Felssturz am Oeschinensee: Warum der Berg weiter überwacht wird

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Am Oeschinensee im Berner Oberland sind am Wochenende rund 1500 Kubikmeter Fels vom Spitze Stei abgebrochen und talwärts gestürzt. Der Felssturz ereignete sich am Samstag, 8. August 2026, kurz nach 13.30 Uhr oberhalb des bekannten Ausflugsziels bei Kandersteg. Eine große Staubwolke war weithin sichtbar. Videos aus dem Gebiet zeigen, wie Besucher am Seeufer auf das Ereignis reagieren und sich teilweise rasch vom Ufer entfernen. Nach bestätigten Angaben wurde bei dem Felssturz niemand verletzt.

Rund 1500 Kubikmeter Fels brechen am Spitze Stei ab

Der abgestürzte Felsblock befand sich im Gipfelbereich des Spitze Stei, einer seit Jahren überwachten instabilen Bergflanke oberhalb des Oeschinensees. Bereits am Tag vor dem Ereignis hatte die Gemeinde Kandersteg über die Entwicklung informiert. Der etwa 1500 Kubikmeter große Block bewegte sich zu diesem Zeitpunkt mit rund sechs Zentimetern pro Tag. Die Fachleute hielten deshalb einen Absturz ausdrücklich für möglich.

Dass beim Abbruch eine auffällige Staubwolke entstand, entsprach ebenfalls der vorherigen Einschätzung. Wegen der trockenen Verhältnisse war mit erheblicher Staubentwicklung gerechnet worden. Der Zeitpunkt des Absturzes ließ sich dennoch nicht exakt vorhersagen. Neben einem Abbruch war zuvor auch eine erneute Stabilisierung des zwischen anderen Felsblöcken verkeilten Gesteins für möglich gehalten worden.

Videos zeigen Besucher auf der Flucht vor der Staubwolke

Aufnahmen aus mehreren Perspektiven verbreiteten sich nach dem Ereignis in sozialen Netzwerken. Darauf ist zu sehen, wie sich die Felsmassen lösen und eine große Staubwolke über dem Gelände entsteht. Einige Menschen am Oeschinensee entfernen sich daraufhin schnell vom Ufer. Dass sämtliche Personen auf den Aufnahmen tatsächlich unmittelbar durch die Felsmassen gefährdet waren, lässt sich aus den Videos allein allerdings nicht ableiten.

Entscheidend ist die räumliche Abgrenzung der Gefahrenbereiche. Nach Einschätzung der Gemeinde waren die für Besucher geöffneten Bereiche des Oeschinengebiets durch das erwartete Ereignis nicht gefährdet. Auch bewohntes Gebiet galt nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht als gefährdet. Für besonders exponierte Bereiche besteht dagegen schon länger eine dauerhafte Sperrzone.

Gefahrenzone am Oeschinensee besteht bereits seit Jahren

Die Instabilität am Spitze Stei ist für die Behörden kein neues Phänomen. Die Bergflanke südlich beziehungsweise südöstlich des Oeschinensees wird seit 2018 intensiv beobachtet. Dort bewegen sich wesentlich größere Felsmassen als der nun abgestürzte einzelne Block. Messungen und geologische Untersuchungen dienen dazu, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Gefahrenbereiche anzupassen.

Für mögliche Sturzereignisse bis zu einem Volumen von 200.000 Kubikmetern gilt eine dauerhafte Sperrzone. Auch ein Straßenabschnitt oberhalb des Bärentritts bis zur Einmündung des Wanderwegs Grüenewald bleibt für Fußgänger gesperrt. Kleinere spontane Abbrüche können nach Einschätzung der Fachleute jederzeit auftreten. Nach Felsabbrüchen oder starken Regenfällen können zudem Geröll und Wasser in den Gerinnen talwärts transportiert werden und Murgänge entstehen.

Die Gemeinde bewertet die Situation regelmäßig neu. Die nächste Lagebeurteilung ist für Freitag, 14. August 2026, vorgesehen, kann bei einer Veränderung der Situation aber auch früher erfolgen.

