Fast fünf Meter langer Riesenhai in Dänemark gibt Forschern Rätsel auf

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Der Riesenhai bei Ålbæk im Norden Dänemarks gibt Forschern weiterhin Rätsel auf. Das fast fünf Meter lange und auf rund 500 Kilogramm geschätzte Tier war zunächst lebend unmittelbar vor der Küste beobachtet worden und wurde zwei Tage später tot gefunden. Eine inzwischen vorgenommene umfangreiche Untersuchung ergab zunächst keinen eindeutigen Hinweis darauf, woran der Hai gestorben sein könnte. Nach Angaben der beteiligten Fachleute handelte es sich um ein junges Weibchen, das äußerlich und bei der Untersuchung seiner Organe überwiegend gesund wirkte. Mehrere Proben müssen nun im Labor ausgewertet werden.

Riesenhai wurde zunächst lebend vor Ålbæk beobachtet

Erstmals beobachtet wurde der Riesenhai nach Angaben des Nordsøen Oceanarium am Donnerstag, 6. August 2026, vor Ålbæk Strand im Norden Jütlands. Augenzeugen sahen das Tier nahe der Küste im flachen Wasser. Beobachter der Vogelstation Skagen berichteten am folgenden Tag ebenfalls von dem Hai und beschrieben, wie er sich zeitweise weniger als zehn Meter vom Strand entfernt bewegte und offenbar Nahrung aus dem Wasser filterte. Bereits während der ersten Sichtungen gab es Beobachtungen, wonach sich das Tier ungewöhnlich küstennah aufhielt. Eine gesicherte Erklärung dafür gibt es nicht.

Ålbæk liegt etwa 20 Kilometer südlich von Skagen an der Ostseite Nordjütlands. Geografisch befindet sich der Ort am Kattegat und damit nicht an der offenen Ostsee. Das Kattegat verbindet über die dänischen Meerengen den Ostseeraum mit dem Skagerrak und der Nordsee. Für die Einordnung des Fundes ist diese Lage bedeutend, weil Riesenhaie vor allem aus dem Atlantik und anderen großen gemäßigten Meeresgebieten bekannt sind und nur gelegentlich in die inneren dänischen Gewässer gelangen.

Zwei Tage später lag der Hai tot nördlich des Hafens

Am Morgen des Samstag, 8. August, wurde der Riesenhai tot rund einen Kilometer nördlich des Hafens von Ålbæk gefunden. Zunächst war seine Länge mit 4,85 Metern angegeben worden. Bei der späteren detaillierten wissenschaftlichen Vermessung wurde das Tier mit rund 4,7 Metern erfasst. Das Gewicht wurde vom Nordsøen Oceanarium auf ungefähr 500 Kilogramm geschätzt. Die unterschiedlichen Längenangaben beruhen damit auf der ersten Erfassung nach dem Fund und der späteren genaueren Untersuchung.

Bei dem Tier handelte es sich den Forschern zufolge um ein junges Weibchen. Das Alter wurde nach der Untersuchung vorläufig auf etwa zehn bis 15 Jahre geschätzt. Geschlechtsreif war der Hai nach Einschätzung der Fachleute noch nicht. Riesenhaie können wesentlich älter werden. Die beteiligten Biologen gingen deshalb nicht davon aus, dass hohes Alter eine naheliegende Erklärung für den Tod des Tieres liefern könnte. Eine konkrete Todesursache ließ sich daraus jedoch nicht ableiten.

Acht Fachleute untersuchten den Riesenhai in Hirtshals

Der Kadaver wurde zum Nordsøen Oceanarium im nordjütländischen Hirtshals gebracht. Dort untersuchten acht Fachleute das Tier über knapp vier Stunden. Beteiligt waren Wissenschaftler und Biologen des Statens Naturhistoriske Museum, des Museum Sønderjylland, des Kattegatcentret, der Universität Aarhus und des Nordsøen Oceanarium. Geleitet wurde die Untersuchung von Peter Rask Møller, Kurator am dänischen Naturhistorischen Museum.

Die Forscher erfassten zunächst rund 43 äußere Maße, darunter Körperlänge und Flossengrößen. Anschließend untersuchten sie Haut, Organe, Magen und Darm. Auch Proben von Leber, Galle, Milz, Geschlechtsorganen und Herz wurden entnommen. Nach Angaben des Nordsøen Oceanarium wog allein die Leber etwa 75 Kilogramm, das Herz rund 1,5 Kilogramm. Kopf, Kiemen und Teile der Wirbelsäule wurden für weitere Untersuchungen erhalten.

