US-Kapital fließt verstärkt in deutsche Mittelständler

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US-amerikanische Investoren haben ihr Engagement in der deutschen Industrie deutlich ausgeweitet. Besonders Finanzinvestoren spielen bei Übernahmen und Beteiligungen inzwischen eine große Rolle. Eine aktuelle Auswertung zeigt für 2025 den höchsten Stand seit Beginn der betrachteten Datenreihe im Jahr 2022. Auch 2026 setzt sich die Entwicklung bislang fort.

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Grundlage sind Daten des Finanzdatenanbieters PitchBook, die für eine am 24. August 2026 bekannt gewordene Auswertung erhoben wurden. Erfasst wurden Übernahmen und Beteiligungen an deutschen Industrie- und Fertigungsunternehmen mit Beteiligung von Käufern aus den USA. Damit beschreibt die Statistik einen wichtigen Ausschnitt des Übernahmemarktes, jedoch nicht sämtliche Verkäufe deutscher Mittelständler.

76 Transaktionen im Jahr 2025

Für das Jahr 2025 registrierte PitchBook insgesamt 76 Übernahmen und Beteiligungen an deutschen Industrie- und Fertigungsunternehmen mit US-Beteiligung. Das war der höchste Wert seit Beginn der zugrunde liegenden Reihe im Jahr 2022.

Der Gesamtwert der Transaktionen erreichte 2025 rund 29,5 Milliarden US-Dollar. Gegenüber 2022 hat sich das jährliche Volumen damit nahezu verdoppelt. Für die Zwischenjahre 2023 und 2024 wurden in der aktuell veröffentlichten Zusammenfassung keine vollständigen vergleichbaren Jahreswerte genannt. Ein exakter prozentualer Vergleich mit 2024 ist deshalb auf dieser Grundlage nicht möglich.

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Ein besonders großer Teil des Kapitals kam von Private-Equity-Gesellschaften. Rund 26,5 Milliarden Dollar des für 2025 ermittelten Transaktionsvolumens entfielen auf Geschäfte mit Finanzinvestoren. Damit waren Private-Equity-Häuser für den weitaus größten Teil des gemeldeten Volumens verantwortlich.

Die Übernahmen deutscher Mittelständler durch US-Investoren sind damit innerhalb des erfassten Zeitraums auf einen Höchststand gestiegen. Von einem historischen Rekord über mehrere Jahrzehnte kann dagegen nicht gesprochen werden, weil die zugrunde liegende Auswertung erst 2022 einsetzt.

Auch 2026 bleibt das Interesse hoch

Die Entwicklung hat sich im laufenden Jahr bislang fortgesetzt. Vom Jahresbeginn bis zum Stichtag 19. August 2026 wurden 47 Übernahmen beziehungsweise Beteiligungen an deutschen Industrie- und Fertigungsunternehmen mit US-Beteiligung erfasst. Das Volumen lag bereits bei rund 23,9 Milliarden Dollar.

Die Zahl allein erlaubt noch keinen sicheren Schluss auf einen neuen Jahresrekord, da mehr als vier Monate des Jahres fehlen. Beim Volumen können außerdem einzelne sehr große Transaktionen die Statistik erheblich beeinflussen.

Ein Beispiel ist der geplante Erwerb des Ventilatorenherstellers ebm-papst durch das US-Unternehmen Madison Air. Die Unternehmen gaben die Transaktion im August 2026 bekannt. Madison Air bezifferte den Unternehmenswert auf 5,4 Milliarden Dollar. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen. Der Hauptsitz von ebm-papst soll nach Unternehmensangaben in Mulfingen bleiben.

Industrie und Technologie besonders interessant

Die PitchBook-Auswertung konzentriert sich auf Industrie- und Fertigungsunternehmen. Auch breiter angelegte Untersuchungen des deutschen Übernahmemarktes zeigen jedoch ein starkes Interesse amerikanischer Finanzinvestoren.

