Fast 190.000 Unternehmen schließen: Diese Branchen trifft es besonders

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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In Deutschland haben 2025 deutlich mehr Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit beendet als im Jahr zuvor. Nach der gemeinsamen Auswertung des ZEW Mannheim und von Creditreform wurden 187.744 Unternehmen geschlossen. Das waren rund zehn Prozent mehr als 2024. Damit erreichten die Unternehmensschließungen in Deutschland nach der neu berechneten Zeitreihe den höchsten Stand seit 2007. Damals waren knapp 208.000 Unternehmen vom Markt verschwunden. Die Entwicklung setzte sich damit das zweite Jahr in Folge nach oben fort. Die Auswertung umfasst neben größeren Unternehmen auch Kleinstunternehmen und selbstständige Freiberufler.

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Gastgewerbe verzeichnet besonders starken Anstieg

Deutlich zeigt sich die Entwicklung im Gastgewerbe. Dort wurden 2025 rund 15.000 Unternehmen geschlossen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von 15 Prozent. Nach der Analyse war dies der stärkste prozentuale Zuwachs unter den untersuchten größeren Branchengruppen. ZEW und Creditreform nennen unter anderem hohe Personal und Betriebskosten sowie Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Arbeits und Fachkräften als Belastungsfaktoren für kleinere Betriebe. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede einzelne Schließung auf diese Faktoren zurückzuführen war. Die Ursachen für Geschäftsaufgaben unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen.

Auch Bauwirtschaft und Industrie verlieren Unternehmen

Auch im produzierenden Gewerbe und am Bau stiegen die Zahlen. Rund 24.000 Bauunternehmen beendeten 2025 ihre Tätigkeit. Das waren nach Berechnungen des Mannheimer Unternehmenspanels zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Im verarbeitenden Gewerbe wurden gut 11.000 Schließungen gezählt, ein Anstieg um zehn Prozent. Besonders deutlich fiel die Veränderung im Fahrzeugbau aus. Dort stellten rund 360 Unternehmen ihre Tätigkeit ein, 57 Prozent mehr als 2024. Bei energieintensiven Industriebranchen entwickelte sich die Zahl dagegen anders. Dort registrierte die Untersuchung einen leichten Rückgang der Schließungen um 0,2 Prozent.

Fast 5.500 Arztpraxen wurden geschlossen

Eine auffällige Entwicklung zeigt sich zudem im Gesundheitsbereich. Knapp 11.000 Unternehmen und Einrichtungen wurden dort 2025 geschlossen. Das waren zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders stark nahm die Zahl bei Arztpraxen zu. Knapp 5.500 Praxen beendeten nach der ZEW Auswertung ihre Tätigkeit, 23 Prozent mehr als 2024. Die Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auf die demografische Entwicklung und Probleme bei der Nachfolge. Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass die Zahl der Praxisschließungen bereits seit mehreren Jahren steigt. Eine konkrete Ursache lässt sich aus der Statistik für einzelne Praxen nicht ableiten.

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Nur rund jede achte Schließung ist eine Insolvenz

Die Zahl von knapp 190.000 darf nicht mit Unternehmensinsolvenzen gleichgesetzt werden. Nur rund 13 Prozent der vom Mannheimer Unternehmenspanel erfassten Schließungen im Jahr 2025 standen mit einem Insolvenzverfahren in Verbindung. Rund 43 Prozent entfielen auf Abmeldungen und recherchierte Geschäftsaufgaben ohne Insolvenzverfahren. Weitere rund 43 Prozent betrafen Unternehmen, die als nicht mehr wirtschaftsaktiv eingestuft wurden. Das Statistische Bundesamt registrierte für 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2024. Insolvenzen bilden damit nur einen Teil des gesamten Schließungsgeschehens ab.

Alter und fehlende Nachfolge gewinnen an Bedeutung

Neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten spielt nach den Berechnungen auch der Generationswechsel eine zunehmende Rolle. Bei freiwillig geschlossenen eigentümergeführten Familienunternehmen waren 2025 in 29 Prozent der Fälle die Inhaber mindestens 65 Jahre alt. Im Jahr 2002 hatte dieser Anteil bei 14 Prozent gelegen. Eine Geschäftsaufgabe bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen zuvor zahlungsunfähig oder wirtschaftlich akut gefährdet war. Die Untersuchung zeigt zudem, dass unter den 2024 und 2025 geschlossenen Unternehmen häufiger Betriebe mit mittlerer oder guter Bonität vertreten waren als in früheren Jahren.

Warum die Zahlen von Destatis deutlich anders aussehen

Andere Statistiken kommen für 2025 auf deutlich höhere absolute Zahlen. Das Statistische Bundesamt meldete rund 502.200 vollständige Gewerbeaufgaben. Das waren sogar 0,2 Prozent weniger als 2024. Ein Widerspruch zur ZEW Auswertung ist das nicht, weil beide Statistiken unterschiedlich aufgebaut sind. Die Gewerbeanzeigenstatistik erfasst Betriebe und damit teilweise auch Einheiten, die keine rechtlich selbstständigen Unternehmen sind. Das Mannheimer Unternehmenspanel betrachtet dagegen rechtlich selbstständige Unternehmen und berücksichtigt zusätzliche Informationen von Creditreform. Deshalb können die absoluten Zahlen und ihre Entwicklung nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.

Aktuelle Zahlen enthalten auch statistische Schätzungen

Bei der Einordnung der jüngsten Werte ist zudem die Methodik relevant. ZEW und Creditreform haben die Berechnung der Schließungszeitreihe verändert. Bei Unternehmen im Handelsregister wird nun teilweise der recherchierte Zeitpunkt der tatsächlichen Geschäftseinstellung statt des späteren Löschungsdatums verwendet. Frühere Jahreswerte wurden deshalb neu berechnet. Außerdem sind insbesondere bei kleinen Personengesellschaften Schließungen nicht immer unmittelbar feststellbar. Für einen Teil dieser Fälle verwendet das ZEW ein statistisches Modell. Für die Jahre 2024 und 2025 weist die Studie bei dieser Komponente ausdrücklich auf eine erhöhte Schätzunsicherheit hin.

Deutsche Wirtschaft wuchs 2025 nur leicht

Die höheren Schließungszahlen fallen in eine Phase schwacher gesamtwirtschaftlicher Entwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,2 Prozent. Damit legte die Wirtschaftsleistung nach zwei Jahren mit Rückgängen wieder leicht zu. Gleichzeitig blieben Investitionen schwach und die Exporte gingen zurück. Die Unternehmensschließungen allein erlauben jedoch keine Aussage darüber, wie sich der gesamte Unternehmensbestand langfristig entwickelt. Auch Neugründungen müssen berücksichtigt werden. Destatis registrierte 2025 rund 640.500 vollständige Gewerbeneugründungen und damit 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

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