
Nach dem Fund eines toten Buckelwals im Greifswalder Bodden gibt es neue Hinweise auf die mögliche Todesursache. Die vorläufigen Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung sprechen für eine schwere bakterielle Infektion. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums besteht der Verdacht, dass der junge Wal an einer Sepsis gestorben sein könnte. Abschließend geklärt ist die Todesursache jedoch noch nicht. Weitere Laboruntersuchungen sollen unter anderem zeigen, welche Bakterien beteiligt waren.
Bei der Untersuchung fanden die Wissenschaftler mehrere mit Eiter gefüllte Abszesse. Besonders auffällig waren Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule. Im hinteren Rückenbereich wurden zwei rundliche Öffnungen festgestellt. Dort hatte sich nach den vorläufigen Ergebnissen ein Abszess vom Knochen bis nach außen ausgebreitet. Teile der Wirbelfortsätze zeigten zudem poröse Veränderungen. Weitere Abszesse fanden sich an der Wirbelsäule sowie am Kugelgelenk des rechten Flippers.
Diese Befunde lassen nach Einschätzung des Deutschen Meeresmuseums eine bakterielle Infektion als mögliche Todesursache erscheinen. Im Raum steht der Verdacht auf eine Sepsis, also eine schwere Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Ob sie tatsächlich zum Tod des Wals führte, ist noch nicht abschließend festgestellt. Proben werden weiter untersucht. Auch die genaue Art eines möglichen bakteriellen Erregers war am Dienstag noch nicht bekannt.
Hinweise auf eine äußere Verletzung durch eine Schiffsschraube oder ein Fischernetz fanden die Wissenschaftler bei der Untersuchung nicht. Damit gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass eine Kollision mit einem Schiff oder eine Verwicklung in Fanggerät unmittelbar zum Tod des Tieres führte. Andere medizinische Befunde rückten deshalb stärker in den Mittelpunkt der Untersuchung.
Der Buckelwal befand sich außerdem in einem schlechten Ernährungszustand. Sein Magen sowie Dünn- und Dickdarm waren weitgehend leer. Die Fettschicht war nach den Untersuchungen nur etwa sechs Zentimeter dick. Die Fachleute werteten dies als Hinweis darauf, dass das Tier bereits seit längerer Zeit wenig oder keine Nahrung aufgenommen hatte. Daneben wurde an einer Stelle ein geringer Parasitenbefall festgestellt. Ansonsten fanden die Untersuchenden nach den bislang veröffentlichten Angaben keinen auffälligen Parasitenbefall.
Der Buckelwal im Greifswalder Bodden war am Morgen des 13. August regungslos im Wasser entdeckt worden. Eine Wissenschaftlerin des Deutschen Meeresmuseums stellte anschließend den Tod des Tieres fest. Der Wal trieb zwischen Rügen und dem vorpommerschen Festland in der Nähe der Fahrrinne. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee barg den Kadaver und brachte ihn auf dem Seeweg zur Insel Dänholm bei Stralsund.
Dort befindet sich mit dem Nautineum ein Außenstandort des Deutschen Meeresmuseums, an dem auch große Meeressäuger wissenschaftlich untersucht werden können. Wegen des Gewichts von rund sieben Tonnen musste der Wal mit einem Kran aus dem Wasser gehoben werden. Die Sektion wurde am Freitag und Samstag vorgenommen. Das Museum hatte zunächst von einer Länge von etwa sieben Metern gesprochen. Bei der genaueren Untersuchung wurde das männliche Tier später mit rund zehn Metern Länge angegeben. Sein Alter wird auf etwa drei bis vier Jahre geschätzt.
Obwohl der Kadaver äußerlich noch vergleichsweise frisch erschien, hatte die Zersetzung im Inneren bereits begonnen. Hohe Wasser- und Lufttemperaturen beschleunigten die Verwesung. Dadurch konnten unter anderem aus Gehirn, Lunge und Nieren keine geeigneten Gewebeproben mehr gewonnen werden. Andere Proben ließen sich jedoch sichern und werden weiter untersucht.
Auffällig war zudem eine rotbraune Verfärbung der Haut zwischen Kopf und Rückenflosse. Teile der obersten Hautschicht fehlten bereits großflächig. Ob diese Veränderungen mit der Erkrankung des Tieres zusammenhingen oder teilweise nach dem Tod entstanden, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die wissenschaftliche Auswertung der entnommenen Proben ist deshalb für die endgültige Bewertung der Todesursache entscheidend.
In den Tagen vor dem Fund waren mehrfach Buckelwale beziehungsweise ein Buckelwal an verschiedenen Stellen der Ostseeküste beobachtet worden. Sichtungen gab es unter anderem vor Schleswig-Holstein, im Bereich von Wismar und später vor der polnischen Küste. Das Deutsche Meeresmuseum hält es für wahrscheinlich, dass es sich dabei um dasselbe Tier handelte, das schließlich im Greifswalder Bodden gefunden wurde.
Ein hundertprozentiger Nachweis dafür liegt allerdings nicht vor. Als ein Indiz gilt unter anderem die auffällige Hautverfärbung. Auch ungewöhnliche Schwimmbewegungen, die bei früheren Sichtungen aufgefallen waren, könnten nach Einschätzung der Fachleute mit den jetzt entdeckten Entzündungen an Wirbelsäule und Flipper zusammenhängen. Sicher nachweisen lässt sich dieser Zusammenhang bislang nicht.
Buckelwale gehören nicht zu den dauerhaft in der Ostsee lebenden Walarten. Sie kommen hauptsächlich in den großen Ozeanen vor und unternehmen weite Wanderungen zwischen Nahrungsgebieten in höheren Breiten und Fortpflanzungsgebieten in wärmeren Gewässern. Einzelne Tiere gelangen dennoch immer wieder durch die dänischen Meerengen in die Ostsee.
Das Deutsche Meeresmuseum dokumentiert solche Sichtungen seit Jahrzehnten. Danach sind Buckelwale in der Ostsee selten, aber keineswegs unbekannt. Die Untersuchung gestrandeter oder tot aufgefundener Meeressäuger soll Erkenntnisse über ihren Gesundheitszustand, mögliche Krankheiten und andere Gefährdungen liefern. Im aktuellen Fall steht zunächst die Auswertung der Laborproben im Mittelpunkt. Erst danach kann genauer beurteilt werden, welche Rolle die nachgewiesenen Entzündungen beim Tod des jungen Buckelwals gespielt haben.
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