Permafrost spielt am Spitze Stei eine wichtige Rolle

Die Entwicklung am Spitze Stei steht auch im Zusammenhang mit Veränderungen des alpinen Permafrosts. Damit bezeichnet man Boden oder Fels, der mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre dauerhaft Temperaturen von höchstens null Grad aufweist. In den Schweizer Alpen tritt Permafrost vor allem in großen Höhen und an kalten, schattigen Felswänden auf.

Langjährige Messreihen zeigen, dass sich der Permafrost in den Schweizer Alpen erwärmt. Das kann die Stabilität von Felsflanken beeinflussen. Eis in Klüften verändert unter anderem die Wasserdurchlässigkeit und die mechanischen Eigenschaften des Gesteins. Erwärmt sich der Untergrund oder taut Eis auf, kann Wasser tiefer in Klüfte eindringen. Dadurch können sich Spannungsverhältnisse innerhalb bereits instabiler Hänge verändern.

Beim Spitze Stei weisen Überwachungsdaten nach Angaben des Schweizer Instituts für Schnee und Lawinenforschung darauf hin, dass Eis im Untergrund die Bewegung der instabilen Felsmasse teilweise bremst. Diese Wirkung kann geringer werden, wenn sich der Permafrost erwärmt oder auftaut. Damit gehört der Spitze Stei zu den konkret untersuchten Beispielen für das Zusammenspiel von Permafrost, Wasser und Felsbewegungen in den Alpen.

Klimawandel erhöht in den Alpen langfristig bestimmte Risiken

Aus dem Felssturz vom Samstag lässt sich dennoch nicht ableiten, dass allein hohe Temperaturen oder das Auftauen von Permafrost unmittelbar den Abbruch verursacht haben. Felsstürze entstehen meist durch das Zusammenwirken zahlreicher Faktoren. Dazu gehören die Steilheit eines Hanges, Klüfte und Schwächezonen im Gestein, Wasser, Frostwechsel, langfristige Felsermüdung und Veränderungen von Gletschern und Permafrost.

Grundsätzlich beobachten Wissenschaftler jedoch eine erhöhte Felssturzaktivität in Höhenlagen mit warmem Permafrost und insbesondere während der Zeit im Jahr, in der die Felstemperaturen besonders hoch sind. Mit der fortschreitenden Erwärmung verändern sich damit auch Naturgefahren im Hochgebirge.

Das betrifft nicht nur die Schweiz. Auftauender Permafrost und zurückweichende Gletscher verändern Bergflanken in vielen Teilen der europäischen Alpen. Gerade für stark besuchte Wanderregionen gewinnen deshalb Überwachung, Gefahrenkarten und kurzfristige Sperrungen an Bedeutung.

Urlauber müssen Sperrzone am Oeschinensee strikt beachten

Für Besucher bedeutet der Felssturz nicht, dass das gesamte Gebiet am Oeschinensee gesperrt ist. Nach der aktuellen Beurteilung gelten sämtliche geöffneten Bereiche im Oeschinengebiet weiterhin als nicht zusätzlich durch die erwarteten Ereignisse am Spitze Stei gefährdet. Die ausgewiesenen Sperrzonen dürfen dagegen unter keinen Umständen betreten werden.

Die Betreiber am Oeschinensee empfehlen Wanderern, sich vor einer Tour über aktuelle Sperrungen, Wetterbedingungen und die örtliche Gefahrensituation zu informieren und auf den offiziellen Wanderwegen zu bleiben. Besonders nach starken Regenfällen und ausgeprägten Temperaturwechseln kann die Gefahr von Steinschlag, Felsabbrüchen oder Murgängen steigen.

Warnzeichen können frische Einschlagstellen, neue Felsablagerungen oder sichtbare Ausbruchsstellen sein. Absperrungen und Hinweistafeln haben Vorrang vor einer geplanten Route. Ein großer Teil des südöstlichen Seeufers gehört wegen Stein- und Felssturzgefahr zu einem Sperrgebiet mit absolutem Betretungsverbot.

Der Vorfall vom Wochenende zeigt zugleich, weshalb diese Vorsichtsmaßnahmen bestehen. Obwohl sich rund 1500 Kubikmeter Gestein lösten und der Abbruch während der touristischen Hochsaison stattfand, wurden keine Menschen verletzt. Die instabile Bergflanke bleibt jedoch in Bewegung und wird weiter überwacht.

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