitet. Dort sehen sie den Rechnungsbetrag und bestätigen die Zahlung. Erfolgt der Einkauf an einem Computer, kann die Verbindung zur App auch über einen eingeblendeten QR-Code hergestellt werden.
Der Betrag wird direkt vom Girokonto des Käufers auf das Konto des Händlers übertragen. Grundlage sind sogenannte Account-to-Account-Zahlungen. Die Überweisung soll in Echtzeit erfolgen, sodass der Händler innerhalb weniger Sekunden eine Zahlungsbestätigung erhalten kann. Wero unterstützt derzeit ausschließlich Zahlungen in Euro.
Ob Verbraucher Wero verwenden können, hängt davon ab, ob ihre Bank den Dienst unterstützt. Zu den großen beteiligten Instituten und Bankengruppen in Deutschland gehören die Sparkassen sowie zahlreiche Volksbanken und Raiffeisenbanken. Auch Deutsche Bank, Postbank, Norisbank und ING Deutschland werden auf der offiziellen Partnerübersicht genannt.
Über den genossenschaftlichen Bankensektor können außerdem Kunden verschiedener Sparda- und PSD-Banken sowie der BBBank, Edekabank und EthikBank auf Wero zugreifen. Die genaue Verfügbarkeit kann sich jedoch je nach Institut, App-Version und Kontomodell unterscheiden. Kunden müssen deshalb in ihrer Banking-App prüfen, ob die Funktion bereits freigeschaltet wurde.
Bei vielen Banken ist Wero direkt in die reguläre Banking-App eingebunden. Nutzer müssen den Dienst dort einmalig aktivieren und ein Girokonto auswählen. Andere Institute können stattdessen eine separate Wero-App anbieten. Welche Variante verwendet wird, entscheidet die jeweilige Bank.
Für Überweisungen an Freunde oder Familienmitglieder kann das Konto beispielsweise mit einer Mobiltelefonnummer verknüpft werden. Der Empfänger muss dann ebenfalls bei einer teilnehmenden Bank registriert sein. Geld lässt sich über die hinterlegte Telefonnummer oder teilweise über einen QR-Code senden und anfordern. Die Kontodaten des Empfängers müssen dabei nicht bei jeder Transaktion neu eingegeben werden.
Die erste wichtige Wero-Funktion waren direkte Überweisungen zwischen Privatpersonen. Kunden deutscher Sparkassen und Genossenschaftsbanken konnten den Dienst bereits ab Juli 2024 innerhalb ihrer Banking-Apps verwenden. Danach kamen weitere Institute und Länder hinzu.
Nutzer können damit beispielsweise gemeinsame Restaurantrechnungen aufteilen, Geld für Geschenke einsammeln oder kleinere Beträge an Freunde überweisen. Die Zahlung wird unmittelbar vom Girokonto ausgeführt. Wero übernimmt damit eine Funktion, für die viele Verbraucher bislang unter anderem PayPal oder klassische Banküberweisungen verwenden. Voraussetzung bleibt, dass sowohl Sender als auch Empfänger den Dienst über eine unterstützte Bank nutzen können.
Seit Ende 2025 wird Wero im Onlinehandel in Deutschland schrittweise eingeführt. Kunden können den Dienst überall dort auswählen, wo das Wero-Symbol im Checkout eines Händlers erscheint. Eine vollständige, dauerhaft aktuelle Liste aller akzeptierenden Shops veröffentlicht der Anbieter bislang nicht. Die Verfügbarkeit muss deshalb jeweils im Bezahlbereich des Onlineshops geprüft werden.
Für die technische Anbindung arbeitet die EPI mit Zahlungsdienstleistern wie Worldline, Mollie und Global Payments zusammen. Dadurch sollen künftig mehr Händler Wero ohne eine vollständig eigenständige technische Entwicklung in ihre Kassensysteme integrieren können.
Die European Payments Initiative hatte im November 2025 erste größere Handelspartner für Deutschland vorgestellt. Genannt wurden unter anderem Eventim, Decathlon, Rossmann, CEWE, Cineplex, Zooplus, Hornbach, Air Europa, Veepee, Käfer und der Versandhändler BAUR.
Die Nennung als Partner bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Wero bei jedem Unternehmen bereits für sämtliche Kunden und Bestellungen verfügbar ist. Die Einführung erfolgt schrittweise und hängt von der technischen Umsetzung im jeweiligen Shop ab. Entscheidend ist daher, ob die Zahlungsmethode beim konkreten Bestellvorgang tatsächlich angezeigt wird. Wero selbst weist darauf hin, dass Onlinezahlungen zunächst nach und nach in Deutschland, Belgien und Frankreich verfügbar gemacht werden.
Seit dem 24. Juli 2026 bietet auch Lidl die europäische Bezahlmethode Wero in seinem deutschen Onlineshop an. Nach Angaben des Unternehmens ist Lidl damit der erste Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland, der das Verfahren im E-Commerce integriert hat.
Kunden wählen Wero beim Abschluss ihrer Bestellung aus und bestätigen die Zahlung anschließend in der App ihrer Bank. Bei einer Bestellung am Computer kann ein QR-Code mit dem Smartphone gescannt werden. Das Geld wird direkt vom Girokonto übertragen. Auch Erstattungen nach einer bearbeiteten Retoure sollen auf das ursprünglich verwendete Konto zurückgebucht werden. Die Einführung gilt zunächst nur für Lidl.de und nicht für die stationären Filialen.
