
Münster. Kunstwerke, die sich während einer Ausstellung verändern, und ausrangierte Museumsgegenstände, die ein neues Leben bekommen: Ab Samstag, 17. Oktober 2026, sind zwei neue Ausstellungen im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen. Die Künstlerinnen Sanna Helena Berger und Eda Aslan beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Erinnerung, Veränderung und der Frage, wann ein Kunstwerk eigentlich fertig ist. Beide Ausstellungen laufen bis zum 17. Januar 2027.
Eine Ausstellung besuchen und wenige Wochen später völlig neue Eindrücke gewinnen: Genau das ist das Konzept der schwedischen Künstlerin Sanna Helena Berger. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung „Œuvre (working title)“ stellt sie die klassische Vorstellung einer Retrospektive infrage. Statt ihr bisheriges Werk als abgeschlossene Geschichte zu präsentieren, verbindet sie ältere, unfertige und neu interpretierte Arbeiten miteinander.
Das Besondere: Die Ausstellung bleibt während ihrer Laufzeit nicht unverändert. Vom 13. bis 15. November und erneut vom 11. bis 13. Dezember will Berger ihre Präsentation umgestalten. Diese Veränderungen finden öffentlich während der regulären Öffnungszeiten statt. Besucher können somit miterleben, wie Werke neu angeordnet werden und sich ihre Bedeutung durch andere Zusammenhänge verändert.
Auch andere Künstlerinnen und Künstler werden in das Projekt einbezogen. Unter anderem sind Beiträge von Jenna Sutela, Rosa Aiello, Phung-Tien Phan und Olga Hohmann angekündigt. Die Ausstellung bildet zugleich den Abschluss des Jahresprogramms „The Puzzle’s Pulled Apart“ des Westfälischen Kunstvereins.
Die zweite Ausstellung trägt den Titel „It was their dust that we breathed in“. Darin beschäftigt sich die 1993 in Istanbul geborene und heute in Hamburg lebende Künstlerin Eda Aslan mit der Vergangenheit von Gegenständen und der Frage, welche Erinnerungen in Museen bewahrt werden.
Für ihre Arbeiten verwendet Aslan Materialien, die bei früheren Ausstellungen zum Einsatz kamen und anschließend ausrangiert wurden. Dazu gehören Aluminiumteile, Türstopper und Holz aus der früheren Ausstellung „Kirchner. Picasso“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Aus diesen Materialien entstehen neue Objekte, darunter funktionale Bauteile und skulpturale Arbeiten.
Damit geht es um mehr als die Wiederverwertung alter Gegenstände. Aslan untersucht, wie Kunstinstitutionen mit ihrer eigenen Geschichte umgehen und welche Spuren vergangene Ausstellungen hinterlassen. Eine weitere Arbeit aus 72 Fotografien beschäftigt sich mit persönlicher Erinnerung.
Die Präsentation gehört zur Ausstellungsreihe RADAR, einer Kooperation des LWL-Museums für Kunst und Kultur und des Westfälischen Kunstvereins. Kuratiert wird sie von Marianne Wagner.
Neben den beiden Ausstellungen sind weitere Veranstaltungen geplant. Am Dienstag, 27. Oktober, führt Eda Aslan um 17 Uhr persönlich in türkischer Sprache durch ihre Ausstellung. Am 18. November um 18 Uhr bietet Kuratorin Theresa Roessler eine Führung durch die Ausstellung von Sanna Helena Berger an.
Ein weiteres Gespräch mit Eda Aslan und Marianne Wagner ist für den 16. Dezember um 18 Uhr vorgesehen. Besonders interessant dürften außerdem die beiden öffentlichen Umgestaltungsphasen von Bergers Ausstellung im November und Dezember werden. Wer die Ausstellung mehrfach besucht, kann die Veränderungen unmittelbar vergleichen.
Beide Ausstellungen sind vom 17. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 im Westfälischen Kunstverein an der Rothenburg 30 in der Innenstadt von Münster zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags jeweils von 11 bis 19 Uhr.
Der reguläre Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt zwei Euro. Kinder bis einschließlich zwölf Jahre, Mitglieder des Kunstvereins sowie weitere berechtigte Gruppen erhalten freien Eintritt. Informationen zu den Ausstellungen und zum Begleitprogramm gibt es auf der Internetseite des Westfälischen Kunstvereins.
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