Trump flog nach NATO-Gipfel unerkannt aus Ankara

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

Teilen:

Der Trump Flugzeugwechsel in Ankara nach dem NATO-Gipfel Anfang Juli war deutlich aufwendiger als zunächst öffentlich bekannt. US-Präsident Donald Trump bestieg am Abend des 8. Juli 2026 vor laufenden Kameras zunächst eine ältere Boeing 747, die bis dahin als Air Force One eingesetzt worden war. Wenige Minuten später soll er die Maschine jedoch auf der anderen Seite des Flugzeugs unbemerkt wieder verlassen haben. Nach Recherchen mehrerer US-Medien wurde Trump in einem Catering-Fahrzeug zu einer kleineren Militärmaschine des Typs C-32A gebracht und flog mit ihr nach Großbritannien. Die ungewöhnliche Schutzoperation soll wegen einer möglichen Bedrohung aus dem Umfeld Irans angeordnet worden sein. Trump hat den Flugzeugwechsel inzwischen bestätigt. Neu ist jedoch, dass die CIA die zugrunde liegende Warnung nach Angaben der Washington Post intern nur mit geringer Zuversicht bewertet haben soll.

Trump wechselte am 8. Juli kurz vor dem Abflug die Maschine

Das Manöver spielte sich am Abend des 8. Juli am Flughafen von Ankara ab. Trump hatte zuvor öffentlich angekündigt, für den ersten Abschnitt seines Rückflugs nicht die erst kurz zuvor in Dienst gestellte, ursprünglich aus Katar stammende Boeing 747-8 zu nutzen. Stattdessen wolle er der alten Zeiten wegen mit der bisherigen Air Force One nach Großbritannien fliegen. Die neue Maschine solle vorausfliegen, damit US-Soldaten auf dem britischen Stützpunkt RAF Mildenhall sie besichtigen könnten. Tatsächlich bestieg Trump vor Kameras die ältere blau-weiße Boeing 747 und winkte beim Einstieg vom oberen Ende der Treppe.

Nach Angaben der Washington Post, die sich auf einen US-Beamten sowie auf Bildmaterial vom Flughafen stützt, befand sich auf der gegenüberliegenden Seite der Maschine ein Catering-Fahrzeug. Dessen hydraulisch angehobener Container wurde auf Höhe einer Flugzeugtür positioniert. Trump und mehrere Begleiter seien in diesen Container gestiegen. Anschließend sei das Fahrzeug abgesenkt und zu einer in der Nähe abgestellten C-32A gefahren worden, einer militärisch betriebenen Variante der Boeing 757. Auf Aufnahmen verschwindet der Wagen während dieser Fahrt zeitweise aus dem Sichtfeld der Kameras. Die Washington Post wertete zudem weiteres Material aus, das den Ablauf nach Darstellung der Zeitung stützt.

Fenster der Pressemaschine mussten geschlossen bleiben

Während Trump bereits zur anderen Maschine gebracht worden sein soll, stiegen Mitglieder des mitreisenden Pressekorps in die ältere Air Force One ein. Nach einem Pool-Bericht wurden die Journalisten vom Personal des Weißen Hauses angewiesen, die Fensterblenden geschlossen zu halten. Eine öffentliche Erklärung für diese ungewöhnliche Anweisung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. CBS berichtete später ebenfalls, dass Reporter während des Abflugs die Fenster nicht öffnen sollten.

Die C-32A mit Trump flog anschließend nach RAF Mildenhall in England. Nach Angaben der Washington Post wurde die Maschine von Kampfflugzeugen begleitet. Die ältere Air Force One folgte mit Pressevertretern, Regierungsmitarbeitern und ranghohen Amtsträgern. Nach Videoauswertungen traf die C-32A gegen 22.20 Uhr Ortszeit in Mildenhall ein, die Boeing 747 wenige Minuten später. Wie Trump anschließend wieder unbemerkt in die ältere Präsidentenmaschine gelangte, ist nicht öffentlich dokumentiert. Gegen 22.56 Uhr erschien er vor Kameras und stieg aus der Boeing 747. Wenige Minuten später setzte er seine Reise in der modernisierten, aus Katar stammenden Maschine in Richtung USA fort.

Rubio und Bessent blieben in der Lockvogelmaschine

Inzwischen ist auch klarer, welche Mitglieder der Regierung auf welchem Flugzeug saßen. Nach Angaben eines hochrangigen US-Beamten gegenüber der Nachrichtenagentur AP blieben Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent in der älteren Air Force One. Die Maschine fungierte damit faktisch als Ablenkungsflugzeug, während Trump auf der C-32A unterwegs war. Rubio sei über den Wechsel und die zugrunde liegende Bedrohung informiert gewesen. Ob Bessent sämtliche Einzelheiten kannte, konnte der von AP zitierte Beamte nicht sicher bestätigen.

