
Ein Palacios Transfer von Bayer Leverkusen nimmt offenbar deutlich konkretere Formen an. Nach Angaben des Transferjournalisten Fabrizio Romano hat der englische Premier-League-Aufsteiger Ipswich Town ein offizielles Angebot für Exequiel Palacios abgegeben. Demnach gehört der argentinische Mittelfeldspieler zu den wichtigen Transferzielen des Klubs. Romano zufolge sollen zudem vier weitere Vereine aus der Premier League und anderen europäischen Ligen im Rennen sein. Eine Einigung gibt es bislang jedoch nicht. Weder Bayer 04 Leverkusen noch Ipswich Town haben einen bevorstehenden Wechsel des 27-Jährigen offiziell bestätigt. Palacios steht in Leverkusen noch langfristig unter Vertrag.
Palacios kam zum 1. Januar 2020 von River Plate nach Leverkusen. Sein Start in Deutschland verlief zunächst schwierig. Wegen einer aus Argentinien übernommenen Sperre verpasste er die ersten drei Ligaspiele, anschließend musste er sich in einem damals stark besetzten Mittelfeld seinen Platz erarbeiten. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer wurde der technisch starke und zweikampforientierte Mittelfeldspieler jedoch immer wichtiger. Bayer beschreibt seine Stärken selbst als Verbindung aus aggressiver Arbeit gegen den Ball und spielerischer Qualität. Insgesamt stehen für Palacios inzwischen 185 Pflichtspiele für die Werkself mit 15 Toren und 19 Vorlagen in der offiziellen Vereinsstatistik.
Dabei erlebte der Argentinier in Leverkusen mehrere Trainer und unterschiedliche sportliche Phasen. Unter Peter Bosz und Gerardo Seoane musste er zunächst um Konstanz kämpfen, später wurde seine Bedeutung immer größer. Besonders unter Xabi Alonso entwickelte sich Palacios zu einem wichtigen Bestandteil des zentralen Mittelfelds. In der historischen Saison 2023/24 gehörte er zur Mannschaft, die erstmals die deutsche Meisterschaft gewann, außerdem holte Bayer den DFB-Pokal und erreichte das Europa-League-Finale. Nach Alonsos Abschied folgten weitere Trainerwechsel. In der Saison 2025/26 arbeitete Palacios unter anderem unter Kasper Hjulmand. Seit dem 1. Juli 2026 trainiert Carles Martínez Novell die Mannschaft.
Ein möglicher Wechsel unterscheidet sich deshalb deutlich von einem klassischen Verkauf eines Spielers mit auslaufendem Vertrag. Bayer 04 verlängerte den ursprünglich bis 2028 laufenden Kontrakt von Palacios erst im Oktober 2025 vorzeitig bis zum 30. Juni 2030. Sportgeschäftsführer Simon Rolfes bezeichnete den Argentinier damals als einen Spieler, dessen sportlicher Wert für Leverkusen über Jahre gewachsen sei und der im zentralen Mittelfeld große Verantwortung übernehmen könne. Bayer besitzt damit vertraglich keinen unmittelbaren Verkaufsdruck.
Die Höhe des von Romano gemeldeten Ipswich-Angebots wurde zunächst nicht öffentlich. Ebenso wenig gibt es eine bestätigte Ablöseforderung von Bayer. Der Marktwert von Palacios wird vom Portal Transfermarkt derzeit mit 25 Millionen Euro angegeben, nachdem er in früheren Phasen seiner Leverkusener Zeit höher bewertet worden war. Ein solcher Marktwert ist allerdings keine festgelegte Ablösesumme. Bei einem Vertrag bis 2030 kann Bayer seine Preisvorstellungen grundsätzlich unabhängig davon festlegen. Berichte über konkrete Mindestforderungen oder bereits vereinbarte finanzielle Rahmenbedingungen waren zunächst nicht bestätigt.
Zu einer Bewertung des 27-Jährigen gehört auch seine Verletzungshistorie. Palacios musste während seiner Jahre in Deutschland mehrfach längere Pausen verkraften. Bereits im November 2020 erlitt er bei der argentinischen Nationalmannschaft eine schwere Rückenverletzung. Später kamen verschiedene muskuläre Beschwerden hinzu. Anfang 2024 fehlte er Bayer mehrere Wochen nach einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel. Nach der Copa América im Sommer 2024 wurde zudem ein Eingriff am Knie notwendig.
Besonders schwer wog eine Verletzung im September 2025. Im Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt zog sich Palacios eine Muskel-Sehnenverletzung im rechten Adduktorenbereich zu. Bayer teilte damals mit, dass eine Operation erforderlich sei und der Mittelfeldspieler bis zum Beginn des Jahres 2026 ausfallen werde. Palacios arbeitete sich anschließend zurück und stand in der Schlussphase der Saison wieder regelmäßig auf dem Platz. In den letzten acht auf der Vereinsseite aufgeführten Bundesliga-Partien der Saison 2025/26 kam er jeweils zum Einsatz, mehrfach über die komplette Spielzeit. Seine lange Ausfallhistorie bleibt dennoch ein relevanter Bestandteil seiner sportlichen Bilanz.
