
Die Spendenrückzahlung nach dem Unwetter in Rathen verändert die Aussichten für den Wiederaufbau der zerstörten Wanderrast am Amselsee. Betreiberin Verena Leister erklärte auf Instagram, dass sämtliche über die Plattform GoFundMe eingegangenen Spenden an die Unterstützer zurücküberwiesen werden sollen. Sie habe die Plattform bereits mit der Rückabwicklung beauftragt. Als Grund nannte Leister Anfeindungen und Unterstellungen, die sie nach dem Spendenaufruf über Nachrichten, Anrufe, Kommentarbereiche und Chatgruppen erreicht hätten. Die Reaktionen seien für sie und ihr Umfeld zu belastend geworden.
Innerhalb von weniger als einem Tag hatten rund 6.000 Menschen insgesamt etwa 200.000 Euro für den Wiederaufbau gespendet. Nachdem die angestrebte Summe erreicht worden war, schloss Leister den Spendenaufruf für die Wanderrast und verwies auf eine zusätzliche Hilfsaktion der Gemeinde Kurort Rathen. Nun soll nach ihrer Darstellung jeder Beitrag vollständig an den jeweiligen Spender zurückgehen. Wie lange die technische Abwicklung über GoFundMe dauern wird, war zunächst nicht bekannt. Auch die kommunale Spendenaktion für weitere Unwetterschäden in Rathen ist von ihrer Entscheidung nicht betroffen.
Leister erklärte, nach der großen Hilfsbereitschaft habe sie eine Vielzahl kritischer und teilweise persönlich angreifender Reaktionen erhalten. Nach einem Bericht von TAG24 sei in Kommentarbereichen unter anderem behauptet worden, die Spendensumme sei zu hoch, die Wanderrast müsse versichert sein oder das Geld könne für andere Vorhaben verwendet werden. Diese Darstellungen wurden nicht unabhängig bestätigt. Namentlich bekannte Personen, von denen die Anfeindungen ausgegangen sein sollen, wurden nicht genannt. Leister erklärte dazu, der Wiederaufbau sei nicht versichert und Spenden hätten ausschließlich zweckgebunden eingesetzt werden dürfen.
Das schwere Gewitter hatte Rathen am Freitag, 31. Juli 2026, gegen 18 Uhr getroffen. Innerhalb kurzer Zeit stürzten im Amselgrund, am Amselsee, auf dem Basteiweg und rund um die Felsenbühne zahlreiche Bäume um. Ein 38 Jahre alter Wanderer wurde auf dem Basteiweg von einem Baum tödlich getroffen. Drei Menschen erlitten schwere Verletzungen, zehn weitere wurden leicht verletzt oder medizinisch versorgt. Einsatzkräfte brachten rund 40 Besucher aus dem gefährdeten Gelände. Wegen instabiler Bäume und herabfallender Äste wurde ein größeres Gebiet zwischen Rathen, der Bastei, Hohnstein und dem Polenztal vorübergehend gesperrt.
Am Amselsee trafen umstürzende Bäume die Wanderrast, den Bootsverleih und zahlreiche Ruderboote. Baumstämme und Äste bedeckten große Teile des Sees. Nach Angaben der Betreiber wurden knapp 30 Boote beschädigt oder zerstört. Auch die Hütte wurde so schwer getroffen, dass ein Abriss und vollständiger Neubau möglich erscheinen. Zusätzlich müssen die Steganlage, das Gelände und technische Einrichtungen geprüft und möglicherweise erneuert werden. Der Betrieb bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Einnahmen aus der laufenden Sommersaison fallen damit aus, während laufende Kosten und erste Aufräumarbeiten weiter finanziert werden müssen.
Die Schäden beschränkten sich nicht auf den Gastronomiebetrieb. Nach Angaben der Einsatzleitung waren etwa 25 Hektar Wald betroffen. Umgestürzte Bäume lagen auch auf der Felsenbühne Rathen, in Zuschauerbereichen und an technischen Anlagen. Eine Hütte der Bergwacht wurde ebenfalls beschädigt. Die Sicherung der Wege und Waldflächen gilt als aufwendig, weil Bäume entwurzelt, angebrochen oder in den Kronen anderer Bäume verkeilt sind. Teile des Amselgrunds und mehrere Wanderwege blieben deshalb zunächst gesperrt. Andere Ausflugsziele in der Sächsischen Schweiz waren weiterhin erreichbar, teilweise allerdings nur über alternative Wege.
Mit der Rückzahlung der rund 200.000 Euro fehlt zunächst ein wesentlicher Teil der vorgesehenen Finanzierung. Das Geld sollte nach Leisters Darstellung unter anderem für den Wiederaufbau der Hütte, neue Boote, die Instandsetzung der Steganlage, Aufräumarbeiten und laufende Betriebsausgaben eingesetzt werden. Wie die Arbeiten nun finanziert werden, ist noch nicht abschließend geklärt. In Betracht kommen Eigenmittel und mögliche öffentliche Unterstützungsprogramme. Leister machte deutlich, dass sich die Wiedereröffnung dadurch erheblich verzögern könne. Ein Neustart bis Ostern 2027 sei nach ihrer Einschätzung unter diesen Bedingungen nicht realistisch.
Unabhängig von der zurückgezogenen privaten Aktion nimmt die Gemeinde Kurort Rathen weiterhin Spenden zur Bewältigung der Unwetterfolgen entgegen. Die Mittel sollen nach Angaben der Gemeinde für Aufräum-, Sicherungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen eingesetzt werden. Leister hatte bereits vor ihrer Rückzahlungsentscheidung auf diese Möglichkeit verwiesen. Als Beispiele nannte sie die beschädigte Bergwachtstation und den Feuerwehrverein, der Einsatzkräfte während der Arbeiten versorgt habe. Wie hoch der gesamte Schaden in Rathen, im Amselgrund und an den touristischen Einrichtungen ausfällt, lässt sich erst nach Abschluss der Sicherungsarbeiten genauer bestimmen.
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