CBS berichtete unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Quellen, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth Trump auf dem geheimen Flug begleitete. Ebenfalls in dem Catering-Fahrzeug und anschließend in der C-32A sollen demnach die Mitarbeiter Natalie Harp, Walt Nauta und Dan Scavino gewesen sein. Auf der Lockvogelmaschine seien neben Rubio und Bessent unter anderem Stephen Miller, Will Scharf, Steven Cheung, Mike Needham, Ross Worthington und Monica Crowley geblieben. Diese personellen Details sind nicht vom Weißen Haus offiziell veröffentlicht worden, sondern beruhen auf Quellenangaben von CBS.

CIA soll israelische Warnung skeptisch bewertet haben

Eine neue Recherche der Washington Post verändert die Einordnung der Bedrohungslage. Die Zeitung berichtete am 12. August unter Berufung auf gegenwärtige und frühere US-Beamte, die ursprüngliche Warnung vor einem möglichen Anschlag auf Trump sei von der israelischen Regierung an die CIA weitergegeben worden. CIA-Analysten hätten die Informationen jedoch nicht als besonders überzeugend angesehen und diese Skepsis gegenüber Verantwortlichen der Trump-Regierung deutlich gemacht.

Ein von der Zeitung zitierter Beamter beschrieb die Informationen als israelischen Ursprungs, nicht aus eigener US-Aufklärung gewonnen und mit geringer Zuversicht bewertet. Das bedeutet in der Sprache der US-Geheimdienste nicht, dass eine Information als falsch gilt. Es bedeutet vielmehr, dass die vorhandenen Informationen nicht ausreichen, um die Einschätzung mit größerer Sicherheit zu vertreten. Die CIA selbst lehnte gegenüber der Washington Post eine Stellungnahme ab. Auch die israelische Botschaft beantwortete der Zeitung zufolge zunächst keine Detailfragen.

Andere US-Medien berichteten zuvor unter Berufung auf Regierungs- und Sicherheitskreise konkreter über die mögliche Gefahr. ABC News zufolge soll die Schutzentscheidung etwa vier bis fünf Stunden vor Trumps geplantem Abflug gefallen sein. Ein hochrangiger Regierungsbeamter habe erklärt, es habe Hinweise darauf gegeben, dass eine iranische Zelle mit einer tragbaren Flugabwehrrakete in die Türkei gelangt sei und Informationen über Trumps Bewegungen besessen habe. Reuters berichtete ebenfalls von einer möglichen Bedrohung durch eine tragbare Rakete. Diese konkreten Angaben sind bislang nicht durch eine öffentliche Erklärung der US-Geheimdienste oder des Secret Service bestätigt worden.

Trump bestätigt Sicherheitsentscheidung des Secret Service

Trump selbst bestätigte den wesentlichen Kern der Operation am 11. August nach seiner Rückkehr auf der Joint Base Andrews bei Washington. Er erklärte vor Journalisten, der Secret Service und das Militär hätten gewollt, dass er einen anderen Flug und ein anderes Flugzeug nehme. Er halte sich in solchen Situationen an deren Vorgaben. Zum Inhalt der Warnung sagte Trump, er habe nicht viele Fragen gestellt. Präsidenten mit politischer Bedeutung erhielten viele Drohungen, erklärte er.

Auf die Frage, warum er aus der ursprünglichen Maschine gebracht worden sei, während Journalisten und Mitarbeiter weiter darin flogen, sagte Trump, seiner Einschätzung nach sei die von ihm tatsächlich genutzte Maschine möglicherweise sogar stärker gefährdet gewesen. Einen Beleg dafür nannte er nicht. Bereits nach dem Flug im Juli hatte Trump auf Fragen zu den geschlossenen Fensterblenden gesagt, die Reise sei wahrscheinlich gefährlich gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Weiße Haus den Wechsel zur C-32A jedoch noch nicht öffentlich eingeräumt.

Weißes Haus verweist auf Bedrohungen gegen den Präsidenten

Das Weiße Haus beantwortete Detailfragen zur Operation zunächst nicht vollständig. Kommunikationsdirektor Steven Cheung erklärte gegenüber der Washington Post, die neu eingesetzte Präsidentenmaschine sei mit umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet. Zugleich verwies er allgemein darauf, dass Feinde der Vereinigten Staaten den Präsidenten ins Visier nähmen und alle verfügbaren Instrumente eingesetzt würden, um solchen Gefahren zu begegnen. Zu der Frage, warum Trump aus der älteren Air Force One gebracht wurde und warum andere Regierungsmitglieder und Journalisten darin weiterflogen, äußerte sich das Weiße Haus in dieser Stellungnahme nicht konkret.

