Dax dicht am Rekord: Jetzt rücken Ölpreis und US-Zinsen in den Fokus

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Dax am 11. August 2026 startet aus einer ungewöhnlich starken Ausgangslage in den Dienstag. Nach seinem Rekordlauf der vergangenen Woche liegt der deutsche Leitindex nur knapp unter seiner bisherigen Bestmarke. Am Montag beendete er den Xetra-Handel bei 26.323,88 Punkten, ein minimales Plus von 0,02 Prozent. Vor dem Börsenstart am Dienstag deuteten die Indikationen erneut auf leichte Gewinne hin. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit zu. Der Ölpreis ist wegen der Lage an der Straße von Hormus kräftig gestiegen, an der Wall Street überwogen am Montag die Verluste und am Mittwoch folgt mit den US-Verbraucherpreisen einer der wichtigsten Termine für die weitere Zinspolitik der Federal Reserve.

Dax beendet Montag bei 26.323,88 Punkten

Der Wochenauftakt verlief auf den ersten Blick unspektakulär. Der Dax schloss am Montag bei exakt 26.323,88 Punkten und damit 4,43 Punkte oder 0,02 Prozent höher als am Freitag. Dabei war der Index zwischenzeitlich wesentlich näher an sein Rekordniveau herangerückt. Im Tagesverlauf stieg er bis in den Bereich von rund 26.442 Punkten. Damit fehlten zeitweise nur wenige Punkte bis zur Bestmarke. Die Gewinne konnten jedoch nicht vollständig gehalten werden. Bereits am Freitag hatte der Leitindex bei 26.319,45 Punkten geschlossen und damit innerhalb einer Woche um 2,7 Prozent zugelegt.

Vor dem regulären Xetra-Start am Dienstag blieb die Tendenz freundlich. Gegen 7.36 Uhr wurde eine vorbörsliche Dax-Indikation von rund 26.367 Punkten ausgewiesen. Broker rechneten mit einem Auftakt von etwa 0,2 Prozent im Plus. Diese Werte sind allerdings nicht mit einem regulären Xetra-Stand gleichzusetzen. Der Haupthandel beginnt erst um 9 Uhr. Die Ausgangslage für den Dienstag lässt sich deshalb zunächst so zusammenfassen: Der verbindliche Xetra-Schluss liegt bei 26.323,88 Punkten, die vorbörslichen Signale deuten auf einen etwas höheren Start.

Rekordhoch nur rund 124 Punkte entfernt

Die bisherige Rekordmarke wurde am Freitag, 7. August, erreicht. Ein Kursdatenfeed weist das Allzeithoch bei 26.447,71 Punkten aus, andere Marktübersichten geben die Spitze gerundet mit etwa 26.445 Punkten an. Vom Xetra-Schluss am Montag bei 26.323,88 Punkten bis zur Marke von 26.447,71 Punkten fehlen damit lediglich 123,83 Punkte. Das entspricht knapp 0,47 Prozent. Bereits am Montag kam der Dax während des Handels bis auf wenige Punkte an diese Marke heran.

Der Abstand allein sagt allerdings wenig darüber aus, ob ein neuer Rekord unmittelbar bevorsteht. Nach der starken Vorwoche treffen mehrere gegensätzliche Faktoren aufeinander. Unterstützend wirken bislang robuste Unternehmensgewinne und die nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten gedämpften Erwartungen an weitere Zinserhöhungen. Belastend sind dagegen der kräftige Wiederanstieg der Energiepreise und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Consorsbank-Analyst Jochen Stanzl sieht trotz hoher Energiepreise ein konstruktives Umfeld, unter anderem wegen der Gewinnentwicklung der Dax-Unternehmen und moderater Bewertungen.

US-Inflation wird erst am Mittwoch veröffentlicht

Der wichtigste Konjunkturtermin für die Märkte folgt nicht am Dienstag, sondern am Mittwoch, 12. August. Das Bureau of Labor Statistics veröffentlicht die US-Verbraucherpreise für Juli um 8.30 Uhr US-Ostküstenzeit, entsprechend 14.30 Uhr deutscher Sommerzeit. Ökonomen in einer Reuters-Umfrage rechnen damit, dass die jährliche Inflationsrate von 3,5 Prozent im Juni auf 3,4 Prozent im Juli zurückgeht. Damit würde die Teuerung zwar etwas nachlassen, aber weiterhin deutlich über dem längerfristigen Inflationsziel der US-Notenbank liegen.

