
Die Kriegswracks in der Donau bei Prahovo werden während der anhaltenden Hitze und Dürre in Südosteuropa erneut sichtbar. Nahe der serbischen Hafenstadt an der Grenze zu Rumänien ragen rostige Schiffsrümpfe und Teile ehemaliger Aufbauten aus dem stark zurückgewichenen Fluss. Die Relikte stammen aus dem September 1944, als deutsche Einheiten auf ihrem Rückzug eine große Zahl militärischer und ziviler Schiffe versenkten. Einige Wracks enthalten nach Angaben der mit der Bergung befassten Stellen noch Munition oder Sprengstoffreste. Sie bilden deshalb nicht nur ein historisches Zeugnis, sondern bis heute ein Hindernis für die internationale Donauschifffahrt.
Das Wrackfeld entstand in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Zusammenbruch der deutschen Front in Rumänien versuchten Einheiten der deutschen Kriegsmarine und weitere Verbände, sich mit Schiffen donauaufwärts zurückzuziehen. Der Verband umfasste Kriegsschiffe, Transporter, Schlepper, Lastkähne und andere Wasserfahrzeuge.
Nahe Prahovo und dem Eisernen Tor war der Rückzugsweg jedoch weitgehend abgeschnitten. Sowjetische Truppen und die sowjetische Donauflottille rückten vor, während sich auch jugoslawische Partisanen den deutschen Stellungen näherten. Im September 1944 wurden deshalb zahlreiche Schiffe absichtlich versenkt. Historische Darstellungen und serbische Behördenangaben gehen von insgesamt rund 200 Wasserfahrzeugen aus.
Mit der Selbstversenkung sollte der Fluss für die Verfolger blockiert und zugleich verhindert werden, dass Schiffe, Waffen und Material in gegnerische Hände fielen. Ein Teil der Wracks wurde nach dem Krieg von jugoslawischen Behörden entfernt. Viele Schiffe blieben jedoch im Flussbett liegen, teilweise unter Sand, Schlamm und Kies verborgen.
Von den Wracks geht vor allem bei sehr niedrigen Wasserständen eine Gefahr für die Schifffahrt aus. Schiffsrümpfe, Masten und Metallteile können in die Fahrrinne hineinragen oder den verfügbaren Raum für Frachter und Schubverbände erheblich verkleinern. Größere Schiffe müssen die Passage dann langsamer und mit reduzierter Ladung durchfahren.
Besonders aufwendig ist die Bergung wegen möglicher Kampfmittel. Auf einzelnen Schiffen befinden sich noch Munition, Waffen oder Sprengstoffreste. Die Europäische Investitionsbank weist darauf hin, dass gefundene Munition nach besonderen Verfahren geborgen und gesichert werden muss. Eine plötzliche Freilegung und der Kontakt mit Luft können den Umgang mit jahrzehntealten Sprengstoffen zusätzlich erschweren.
Taucher müssen die stark beschädigten Wracks unter schlechten Sichtbedingungen untersuchen. Abhängig von Größe, Zustand und Lage können die Schiffe vollständig gehoben, unter Wasser zerlegt oder teilweise in den Flussgrund eingebettet werden. Eine gewöhnliche Bergung mit Kränen reicht deshalb nicht in jedem Fall aus.
Auslöser für das erneute Auftauchen der Wracks ist die außergewöhnliche Trockenheit im Donauraum. Nach lang anhaltenden Hitzeperioden und ausbleibenden Niederschlägen fielen die Wasserstände Ende Juli 2026 in Teilen Serbiens und Kroatiens auf Rekordwerte. In mehreren Regionen entstanden große Sandbänke, Boote lagen auf trockenem Untergrund und Lastschiffe konnten nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren.
An der Messstation Prahovo wurde am 28. Juli ein Pegel von minus 102 Zentimetern relativ zum örtlichen Pegelnullpunkt registriert. Solche negativen Pegelwerte bedeuten nicht, dass das Flussbett trockenliegt. Sie zeigen, dass der Wasserstand unter dem festgelegten Nullpunkt der Messstation liegt.