Ipswich Town geht mit einer besonderen Ausgangslage in diesen Transfersommer. Der Klub sicherte sich am 2. Mai 2026 durch ein 3:0 gegen Queens Park Rangers den direkten Wiederaufstieg in die Premier League. Seit Ende Juni wird die Mannschaft von Gary O’Neil trainiert. Der Verein hat den Kader seitdem umfassend verstärkt und am 8. August mit Saša Lukić von Fulham bereits einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler verpflichtet. Zwei Tage zuvor beziehungsweise am 4. August hatte Ipswich außerdem die Verpflichtung von Florentino Luís bekannt gegeben.
Dass Ipswich trotzdem auch Palacios verpflichten möchte, würde auf erhebliche Ambitionen im zentralen Mittelfeld hindeuten. Für einen Aufsteiger wäre der Weltmeister von 2022 ein Spieler mit außergewöhnlich großer internationaler Erfahrung. Palacios gewann mit Argentinien neben der Weltmeisterschaft auch die Copa América 2021 und 2024. Dazu kommen seine Erfahrungen aus Bundesliga, Champions League und Europa League. Eine Einigung mit Ipswich ist nach Romanos Angaben allerdings noch nicht erreicht. Auch über Vertragsdauer oder Gehalt liegen keine bestätigten Angaben vor.
Bereits vor dem Ipswich-Angebot hatte es Spekulationen über weitere Interessenten gegeben. Romano hatte Anfang August Ipswich Town und RB Leipzig als Klubs genannt, die sich mit Palacios beschäftigen würden. Zuvor hatte auch der argentinische Journalist Sebastián Srur Leipzig mit dem Mittelfeldspieler in Verbindung gebracht. Die lokale Plattform RBlive berichtete allerdings Ende Juli unter Berufung auf eigene Informationen, Palacios sei zu diesem Zeitpunkt kein konkretes Thema bei RB gewesen. Die unterschiedlichen Darstellungen zeigen, dass ein tatsächlicher Leipziger Vorstoß bislang nicht bestätigt ist.
Romanos neue Darstellung geht nun weiter. Nach seinen Angaben seien neben Ipswich insgesamt vier weitere Vereine aus England und dem europäischen Ausland im Rennen. Welche Klubs das konkret sind, nannte er in seiner Meldung zunächst nicht vollständig. Deshalb wäre es verfrüht, weitere Vereine als konkrete Bieter darzustellen. Gesichert ist lediglich, dass der Transferjournalist von mehreren Interessenten spricht und Ipswich nach seiner Darstellung den bislang konkretesten Schritt vollzogen hat. Eine unabhängige Bestätigung für Angebote weiterer Klubs lag zunächst nicht vor.
Für Bayer wäre ein Verkauf sportlich keineswegs nebensächlich. Im aktuellen Kader von Trainer Carles Martínez stehen für das zentrale Mittelfeld unter anderem Robert Andrich, Aleix García, Ibrahim Maza, Malik Tillman sowie der argentinische Neuzugang Ezequiel Fernández zur Verfügung. Palacios bringt in dieser Gruppe jedoch eine Kombination aus Bundesliga-Erfahrung, Zweikampfstärke, Pressingresistenz und internationaler Erfahrung mit, die nicht ohne Weiteres identisch zu ersetzen wäre.
Gleichzeitig befindet sich Bayer ohnehin in einer Phase des personellen Umbaus. Martínez hat die Mannschaft erst in diesem Sommer von Kasper Hjulmand übernommen und soll eine neue Entwicklungsphase einleiten. Sollte Palacios tatsächlich wechseln, würde der neue Trainer noch vor seinem ersten Bundesligaspiel einen der erfahrensten zentralen Mittelfeldspieler verlieren. Dass Bayer einen Abgang akzeptieren würde, ist bislang allerdings ebenso wenig bestätigt wie die Frage, ob der Klub in diesem Fall noch einmal auf dem Transfermarkt nachlegen würde.
Für die beteiligten Klubs besteht noch etwas zeitlicher Spielraum. Das deutsche Sommertransferfenster läuft 2026 bis zum 31. August. In der Premier League können Transfers dagegen bis Dienstag, 1. September, um 23 Uhr britischer Zeit registriert werden. Für einen Wechsel von Leverkusen nach England bedeutet die unterschiedliche Frist grundsätzlich, dass Ipswich noch am englischen Deadline Day einen Spieler verpflichten könnte, sofern sämtliche Voraussetzungen rechtzeitig erfüllt werden.
Bis dahin sind mehrere Fragen offen. Entscheidend ist zunächst, wie Bayer auf das nach Angaben Romanos eingegangene Angebot reagiert. Danach müsste sich zeigen, ob Ipswich seine Offerte gegebenenfalls erhöht und ob einer der weiteren genannten Interessenten konkret wird. Auch die Haltung von Palacios selbst dürfte für den weiteren Verlauf eine zentrale Rolle spielen. Einen vollzogenen Abschied gibt es am Montagmittag, 10. August, jedenfalls noch nicht. Offiziell ist Palacios weiterhin Spieler von Bayer 04 Leverkusen und besitzt dort einen Vertrag bis 2030.
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