Für die Finanzmärkte ist insbesondere entscheidend, ob die Daten diese Erwartung bestätigen. Die überraschend schwachen Arbeitsmarktzahlen vom Freitag hatten die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung bereits gedämpft. Am Montag signalisierten Fed-Funds-Futures nach Reuters-Daten noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 52 Prozent für eine Zinserhöhung im September. Eine Woche zuvor waren es noch etwa 67 Prozent gewesen. Eine niedrigere Inflation könnte den Druck auf die Fed weiter reduzieren. Ein unerwartet hoher Wert würde dagegen die Diskussion um eine erneute Straffung der Geldpolitik verstärken.

Zusätzliche Unsicherheit kommt vom Ölmarkt. Die Juli-Inflationsdaten dürften den jüngsten erneuten Ölpreisanstieg noch nicht vollständig abbilden. Commerzbank-Ökonom Christoph Balz erwartet deshalb, dass die Inflationsrate im Juli noch einmal gesunken sein könnte, im August aber wieder zulegen könnte. Damit richtet sich der Blick der Anleger nicht nur auf die Zahl für Juli, sondern auch auf Hinweise darauf, wie dauerhaft die Entspannung tatsächlich ist.

Diese Konjunkturdaten stehen am Dienstag an

Der Dienstag selbst bietet einen deutlich weniger gewichtigen Datenkalender. Nach den endgültigen niederländischen Verbraucherpreisen am frühen Morgen folgt um 10 Uhr die italienische Handelsbilanz für Juni. Aus den USA wird um 14.15 Uhr ein Beschäftigungsindikator von ADP veröffentlicht. Um 16 Uhr deutscher Zeit stehen Daten zum US-Markt für bestehende Häuser für Juli an. Japan bleibt wegen eines Feiertags börsenseitig geschlossen.

Damit fehlt am Dienstag ein einzelner Konjunkturtermin von der Bedeutung des amerikanischen Verbraucherpreisindex. Trotzdem können insbesondere neue Arbeitsmarktdaten aus den USA die Zinserwartungen bewegen. Das gilt nach den überraschend schwachen Beschäftigungszahlen vom Freitag umso mehr. Gleichzeitig schauen die Märkte bereits auf Mittwoch und Donnerstag. Nach den Verbraucherpreisen folgt am Donnerstag die Entwicklung der US-Erzeugerpreise. Zusammen liefern die Zahlen neue Hinweise darauf, wie stark sich höhere Energie- und Importkosten inzwischen in der amerikanischen Wirtschaft niederschlagen.

TAG Immobilien, Salzgitter und Uniper legen Zahlen vor

Auch die Berichtssaison läuft weiter, wenn auch nicht mehr mit der Dichte der vergangenen Wochen. Für Dienstag sind in Deutschland mehrere Halbjahres- und Quartalsberichte angesetzt. TAG Immobilien hat seine Zahlen für das zweite Quartal für 6.55 Uhr terminiert. Um 7 Uhr folgt Atoss Software mit dem Halbjahresbericht, um 7.10 Uhr Norma mit Quartalszahlen. Für 7.30 Uhr stehen unter anderem Dermapharm, Salzgitter, Jungheinrich und Uniper im Unternehmenskalender. Cancom folgt um 8 Uhr. Außerdem präsentiert RTL seine Halbjahreszahlen.

International bleibt auch die Technologiebranche im Blick. Für Dienstag stehen unter anderem Geschäftszahlen des KI-Infrastrukturanbieters CoreWeave und von Super Micro Computer im Kalender. Gerade Technologieaktien haben in den vergangenen Monaten einen erheblichen Einfluss auf die internationale Börsenstimmung gehabt. Die laufende US-Berichtssaison war zugleich ein wichtiger Stützpfeiler der jüngsten Aktienrally. Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp hatte bereits darauf hingewiesen, dass dieser Impuls mit dem Auslaufen der US-Berichtssaison an Kraft verlieren könnte.

Qiagen führt Dax-Gewinner vom Montag an

Innerhalb des Dax gab es am Montag trotz der kaum veränderten Indexentwicklung deutliche Ausschläge. An der Spitze lag Qiagen mit einem Plus von 5,46 Prozent. Adidas gewann 2,01 Prozent, Scout24 legte um 1,61 Prozent zu und MTU Aero Engines um 1,32 Prozent. Damit verteilten sich die Gewinne auf verschiedene Branchen, während der Gesamtindex praktisch auf der Stelle trat.