Wero wird häufig als europäische PayPal-Alternative bezeichnet. Beide Dienste ermöglichen digitale Zahlungen und Geldtransfers zwischen Privatpersonen. Technisch und organisatorisch unterscheiden sich die Angebote jedoch.
Wero setzt auf direkte Zahlungen zwischen Girokonten teilnehmender Banken. Ein eigenes Guthabenkonto beim Bezahldienst ist nicht erforderlich. PayPal führt dagegen ein separates Zahlungskonto, über das unterschiedliche Bankkonten und Karten verwendet werden können. Zudem ist PayPal bereits bei sehr vielen Händlern international etabliert. Wero verfügt bisher über eine deutlich geringere Händlerabdeckung und ist vor allem in einigen europäischen Ländern nutzbar.
Für Verbraucher besteht ein möglicher Vorteil darin, dass die Zahlung direkt über das bereits vorhandene Girokonto und die bekannte Banking-App bestätigt wird. Neue Kreditkartendaten oder zusätzliche Kontoverbindungen müssen beim Händler nicht hinterlegt werden. Außerdem können Zahlungen in Echtzeit ausgeführt werden.
Händler erhalten dadurch eine schnelle Bestätigung und müssen nicht auf eine klassische Banküberweisung warten. Die EPI verspricht zudem eine europaweit einheitliche Lösung, die sich nicht auf einzelne nationale Systeme beschränkt. Wie attraktiv Wero für Händler tatsächlich wird, hängt jedoch unter anderem von den Kosten, der technischen Einbindung und der Zahl aktiver Nutzer ab.
Wero darf nicht mit dem geplanten digitalen Euro verwechselt werden. Bei Wero handelt es sich um ein Angebot privater europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. Das Geld bleibt normales Guthaben auf einem Geschäftsbankkonto und wird über bestehende Bankensysteme übertragen.
Der digitale Euro wäre dagegen digitales Zentralbankgeld, das von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken des Euroraums ausgegeben würde. Er befindet sich weiterhin in Vorbereitung und ist noch kein allgemein verfügbares Zahlungsmittel. Wero kann unabhängig davon bereits von Kunden teilnehmender Banken genutzt werden.
Wero ist vor allem in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar. In diesen Ländern wurde der Dienst seit 2024 zunächst für private Geldtransfers eingeführt. Der Ausbau auf Zahlungen im Onlinehandel erfolgt seitdem stufenweise.
Auch Luxemburg und die Niederlande werden in die Infrastruktur eingebunden. In Luxemburg soll das bereits etablierte Bezahlsystem Payconiq schrittweise durch Wero ersetzt werden. In den Niederlanden ist eine Migration des weitverbreiteten Systems iDEAL vorgesehen. Nach Angaben der EPI soll diese Umstellung bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Zudem haben sich 2026 große österreichische Bankengruppen der Initiative angeschlossen.
Die EPI meldete im September 2025 mehr als 43,5 Millionen registrierte Wero-Nutzer. Anfang 2026 war von rund 47 Millionen Nutzern die Rede. Die beteiligten Banken erreichen zusammen einen großen Teil der Privatkunden in Deutschland, Frankreich und Belgien.
Solche Angaben müssen jedoch voneinander unterschieden werden. Die Zahl registrierter Nutzer ist nicht automatisch identisch mit der Zahl der Menschen, die Wero regelmäßig für Zahlungen verwenden. Ebenso können Angaben zur potenziellen Reichweite auch Bankkunden umfassen, für die der Dienst grundsätzlich verfügbar ist, die ihn aber noch nicht aktiviert haben.
Neben Überweisungen und Onlinezahlungen plant die EPI auch den Einsatz von Wero im stationären Handel. Zahlungen an klassischen Ladenkassen sollen im Laufe des Jahres 2026 ausgebaut werden. Vorgesehen sind außerdem wiederkehrende Zahlungen, Abonnements sowie die Einbindung von Bonus- und Kundenbindungsprogrammen.
Eine flächendeckende Nutzung an deutschen Supermarktkassen besteht derzeit jedoch noch nicht. Auch bei Lidl betrifft die aktuelle Einführung ausschließlich den Onlineshop. Ob und wann einzelne Handelsketten Wero bundesweit an ihren Filialkassen akzeptieren, hängt von weiteren technischen Anbindungen und Vereinbarungen mit Zahlungsdienstleistern ab.
Der Bezahldienst Wero in Deutschland verfügt durch die beteiligten Banken bereits über eine große potenzielle Reichweite. Die entscheidende Frage ist nun, ob aus der verfügbaren Bankfunktion ein regelmäßig genutztes Zahlungsmittel wird. Dafür muss Wero nicht nur in Banking-Apps vorhanden sein, sondern auch bei vielen bekannten Händlern sichtbar angeboten werden.
Die Aufnahme durch erste größere Onlineshops ist deshalb ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig bleibt der europäische Bezahldienst beim Händlernetz deutlich hinter etablierten Angeboten zurück. Ob sich Wero dauerhaft durchsetzt, wird davon abhängen, wie schnell weitere Banken, Onlineshops und stationäre Händler teilnehmen und ob Verbraucher einen ausreichenden Vorteil gegenüber bereits bekannten Zahlungsmethoden erkennen.
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