Der niedrige Wasserstand betrifft weit mehr als die Wrackstelle. Serbiens Treibstoffimporte über die Donau blieben im Juli deutlich hinter den Planungen zurück, weil Tanker und Lastkähne nur eingeschränkt beladen werden konnten. Auch Fischerei, Tourismus, Wasserkraft und die Kühlung von Kraftwerken stehen in mehreren Ländern entlang der Donau unter Druck.
Die Schiffe von Prahovo tauchen nicht zum ersten Mal aus dem Wasser auf. Besonders große internationale Aufmerksamkeit erhielten sie während der schweren europäischen Dürre im Sommer 2022. Damals waren mehr als 20 Wracks oder Wrackteile deutlich zu erkennen. Die nutzbare Fahrrinne verengte sich stellenweise von etwa 180 auf rund 100 Meter.
Auch im September 2024 wurden die versenkten Schiffe bei erneutem Niedrigwasser sichtbar. Gleichzeitig kamen bei Mohács in Ungarn weitere ältere Schiffsreste zum Vorschein. Schon in früheren Trockenperioden waren einzelne Teile des Wrackfeldes erkennbar gewesen. Wie viele Schiffe jeweils aus dem Wasser ragen, hängt vom Pegel, von Sedimentverschiebungen und von der Lage der einzelnen Rümpfe ab.
Das wiederholte Auftauchen zeigt, dass die Wracks kein vorübergehendes Problem darstellen. Solange besonders ungünstig gelegene Schiffe im Flussbett verbleiben, können sie die Fahrrinne bei jeder längeren Niedrigwasserphase erneut einengen.
Serbien hat mit Unterstützung der Europäischen Union und der Europäischen Investitionsbank ein mehrjähriges Bergungsprogramm begonnen. In der ersten Phase sollen 21 Wracks entfernt oder gesichert werden, die besonders nahe an der Fahrrinne liegen. Das Ziel ist, die nutzbare Breite des Flusses in diesem Abschnitt von derzeit etwa 90 Metern auf bis zu 200 Meter zu vergrößern.
Für das Vorhaben stellte die Europäische Union 2024 einen Zuschuss von rund 16 Millionen Euro bereit. Hinzu kommt ein Kredit der Europäischen Investitionsbank. Das Projekt soll die Sicherheit erhöhen, Verzögerungen im Güterverkehr verringern und den serbischen Abschnitt der Donau leistungsfähiger machen.
Das erste Wrack des Programms wurde im Sommer 2024 geborgen. Nach Angaben des staatlichen serbischen Rundfunks waren bis April 2026 sieben der 21 ausgewählten Schiffe entfernt worden. Für das Gesamtprojekt war ursprünglich ein mehrjähriger Zeitraum vorgesehen. Wegen der Kampfmittel, des schlechten Zustands der Schiffe und der schwierigen Arbeiten unter Wasser bleibt die Bergung technisch anspruchsvoll.
Die Donau verbindet zehn Staaten und gehört zu den wichtigsten europäischen Binnenwasserstraßen. Über sie werden unter anderem Treibstoffe, Getreide, Baustoffe, Erze und Industrieprodukte transportiert. Engstellen wirken sich deshalb nicht nur auf Serbien und Rumänien aus, sondern können Lieferketten entlang des gesamten Flusses verzögern.
Das Wrackfeld bei Prahovo verbindet dabei zwei Entwicklungen. Es erinnert an den deutschen Rückzug aus Südosteuropa im Jahr 1944 und zeigt zugleich, wie stark extreme Hitze und anhaltende Trockenheit heutige Verkehrswege belasten können. Solange nicht alle besonders gefährlichen Wracks entfernt oder dauerhaft gesichert sind, bleiben die versenkten Schiffe bei niedrigem Pegel ein Risiko für die Schifffahrt auf der unteren Donau.
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