Am unteren Ende der Dax-Tabelle stand die Deutsche Telekom mit einem Minus von 3,24 Prozent. Beiersdorf verlor 2,22 Prozent, Brenntag 1,34 Prozent und die Henkel-Vorzugsaktie 1,33 Prozent. Die Deutsche Telekom hatte erst wenige Tage zuvor nach besser als erwarteten Quartalszahlen und einer Ausweitung ihres Aktienrückkaufprogramms kräftig zugelegt. Der Rückgang am Montag folgte damit auf eine zuvor starke Kursbewegung. Eine einzelne, eindeutig belegte Nachricht als alleinige Ursache für sämtliche Kursausschläge des Montags lag nicht bei allen genannten Titeln vor.

Ölpreis wird erneut zum Risikofaktor für den Dax

Deutlich stärker als der Aktienmarkt bewegte sich zu Wochenbeginn der Ölpreis. Brent verteuerte sich am Montag zeitweise um mehr als fünf Prozent. Am Dienstagmorgen lag die Nordseesorte laut Reuters bei rund 88 Dollar je Barrel. Hintergrund ist die weiter ungeklärte Situation rund um die Straße von Hormus und die Bedingungen für eine mögliche Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs. Die Meerenge ist für den internationalen Öltransport von großer Bedeutung.

Für den Dax wirkt ein höherer Ölpreis auf mehreren Ebenen. Energieintensive Unternehmen müssen mit höheren Kosten rechnen, während steigende Energiepreise gleichzeitig die Inflation verstärken können. Dadurch erhöht sich wiederum das Risiko einer restriktiveren Geldpolitik. Genau diese Verbindung zwischen Öl, Inflation und Zinsen macht die Entwicklung derzeit für Aktienanleger besonders relevant. Am Montag belastete die Unsicherheit bereits die US-Börsen. Der Dow Jones verlor 0,11 Prozent, der S&P 500 0,06 Prozent und der Nasdaq Composite 0,32 Prozent.

Euro notiert bei rund 1,154 Dollar

Auch der Devisenmarkt liefert für international tätige Dax-Konzerne wichtige Signale. Der Euro wurde am Dienstagmorgen gegen 7.52 Uhr bei rund 1,1541 Dollar gehandelt. Bereits am Montag hatte die Gemeinschaftswährung leicht nachgegeben. Reuters bezifferte das Minus am Montag auf rund 0,13 Prozent bei einem Kurs von 1,1542 Dollar. Gleichzeitig gewann der Dollarindex etwa 0,2 Prozent.

Für exportorientierte Unternehmen kann ein schwächerer Euro grundsätzlich die Umrechnung von im Dollarraum erzielten Umsätzen und Gewinnen begünstigen. Gleichzeitig werden jedoch in Dollar gehandelte Rohstoffe wie Öl aus europäischer Sicht teurer. Der derzeitige Mix aus einem etwas festeren Dollar und deutlich höheren Ölpreisen ist deshalb nicht eindeutig positiv für den Dax. Besonders für energieintensive Branchen können steigende Rohstoffkosten stärker ins Gewicht fallen als mögliche Wechselkursvorteile.

Was Anleger beim Dax jetzt beachten

Der Dax geht damit mit zwei gegensätzlichen Signalen in den Dienstag. Einerseits liegt der Index weniger als ein halbes Prozent unter seinem Allzeithoch, und die vorbörslichen Indikationen deuten erneut auf einen freundlichen Beginn. Andererseits sind die Risiken nicht verschwunden. Der kräftige Ölpreisanstieg, die Unsicherheit um die Straße von Hormus und die noch offene Richtung der amerikanischen Geldpolitik können jederzeit für stärkere Bewegungen sorgen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt deshalb der Kombination aus Ölpreis, US-Zinserwartungen und den Inflationszahlen am Mittwoch. Ein neuer Dax-Rekord wäre angesichts des geringen Abstands rechnerisch schnell erreichbar, ist daraus aber nicht abzuleiten. Ebenso lässt sich aus der Nähe zum Allzeithoch kein verlässliches Signal über die weitere Kursentwicklung ableiten. Aktienmärkte können auf Konjunkturdaten, geopolitische Nachrichten und Unternehmensmeldungen kurzfristig stark reagieren. Die genannten Daten dienen daher ausschließlich der sachlichen Markteinordnung und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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