Keine offensichtliche Todesursache bei der Sektion gefunden

Eine eindeutige Erklärung für den Tod ergab die Untersuchung nicht. Nach Angaben von Chefbiologin Kristina Ydesen machte das Weibchen insgesamt einen guten körperlichen Eindruck. Äußerlich wurden lediglich ein einzelnes oberflächliches Geschwür beziehungsweise eine Wunde sowie einige Schrammen festgestellt. Diese Verletzungen seien nicht tief gewesen. Auch bei den inneren Organen fanden die Fachleute zunächst keinen Befund, der unmittelbar als Todesursache gelten könnte.

Im Darm entdeckten die Forscher fünf größere Parasiten sowie einzelne weitere Parasiten an der Körperoberfläche. Nach Einschätzung der Biologen war deren Zahl jedoch nicht so hoch, dass daraus bislang eine Erkrankung des Tieres abgeleitet werden könnte. Die Parasiten werden dennoch näher untersucht. Sie könnten den Wissenschaftlern möglicherweise Informationen darüber liefern, in welchen Gewässern sich das Tier zuvor aufgehalten hatte. Ob sie irgendeine Rolle für seinen Tod spielten, ist nicht bestätigt.

Hai hatte noch kurz vor seinem Tod gefressen

Auch Hinweise auf Hunger oder eine länger andauernde Schwächung fanden die Wissenschaftler zunächst nicht. Im Magen befanden sich noch Reste von Plankton und kleinen Krebstieren. Nach Einschätzung des Nordsøen Oceanarium hatte der Riesenhai bis ungefähr einen Tag vor seinem Tod Nahrung aufgenommen. Plastik oder andere erkennbare Fremdkörper wurden bei der Untersuchung nicht entdeckt.

Gerade diese Befunde machen die Todesursache bislang schwer erklärbar. Das Tier war jung, hatte Nahrung aufgenommen und wies bei der ersten Untersuchung keine offensichtliche schwere Erkrankung oder Verletzung auf. Die Forscher haben deshalb zahlreiche Gewebeproben gesichert. Erst Laboranalysen könnten zeigen, ob beispielsweise bislang nicht sichtbare krankhafte Veränderungen vorhanden waren. Eine solche Ursache ist bislang jedoch nicht nachgewiesen.

Kopf, Gehirn und Wirbelsäule werden weiter untersucht

Mit der Sektion ist die wissenschaftliche Arbeit deshalb noch nicht beendet. Das Material soll teilweise mithilfe bildgebender Verfahren analysiert werden. Nach Angaben der beteiligten Fachleute sollen unter anderem Gehirn und Wirbel in einem CT Scanner untersucht werden. Zuvor war angekündigt worden, dass der Kopf des Tieres dafür am Universitätsklinikum Aarhus untersucht werden soll.

Die Aufnahmen können feine Strukturen sichtbar machen, ohne das erhaltene Material weiter zerlegen zu müssen. Die Forscher wollen unter anderem die Mineralisierung der Wirbel untersuchen. Solche Daten können neben möglichen Hinweisen auf Erkrankungen auch Informationen über Alter, Lebensweise und Bewegungen eines Hais liefern. Ob die Untersuchungen letztlich die Todesursache klären werden, ist offen.

Riesenhaie sind im Ostseeraum extrem selten

Der Riesenhai mit dem wissenschaftlichen Namen Cetorhinus maximus ist keine typische Art der Ostsee. HELCOM, die zwischenstaatliche Kommission zum Schutz der Ostsee, bezeichnet ihn im Ostseeraum als lediglich sehr seltenen Gast. Seine eigentlichen Verbreitungsschwerpunkte liegen in gemäßigten Meeresgebieten. Die Art kommt unter anderem im Atlantik und Pazifik vor und legt weite Strecken zurück.

Auch in dänischen Gewässern gilt der Riesenhai als selten. Das Nordsøen Oceanarium weist darauf hin, dass die Art früher häufiger auch in inneren dänischen Gewässern vorkam. Sie wurde historisch stark befischt, unter anderem wegen ihrer großen, ölreichen Leber. Die Bestände wurden dadurch erheblich reduziert. Inzwischen ist die Art geschützt. Das Auftreten eines einzelnen Tieres im Kattegat ist daher biologisch möglich, aber ungewöhnlich genug, um für Wissenschaftler von besonderem Interesse zu sein.

Plankton lockt die riesigen Haie in nördliche Gewässer

Riesenhaie gehören zu den großen Wanderern der Meere. Nach Angaben der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten kommen sie weltweit vor allem in gemäßigten Gewässern vor. Häufig halten sie sich in Wassertemperaturen zwischen etwa neun und 17 Grad Celsius auf. Ihre Wanderungen hängen eng mit dem Nahrungsangebot zusammen. Im Nordatlantik erscheinen sie saisonal auch in flachen Küstengewässern.

Entscheidend ist dabei Plankton. Riesenhaie schwimmen mit weit geöffnetem Maul durch planktonreiche Wasserschichten und filtern winzige Organismen aus dem Meerwasser. Wo sich durch Strömungen, Temperaturverhältnisse und Nährstoffe große Mengen Zooplankton konzentrieren, können die Haie deshalb ebenfalls auftauchen. Das erklärt grundsätzlich, warum sie im Sommer weit nach Norden und zeitweise nahe an Küsten ziehen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, warum gerade das Tier von Ålbæk diesen konkreten Weg nahm.

Der zweitgrößte Hai der Welt ist für Menschen ungefährlich

Der Riesenhai ist nach dem Walhai die zweitgrößte heute lebende Haiart. Nach Angaben der Bonner Konvention können ausgewachsene Tiere Längen von bis zu etwa zwölf Metern und ein Gewicht von bis zu rund 20 Tonnen erreichen, wobei derart große Exemplare heute selten sind. Viele beobachtete Tiere bleiben deutlich kleiner. Das Weibchen von Ålbæk war mit rund 4,7 Metern deshalb trotz seiner beeindruckenden Größe noch ein vergleichsweise junges Tier.

Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Zooplankton und anderen sehr kleinen Organismen. Anders als räuberische Großhaie jagt der Riesenhai keine großen Fische oder Meeressäuger. Er filtert seine Nahrung über seine besonders großen Kiemenstrukturen aus dem Wasser. Für Menschen gelten Riesenhaie nicht als gefährliche Haie. Auch das Nordsøen Oceanarium betont, dass die normalerweise in dänischen Gewässern vorkommenden oder dort auftauchenden Haiarten keine Gefahr für Menschen darstellen.

Riesenhai steht unter internationalem Schutz

Die Art ist aufgrund ihrer Biologie besonders empfindlich gegenüber starker Befischung. Riesenhaie wachsen langsam, erreichen die Geschlechtsreife vergleichsweise spät und bringen nur wenige Nachkommen hervor. Historische Fischereien haben ihre Bestände in mehreren Regionen stark reduziert. Der Riesenhai unterliegt daher heute internationalen Schutzregelungen. Im Rahmen der Bonner Konvention ist Cetorhinus maximus in den Anhängen I und II für wandernde Arten geführt. Auch der internationale Handel wird über Schutzbestimmungen geregelt.

In Dänemark darf der Riesenhai nach Angaben des Nordsøen Oceanarium nicht gezielt gefangen werden. Der wissenschaftliche Wert des nun gefundenen Tieres ist deshalb erheblich. Ein vollständig verfügbarer Kadaver ermöglicht Untersuchungen, die an lebenden Tieren kaum durchführbar wären. Besonders seltenes Material wie Proben der sogenannten Hautzähnchen soll neue Vergleichsmöglichkeiten für zukünftige Forschung schaffen.

Proben des Kadavers werden für künftige Forschung aufbewahrt

Nach Abschluss der unmittelbaren Untersuchungen werden wissenschaftlich relevante Teile des Tieres nicht einfach entsorgt. Das Nordsøen Oceanarium und das Statens Naturhistoriske Museum haben zahlreiche Gewebe und Organproben gesichert. Kopf mit Kiemen sowie die Wirbelsäule wurden zunächst vollständig erhalten. Ein Teil des Materials soll nach den CT Untersuchungen weiter wissenschaftlich ausgewertet werden.

Die Proben sollen dauerhaft in der wissenschaftlichen Sammlung des Statens Naturhistoriske Museum beziehungsweise der dazugehörigen Gewebebank aufbewahrt werden. Sie können damit auch künftig für Forschungsprojekte zur Verfügung stehen. Der tote Riesenhai von Ålbæk könnte so noch Jahre nach seinem Fund Informationen über die Biologie, Wanderbewegungen und Gesundheit dieser seltenen Art liefern. Ob sich darunter schließlich auch die entscheidende Spur zu seinem Tod befindet, war am Donnerstag, 13. August, weiterhin ungeklärt.

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