
Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte in sechs deutschen Seehäfen zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen sollen am Montagabend, 17. August 2026, beginnen. Betroffen sind Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake. Hintergrund ist die laufende Tarifrunde für rund 11.000 Beschäftigte der tarifgebundenen Hafenbetriebe.
Der Warnstreik in deutschen Seehäfen folgt wenige Tage nach der Ablehnung eines Angebots des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe, kurz ZDS. Verdi hatte die Beschäftigten zuvor zu dem Angebot befragt. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich mehr als 6.100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Mehrheit bewertete das Arbeitgeberangebot demnach als nicht ausreichend.
In der Tarifrunde fordert Verdi eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent. Mindestens sollen die Löhne nach Vorstellung der Gewerkschaft um 2,50 Euro pro Stunde steigen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.
Mit der Mindestforderung von 2,50 Euro pro Stunde verbindet Verdi eine stärkere Erhöhung für Beschäftigte in unteren und mittleren Lohngruppen. Die erste Verhandlungsrunde hatte im Juli begonnen. In einer zweiten Runde legte die Arbeitgeberseite ein verbessertes Angebot vor. Zu einer Einigung kam es jedoch nicht.
Nach der Befragung der Beschäftigten lehnte Verdi das Angebot am Freitag, 14. August, ab. Als einen wesentlichen Kritikpunkt nannte die Gewerkschaft die vorgesehene Laufzeit. Ein neuer Termin für eine dritte Verhandlungsrunde stand zum Zeitpunkt des Streikaufrufs noch nicht fest.
Der ZDS bietet nach eigenen Angaben eine Erhöhung der Grundstundenlöhne um 5,1 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten an. Zusätzlich sieht das Angebot für 2027 eine Erhöhung des Urlaubsgeldes um 300 Euro vor. Für Beschäftigte in Containerbetrieben soll außerdem die jährliche Zulage um 460 Euro steigen.
Der Arbeitgeberverband hält sein Angebot angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für angemessen. Nach der Ablehnung erklärte der ZDS, diese sei für den Verband und seine Mitgliedsunternehmen nicht nachvollziehbar. Der Verband verweist dabei unter anderem auf die Höhe der angebotenen Lohnsteigerung und die Laufzeit im Vergleich zu Tarifabschlüssen in anderen Branchen.
Damit liegen die Positionen nicht nur bei der prozentualen Lohnerhöhung auseinander. Verdi verlangt eine Laufzeit von zwölf Monaten, während das ZDS-Angebot 19 Monate vorsieht. Auch die von Verdi geforderte Mindeststeigerung von 2,50 Euro pro Stunde ist nicht Bestandteil des veröffentlichten ZDS-Angebots.
Zum Warnstreik aufgerufen sind Beschäftigte in Hamburg, Bremen und Bremerhaven sowie in den niedersächsischen Häfen Wilhelmshaven, Emden und Brake. Damit erfasst der Arbeitskampf mehrere bedeutende Standorte des deutschen Seehafenverkehrs.
Die Aktion soll nach dem Streikaufruf 24 Stunden dauern. Bestätigt ist ein Beginn am Montagabend. Die konkreten Arbeitszeiten und Schichtsysteme unterscheiden sich zwischen Betrieben und Standorten. Welche Terminals und Dienstleistungen während des gesamten Zeitraums tatsächlich eingeschränkt sein werden, war zunächst nicht für alle Standorte im Einzelnen bestätigt.
Damit lassen sich auch mögliche Verzögerungen für einzelne Schiffe, Bahnverbindungen oder Lastwagen zunächst nicht verlässlich beziffern. Solche Folgen hängen unter anderem davon ab, welche Beschäftigtengruppen sich an den Arbeitsniederlegungen beteiligen und wie die jeweiligen Unternehmen ihren Betrieb während des Warnstreiks organisieren.
Der Tarifvertrag betrifft nach Angaben des ZDS rund 11.000 Beschäftigte in tarifgebundenen Hafenbetrieben in Brake, Bremen und Bremerhaven, Emden, Hamburg und Wilhelmshaven. Bereits in vergangenen Tarifrunden hatten Arbeitsniederlegungen die Verhandlungen begleitet. 2025 erzielten Verdi und ZDS dagegen bereits nach zwei Verhandlungstagen ein Ergebnis.
Damals wurden die Stundenlöhne um 3,1 Prozent erhöht. Hinzu kamen höhere jährliche Zulagen sowie Einmalzahlungen. Der Tarifvertrag hatte eine Laufzeit von zwölf Monaten. Mit der Tarifrunde 2026 verhandeln Gewerkschaft und Arbeitgeber nun über die anschließenden Konditionen.
Nach dem aktuellen Streikaufruf richtet sich der Blick vor allem auf die Fortsetzung der Verhandlungen. Verdi fordert ein verbessertes Angebot und einen neuen Gesprächstermin. Der ZDS hatte sich bereits vor der Streikankündigung gegen die Ablehnung seines Angebots gewandt. Ein Termin für die dritte Verhandlungsrunde war zunächst nicht bekannt.
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