Auf die jüngste Recherche der Washington Post zur skeptischen CIA-Bewertung erklärte ein US-Regierungsvertreter gegenüber der Zeitung, Trump sei zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt gewesen, darunter solchen aus Iran. Deshalb würden sämtliche notwendigen Maßnahmen zu seinem Schutz getroffen. Der Secret Service habe seine Kernaufgabe erfüllt und den Präsidenten geschützt. Der Secret Service selbst hatte Detailfragen zur ursprünglichen Recherche der Zeitung an das Weiße Haus und das Pentagon verwiesen. Das Pentagon wiederum verwies auf das Weiße Haus.

Kritik richtet sich vor allem auf die Passagiere der zweiten Maschine

Kritik entzündete sich weniger daran, dass der Präsident aus Sicherheitsgründen verdeckt transportiert wurde, sondern daran, dass ranghohe Regierungsvertreter, Mitarbeiter und Journalisten auf der nach außen weiterhin als Präsidentenflugzeug erscheinenden Maschine blieben. Der demokratische Senator Richard Blumenthal forderte eine Unterrichtung des Kongresses und verlangte Informationen darüber, welche Schutzmaßnahmen für die Menschen an Bord getroffen worden seien. Sein Parteikollege Chris Van Hollen stellte nach Bekanntwerden der CIA-Einschätzung die Frage, in welchem Umfang die israelischen Informationen unabhängig überprüfbar gewesen seien.

Auch Journalisten äußerten Kritik. CNN-Moderator Jake Tapper erklärte, Täuschungsmaßnahmen zum Schutz eines Präsidenten seien nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Er habe jedoch von keinem früheren Fall gehört, bei dem eine mit Mitarbeitern des Weißen Hauses und Journalisten besetzte Air Force One während einer als unmittelbar dargestellten Bedrohung als Lockvogel eingesetzt worden sei. Das Committee to Protect Journalists argumentierte, Reporter sollten über glaubhafte Sicherheitsgefahren informiert werden, damit sie Entscheidungen über ihre eigene Sicherheit treffen könnten.

Täuschungsflüge sind bekannt, die Ankara-Operation bleibt ungewöhnlich

Täuschungsmanöver gehören grundsätzlich zum Instrumentarium des US-Präsidentenschutzes. Ein gut dokumentierter Vergleich stammt aus dem März 2000. Damals reiste Präsident Bill Clinton unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen nach Pakistan. Eine Maschine mit den bekannten Air-Force-One-Markierungen diente als Ablenkung, während Clinton tatsächlich mit einem unauffälligeren Flugzeug nach Islamabad flog. Nach der Landung wurde der Wechsel sichtbar. Mindestens ein Mitglied des damaligen Pressekorps war vorab unter Vertraulichkeit über das Manöver informiert worden.

Nach Angaben eines von der Washington Post zitierten früheren US-Beamten wurde Air Force One auch in anderen Situationen der vergangenen Jahrzehnte als Täuschungsmittel genutzt, wenn eine konkrete Gefahr bestand oder ein Präsident in ein Hochrisikogebiet reiste. Ungewöhnlich an Ankara war daher weniger die Idee eines alternativen Flugzeugs als die Kombination aus öffentlichem Einstieg Trumps in die Boeing 747, verdecktem Ausstieg über ein Catering-Fahrzeug, Weiterflug einer mit ranghohen Beamten und Presse besetzten Maschine und der wochenlangen Geheimhaltung des tatsächlichen Ablaufs.

Der frühere amtierende Secret-Service-Direktor Ronald Rowe verteidigte grundsätzlich die Geheimhaltung operativer Schutzmaßnahmen. Sicherheitsmethoden müssten außerhalb der Öffentlichkeit bleiben, wenn sie wirksam sein sollten. Der frühere Secret-Service-Mitarbeiter Robert McDonald verwies zudem darauf, dass solche Operationen nur einem sehr kleinen Personenkreis bekannt gegeben würden. Dass Trump selbst auf einer anderen Maschine flog, sei deshalb zwar außergewöhnlich, aber nicht ohne historische Vorbilder. Offen blieb zunächst, welche konkrete Gefahrenbewertung letztlich den Ausschlag für das besonders weitreichende Manöver in Ankara gab. Die neue Information über die geringe Zuversicht der CIA zeigt jedenfalls, dass innerhalb der US-Sicherheitsbehörden offenbar keine einheitliche Bewertung der israelischen Warnung bestand.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu