Deutscher Mittelstand bleibt Ziel für US-Finanzinvestoren

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Amerikanische Beteiligungsgesellschaften richten ihren Blick weiterhin auf deutsche Industrie-, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Aktuelle Transaktionen zeigen, dass auch mittelständische Firmen und spezialisierte Anbieter für große US-Fonds interessant bleiben. Gleichzeitig sprechen die Marktdaten gegen das Bild einer ungezügelten Übernahmewelle. Private Equity hat bei ausländischen Unternehmenskäufen in Deutschland deutlich an Bedeutung gewonnen, während die Stimmung unter Beteiligungsinvestoren 2026 zuletzt wieder schwächer wurde.

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Besonders deutlich war die Verschiebung bereits 2025. Nach Berechnungen von PwC entfielen bis Mitte November erstmals 51,8 Prozent der ausländischen M&A-Transaktionen in Deutschland auf Private-Equity-Investoren. Damit lagen Finanzinvestoren bei der Zahl dieser Transaktionen erstmals vor strategischen Käufern. Unter den ausländischen Beteiligungsgesellschaften waren Fonds aus den USA, den Niederlanden und Großbritannien besonders aktiv. US-Investoren stellten zudem nach einzelnen Herkunftsländern den größten Anteil am gesamten Dealwert.

Aktuelle Deals zeigen Interesse an Industrie und Technologie

Wie konkret US-Private-Equity in Deutschland auftritt, zeigen mehrere jüngere Transaktionen. Die in Miami gegründete Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital vereinbarte im Juli 2026 den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der TERRAS-Gruppe aus Montabaur. Das Unternehmen ist in den Bereichen Infrastrukturplanung, Tiefbau, Spezialtiefbau und Bahnprojekte tätig. Die beiden Mitgründer sollen nach Angaben von H.I.G. weiterhin beteiligt bleiben. Finanzielle Einzelheiten der Transaktion wurden nicht veröffentlicht.

Ebenfalls im Juli vereinbarte Bain Capital die Übernahme von SupplyOn aus Hallbergmoos bei München. Die Softwareplattform verbindet nach Unternehmensangaben mehr als 200 große Hersteller und Zulieferer mit über 140.000 Unternehmen weltweit. Verkäufer sind AUMOVIO, Bosch, Schaeffler und ZF. Der Kaufpreis wurde nicht genannt, der Vollzug steht unter den üblichen regulatorischen Voraussetzungen. Bain kündigte Investitionen unter anderem in neue Softwarefunktionen und künstliche Intelligenz an.

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Auch One Equity Partners, eine Beteiligungsgesellschaft mit Büros unter anderem in New York, Chicago und Frankfurt, vereinbarte Ende 2025 die Übernahme des Hydraulikspezialisten Montanhydraulik aus Holzwickede. Das Unternehmen beschäftigt nach Angaben des Investors mehr als 1.100 Menschen an zehn Standorten und fertigt Hydrauliksysteme für Infrastruktur, Energie, Bergbau und andere Industrieanwendungen.

Private Equity gewinnt im deutschen Übernahmemarkt an Gewicht

Dass es sich nicht nur um einzelne prominente Transaktionen handelt, zeigen auch die deutschen Beteiligungsmarktdaten. Nach Angaben des Bundesverbands Beteiligungskapital wurden 2025 insgesamt 15,69 Milliarden Euro Beteiligungskapital in deutsche Unternehmen investiert. Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2021. Besonders deutlich legten Buy-outs zu. Ihr Investitionsvolumen stieg von rund 9,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 10,66 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Diese Zahlen erfassen allerdings Beteiligungsinvestitionen in Deutschland unabhängig von der Herkunft der jeweiligen Gesellschaft. Sie können deshalb nicht als Beleg dafür dienen, dass der Anstieg allein durch amerikanische Fonds verursacht wurde. Die Kombination mit den Daten zu ausländischen Investoren zeigt jedoch, dass internationale Private-Equity-Gesellschaften inzwischen eine zentrale Rolle bei deutschen Unternehmenstransaktionen spielen.

Die Schwerpunkte liegen dabei zunehmend auch außerhalb klassischer Softwareinvestments. PwC bezifferte den Anteil der Technologiebranche an den ausländischen Private-Equity-Deals in Deutschland 2025 auf 36 Prozent. Auf industrielle Fertigung entfielen bereits 22 Prozent. Gerade bei Industrieunternehmen nahm die Aktivität der Finanzinvestoren zu.

Mittelstand bietet zahlreiche potenzielle Verkaufsfälle

Ein struktureller Faktor für den deutschen Unternehmensmarkt ist die Nachfolge. KfW Research rechnet bis Ende 2029 mit jährlich rund 109.000 mittelständischen Unternehmen, deren Eigentümer eine Nachfolge anstreben. Zugleich planen jährlich etwa 114.000 Unternehmen nach dem Rückzug der bisherigen Führung eine Stilllegung. Der Verkauf an Externe gehört neben familieninternen Lösungen und Übergaben an das Management zu den etablierten Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge.

Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Unternehmen für Private Equity infrage kommen. Beteiligungsgesellschaften konzentrieren sich üblicherweise auf Firmen, bei denen Wachstum, Zusammenschlüsse oder eine operative Weiterentwicklung möglich erscheinen. Die große Zahl bevorstehender Eigentümerwechsel erweitert jedoch grundsätzlich das Angebot an Unternehmen, die für externe Käufer infrage kommen können.

Der Markt bleibt 2026 deutlich selektiver

Trotz der jüngsten Transaktionen befindet sich der deutsche Private-Equity-Markt nicht in einem allgemeinen Boom. Das gemeinsam von KfW und dem Bundesverband Beteiligungskapital erhobene Geschäftsklima für Investitionen in etablierte Unternehmen verschlechterte sich im zweiten Quartal 2026 deutlich. Der Indikator sank um 17,4 Punkte auf minus 32,2 Punkte und blieb damit klar unter seinem langfristigen Durchschnitt.

Auch im europäischen Vergleich zeigt sich ein zweigeteilter Markt. PwC ermittelte für 2025 zwar einen Anstieg des Private-Equity-Transaktionsvolumens um 28 Prozent auf 457,6 Milliarden Euro, gleichzeitig sank die Zahl der Deals um acht Prozent auf 3.881. Größere Transaktionen trieben das Volumen, während der Mittelmarkt verhaltener blieb. In Deutschland dürfte deshalb weniger eine flächendeckende Einkaufstour als vielmehr ein Wettbewerb um ausgewählte, profitable Unternehmen mit Technologie, industriellem Know-how oder Wachstumspotenzial prägend bleiben.

Ausländische Übernahmen unterliegen staatlicher Kontrolle

Ein Einstieg amerikanischer Investoren ist zudem nicht in jedem Bereich allein eine Frage zwischen Käufer und Verkäufer. Das Bundeswirtschaftsministerium kann den Erwerb deutscher Unternehmen durch Investoren aus Staaten außerhalb der Europäischen Union prüfen. Für gewöhnliche Unternehmen liegt die relevante Schwelle grundsätzlich bei 25 Prozent der Stimmrechte. Bei besonders sicherheitsrelevanten Unternehmen können bereits Beteiligungen ab zehn oder 20 Prozent einer Prüfung unterliegen. Das betrifft unter anderem kritische Infrastruktur sowie bestimmte Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, künstliche Intelligenz oder Quantentechnologie.

Damit trifft das hohe Interesse internationaler Fonds auf einen deutschen Markt, in dem viele Eigentümerwechsel bevorstehen und gleichzeitig strategische Technologien stärker geschützt werden. US-amerikanische Private-Equity-Häuser bleiben dabei eine bedeutende Käufergruppe. Die verfügbaren Zahlen für 2026 sprechen bislang jedoch eher für gezielte Transaktionen als für eine breit angelegte Übernahmewelle.

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