PwC ermittelte für 2025 insgesamt 141 Transaktionen von US-Private-Equity-Investoren mit deutschen Zielunternehmen. Damit kamen 25,3 Prozent der erfassten ausländischen Private-Equity-Deals aus den USA. Besonders häufig investierten Finanzinvestoren in Technologieunternehmen und in die industrielle Fertigung.

Bei Industrieunternehmen haben sich die Bedingungen für Käufer verändert. Niedrigere Bewertungen in Teilen des deutschen Marktes und geringerer Wettbewerb um manche kapitalintensive Unternehmen können Übernahmen attraktiver machen. Gleichzeitig verfügen große US-Fonds und börsennotierte Käufer über umfangreiche Finanzierungsmöglichkeiten.

Nachfolgeprobleme öffnen den Markt

Hinzu kommt ein strukturelles Problem des deutschen Mittelstands. Zahlreiche Familienunternehmen müssen in den kommenden Jahren ihre Eigentums- und Führungsnachfolge regeln. Nicht in jedem Unternehmen steht innerhalb der Familie eine geeignete oder interessierte nächste Generation bereit.

Private Equity kann in solchen Fällen Kapital und eine Eigentümerlösung zugleich bieten. Die Akzeptanz von Finanzinvestoren als Käufer hat sich nach Einschätzung von Marktteilnehmern gegenüber früheren Jahrzehnten erhöht.

Jacob Funk Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics nennt zusätzlich die Kapitalmarktsituation in den USA als Faktor. Amerikanische Unternehmen und Investoren verfügten über gute Finanzierungsmöglichkeiten, während hohe Bewertungen im eigenen Land den Blick auf günstigere Übernahmeziele im Ausland lenkten.

Auch die US-Industriepolitik unter Präsident Donald Trump könne das Interesse beeinflussen. Der politische Schwerpunkt auf mehr industrieller Produktion in den Vereinigten Staaten erhöhe den strategischen Wert von Herstellern mit Technologie, Know-how und etablierten Kundenbeziehungen.

Übernahmen bringen Chancen und Risiken

Der wachsende Einfluss ausländischer Eigentümer wird zugleich kritisch beobachtet. Bei Verkäufen traditionsreicher Familienunternehmen geht es nicht allein um den Kaufpreis. Beschäftigte und Standortpolitik richten den Blick darauf, ob Produktion, Forschung und Entwicklung langfristig in Deutschland bleiben.

Beim Verkauf von ebm-papst hatte der Betriebsrat zunächst von unterschiedlichen Reaktionen und Verunsicherung in der Belegschaft berichtet. Nach Gesprächen mit der Geschäftsführung bewertete die Arbeitnehmervertretung Charakter und Inhalte des Kaufvertrags allerdings positiv.

Ein weiteres Risiko besteht bei strategisch wichtigen Unternehmen darin, dass Technologie, Produktionswissen oder Entscheidungskompetenzen langfristig ins Ausland verlagert werden könnten. Deutschland verfügt deshalb für Übernahmen in besonders sensiblen Bereichen über eine staatliche Investitionsprüfung.

Private Equity ist zudem nicht mit einem einheitlichen Geschäftsmodell gleichzusetzen. Finanzinvestoren können Unternehmen Kapital für Wachstum, Zukäufe und Internationalisierung bereitstellen. Gleichzeitig sind Beteiligungsmodelle häufig auf einen späteren Weiterverkauf ausgelegt und können je nach Finanzierung zusätzliche Verschuldung mit sich bringen.

Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb vor allem eines: Deutsche Industrieunternehmen sind für amerikanisches Kapital wieder besonders attraktiv. Der Rekord gilt innerhalb der seit 2022 ausgewerteten PitchBook-Reihe. Wie dauerhaft die Entwicklung ist und welche Folgen sie für Standorte, Beschäftigte und technologische Kompetenzen hat, hängt von den Bedingungen der einzelnen Übernahmen ab.

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