Rund 300 Beschäftigte wehren sich gegen Stellenabbau bei Thermo Fisher

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Rund 300 Beschäftigte von Thermo Fisher Scientific haben am Dienstag in Langenselbold gegen den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen protestiert. Bei dem hessischen Standort sollen nach den bislang bekannten Plänen etwa 60 Stellen in Produktion und Verwaltung wegfallen. Der Betrieb beschäftigt derzeit ungefähr 600 Menschen. Arbeitnehmervertreter wollen die Kürzungen verhindern und arbeiten an einem Gegenkonzept.

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Rund 60 Stellen in Langenselbold sollen wegfallen

Der geplante Stellenabbau bei Thermo Fisher in Langenselbold ist bereits seit dem Frühjahr bekannt. Das Unternehmen hatte Ende April angekündigt, rund 60 Arbeitsplätze streichen zu wollen und Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufgenommen. Anfang Mai hatten bereits mehrere hundert Beschäftigte gegen die Pläne demonstriert. Mit der erneuten Kundgebung am 18. August setzt die Belegschaft ihren Protest fort.

Nach Angaben der IG Metall Hanau Fulda sollen sowohl Arbeitsplätze in der Produktion als auch in der Verwaltung betroffen sein. Die Gewerkschaft beziffert die aktuelle Beschäftigtenzahl am Standort auf ungefähr 600. Sie verweist zudem darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits mehr als 100 Stellen in Langenselbold weggefallen seien. Diese Größenordnung beruht auf Angaben der Arbeitnehmerseite.

Betriebsrat arbeitet an Alternative zu den Abbauplänen

Der Betriebsrat versucht nach eigenen Angaben, eine Alternative zu den Plänen des Unternehmens zu entwickeln. Dafür werde gemeinsam mit einem Sachverständigen ein Gegenkonzept ausgearbeitet. Über dessen konkrete Inhalte wurden zunächst keine detaillierten Angaben veröffentlicht. Ziel der Arbeitnehmervertretung ist es, möglichst viele der bedrohten Arbeitsplätze zu erhalten.

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Parallel dazu bereitet die IG Metall nach eigenen Angaben die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag vor. Damit würde der Konflikt über den Stellenabbau neben den betriebsverfassungsrechtlichen Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat auch auf die tarifpolitische Ebene verlagert. Welche Forderungen die Gewerkschaft im Einzelnen stellen will und wann darüber entschieden wird, war zunächst offen.

Politiker unterstützen Beschäftigte bei Protest

An der Kundgebung beteiligten sich auch der Landrat des Main Kinzig Kreises, Thorsten Stolz, und der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann. Stolz kritisierte die geplanten Stellenstreichungen und stellte sich öffentlich hinter die Beschäftigten. Dabei verwies er auf die wirtschaftliche Entwicklung des Gesamtkonzerns.

Nach Darstellung der IG Metall und der beteiligten Arbeitnehmervertreter hatte der Betriebsrat außerdem versucht, ein Gespräch zwischen den beiden Politikern und der örtlichen Geschäftsführung zu vermitteln. Die Unternehmensleitung habe ein solches Treffen jedoch nicht angenommen. Auch über den Zugang der Politiker zum Werksgelände habe es Differenzen gegeben. Eine unabhängige Bestätigung der genauen Abläufe lag zunächst nicht vor. Zu diesen konkreten Darstellungen war zunächst keine öffentliche Stellungnahme des Unternehmens bekannt.

Thermo Fisher meldet weltweit steigende Umsätze

Der Streit am hessischen Standort fällt in eine Phase, in der Thermo Fisher Scientific auf Konzernebene Wachstum meldet. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen weltweit einen Umsatz von 11,99 Milliarden Dollar. Das waren zehn Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Das Betriebsergebnis nach den US Rechnungslegungsregeln stieg um 14 Prozent auf rund 2,09 Milliarden Dollar. Die operative Marge lag bei 17,4 Prozent.

Diese Konzernzahlen lassen jedoch keine direkte Aussage darüber zu, wie profitabel einzelne deutsche Werke oder einzelne Produktbereiche arbeiten. Thermo Fisher veröffentlicht in seinen Quartalsberichten keine entsprechend detaillierten Ergebniszahlen für Langenselbold. Die Gewerkschaft sieht dennoch keinen ausreichenden wirtschaftlichen Grund für den Stellenabbau und kritisiert die geplanten Kürzungen deshalb deutlich.

Langenselbold ist Teil des deutschen Produktionsnetzes

Thermo Fisher Scientific ist ein international tätiger Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Forschung, Diagnostik, Pharmaindustrie und Labortechnik. Der Konzern erzielt weltweit einen Jahresumsatz von mehr als 45 Milliarden Dollar. Am Standort Langenselbold werden unter anderem mikrobiologische Sicherheitswerkbänke, Inkubatoren, Wärme und Trockenschränke, Vakuumtrockenschränke sowie Hochtemperaturöfen hergestellt.

Der Konflikt in Hessen steht zugleich nicht isoliert. Auch am Thermo Fisher Standort Bremen wurden 2026 größere Veränderungen angekündigt. Dort bestätigte das Unternehmen im Frühjahr Pläne zur Steigerung der Effizienz und mögliche Stellenstreichungen. Bis zu rund 100 Arbeitsplätze waren Gegenstand der Planungen. Teile von Produktion beziehungsweise Funktionen könnten nach Tschechien verlagert werden. Das Unternehmen erklärte zugleich, Bremen als Technologiezentrum weiterentwickeln und bestimmte Produktionslinien erhalten zu wollen.

Verhandlungen über die Zukunft der Arbeitsplätze laufen

In Langenselbold ist die endgültige Zahl der wegfallenden Stellen damit noch nicht Ergebnis einer abgeschlossenen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung. Im Zentrum stehen weiterhin die Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan sowie das angekündigte Alternativkonzept des Betriebsrats.

Die erneute Demonstration zeigt, dass der Konflikt nach mehreren Monaten nicht beigelegt ist. Für die rund 600 Beschäftigten geht es dabei um einen Abbau von ungefähr jedem zehnten Arbeitsplatz am Standort. Ob sich die ursprünglich angekündigte Größenordnung von rund 60 Stellen durch Verhandlungen, alternative Konzepte oder tarifliche Vereinbarungen noch verändert, war am 19. August 2026 offen.

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