EVG erhöht Druck: Bundesweite Bahnstreiks ab Januar möglich

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Die Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft EVG verschärft im Streit um den Schutz von Bahnbeschäftigten ihren Ton gegenüber der Bundesregierung. Sollte eine angekündigte Verschärfung des Strafrechts bei Angriffen auf Zugpersonal nicht noch in diesem Jahr in den Bundestag eingebracht werden, stellt die Gewerkschaft bundesweite Arbeitskampfmaßnahmen im Regionalverkehr ab Januar 2027 in Aussicht. Einen konkreten Streiktermin gibt es bislang nicht.

Anzeige

EVG Vorsitzender Martin Burkert verbindet die Drohung unmittelbar mit der Forderung nach einem stärkeren strafrechtlichen Schutz für Beschäftigte in Zügen. Das angekündigte Gesetz müsse nach seinen Angaben noch 2026 parlamentarisch auf den Weg gebracht werden. Andernfalls könne die Gewerkschaft im Januar den Betrieb erheblich beeinträchtigen. Damit hat die EVG mit Streiks ab Januar 2027 gedroht, falls aus den politischen Ankündigungen keine konkreten gesetzgeberischen Schritte werden.

Tödlicher Angriff löste bundesweite Sicherheitsdebatte aus

Hintergrund ist vor allem der Tod eines Zugbegleiters Anfang Februar. Er war während einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalexpress bei Landstuhl in Rheinland Pfalz angegriffen worden und starb später an seinen Verletzungen. Der Fall führte zu einer bundesweiten Debatte über den Schutz von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern.

Das Landgericht Zweibrücken verurteilte einen 26 Jahre alten Mann am 9. Juli wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht sah nach der Beweisaufnahme keinen nachweisbaren Tötungsvorsatz. Die Entscheidung war zunächst nicht rechtskräftig. Die Nebenklage kündigte an, das Urteil überprüfen lassen zu wollen.

Anzeige

Schon wenige Tage nach dem Angriff hatte die EVG mehrere konkrete Forderungen erhoben. Dazu gehören eine Doppelbesetzung im Zug, freiwillig nutzbare Bodycams für Beschäftigte mit Kundenkontakt und ein stärkerer strafrechtlicher Schutz von Eisenbahnern und Busfahrern. Beim Sicherheitsgipfel im Februar wurden anschließend weitere Maßnahmen zwischen Bahn, Politik und Arbeitnehmervertretern beraten.

Zahl der Übergriffe bleibt hoch

Die Diskussion wird durch aktuelle Zahlen zusätzlich verschärft. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums registrierte DB Regio allein im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 989 Übergriffe auf Beschäftigte. Darunter waren 781 Fälle einfacher Körperverletzung, 185 versuchte Körperverletzungen und 22 schwere Körperverletzungen.

Bereits 2025 hatte die Deutsche Bahn konzernweit 3.262 versuchte und vollendete körperliche Übergriffe gegen Beschäftigte verzeichnet. Etwa die Hälfte davon betraf nach Unternehmensangaben Zugpersonal im Regionalverkehr. Bei DB Regio wurden in diesem Zeitraum 1.659 entsprechende Vorfälle gezählt.

Die Zahlen verschiedener Statistiken sind allerdings nicht vollständig miteinander vergleichbar, weil teilweise unterschiedliche Straftaten, Personengruppen und Erfassungsmethoden zugrunde liegen. Zahlen des Bundesinnenministeriums für Januar bis Mai 2026 weisen unter anderem 662 Körperverletzungen, 175 gefährliche Körperverletzungen und 661 Bedrohungen gegen Bahnbeschäftigte aus. Rechnerisch entsprach allein die Zahl der körperlichen Angriffe etwa 5,5 Fällen pro Tag.

Bundesregierung hatte stärkeren Schutz angekündigt

Nach dem tödlichen Angriff im Februar hatte die Bundesregierung weitere Maßnahmen angekündigt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig brachte damals ins Gespräch, Zugbegleiter in die Arbeiten an einem Gesetzentwurf für einen besseren strafrechtlichen Schutz besonders gefährdeter Berufsgruppen einzubeziehen. Der bereits vorbereitete Entwurf zielte unter anderem auf höhere Mindeststrafen bei Angriffen auf Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und weitere Einsatzkräfte.

Das Justizministerium hatte zugleich darauf hingewiesen, dass schwere Angriffe bereits nach geltendem Recht mit hohen Strafen geahndet werden können. Vorgesehen war außerdem, Auswirkungen einer Tat auf eine dem Gemeinwohl dienende Tätigkeit stärker bei der Strafzumessung berücksichtigen zu können. Nach Einschätzung des Ministeriums kann darunter grundsätzlich auch die Arbeit von Bahnbeschäftigten fallen.

Der seit Ende Juli amtierende Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat das Thema ebenfalls aufgegriffen. Bei einem Termin mit DB Regio am 10. August wurden neben den aktuellen Übergriffszahlen weitere Schutzmaßnahmen vorgestellt. Dazu gehört ein Pilotprojekt, bei dem Bodycams künftig zusätzlich Ton aufzeichnen können. Der Test soll im Herbst 2026 beginnen.

EVG nennt Januar als politische Frist

Die Gewerkschaft erhöht nun den Zeitdruck. Nach Burkerts Forderung soll die gesetzliche Verschärfung noch vor Jahresende in den Bundestag gelangen. Geschieht das nicht, stellt die EVG Maßnahmen ab Januar in Aussicht. Wie genau ein bundesweiter Arbeitskampf ausgestaltet würde und welche Bahnunternehmen oder Regionen konkret betroffen wären, blieb zunächst offen.

Parallel hat auch Ralf Damde, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von DB Regio, mit Konsequenzen bei der Dienstplanung gedroht. Nach den aktuellen Darstellungen könnten Betriebsräte ihre Mitbestimmungsrechte bei Dienstplänen nutzen, wenn die politischen Zusagen ohne Ergebnis bleiben. Damit geht die Auseinandersetzung über eine klassische Tariffrage hinaus und konzentriert sich auf die Sicherheit der Beschäftigten im täglichen Bahnbetrieb.

Für Fahrgäste bedeutet die Ankündigung zunächst noch keine konkreten Einschränkungen. Weder für Januar 2027 noch für einen späteren Zeitpunkt ist derzeit ein verbindlicher Streiktermin bekannt. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob Bundesregierung und Bundestag die angekündigten Änderungen beim Schutz von Bahnbeschäftigten in den kommenden Monaten tatsächlich auf den parlamentarischen Weg bringen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu