
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 etwas stärker gewachsen als zunächst berechnet. Das Statistische Bundesamt erhöhte am Dienstag seine vorläufige Schätzung für das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt von 0,2 auf 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2026 wurde vor allem von steigenden Exporten getragen. Beim Konsum und bei den Investitionen blieb die Entwicklung dagegen verhalten. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lag die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent höher.
Die Aufwärtsrevision um 0,1 Prozentpunkte beruht nach Angaben von Destatis auf zusätzlichen Daten, die zum Zeitpunkt der Schnellschätzung Ende Juli noch nicht vollständig vorlagen. Vor allem die Umsätze im Groß- und Einzelhandel entwickelten sich besser als zunächst angenommen. Außerdem wurden die Exporte nach neuen Angaben zum Warenhandel im Juni deutlich nach oben korrigiert.
Die preis-, saison- und kalenderbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres um 2,0 Prozent. Besonders kräftig legten die Warenausfuhren mit 2,6 Prozent zu. Die Dienstleistungsexporte stagnierten. Gleichzeitig stiegen die Importe insgesamt um 1,5 Prozent. Damit lieferte der Außenhandel einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Die Außenhandelsdaten für Juni unterstreichen diese Entwicklung. Deutschland exportierte nach kalender- und saisonbereinigten Angaben Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als im Juni 2025. Die Importe stiegen im Monatsvergleich um 4,4 Prozent auf 123,9 Milliarden Euro.
Das Wachstum steht allerdings nicht auf allen Säulen gleichermaßen. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zurück. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den Ausrüstungsinvestitionen aus. Unternehmen und Staat investierten 1,4 Prozent weniger in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge als im Vorquartal. Die Bauinvestitionen erhöhten sich lediglich um 0,1 Prozent.
Auch vom Konsum kam nur ein geringer Impuls. Die privaten Konsumausgaben und die Konsumausgaben des Staates stiegen gegenüber dem ersten Quartal jeweils um 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Der private Konsum nahm preisbereinigt lediglich um 0,1 Prozent zu, der Staatskonsum dagegen um 3,0 Prozent.
Die Einkommen der privaten Haushalte stiegen dabei stärker als ihre Ausgaben. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und Gehälter je Arbeitnehmer lagen im zweiten Quartal 4,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Sparquote erhöhte sich von 9,5 auf 9,6 Prozent.
Auf der Produktionsseite zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Die gesamte preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg sie um 0,9 Prozent. Besonders die Chemieindustrie und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen entwickelten sich stärker. Im Baugewerbe ging die Wertschöpfung dagegen um 0,1 Prozent zurück.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legte die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes um 1,1 Prozent zu. Damit verzeichnete die Industrie nach Angaben von Destatis erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder einen Anstieg gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Baugewerbe lag die Wertschöpfung dagegen 1,6 Prozent niedriger.
Aktuelle Monatsdaten liefern weitere Hinweise auf eine Stabilisierung der Industrie. Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni saison- und kalenderbereinigt um 3,1 Prozent gegenüber Mai. Ohne Großaufträge lag er allerdings 0,5 Prozent niedriger. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe nahm im Juni um 0,2 Prozent zu. Im Dreimonatsvergleich von April bis Juni lag sie 0,7 Prozent über den vorangegangenen drei Monaten.
Auch die jüngsten Unternehmensumfragen deuten auf eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Belebung hin, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Branchen. Der vorläufige HCOB-Einkaufsmanagerindex für die gesamte deutsche Privatwirtschaft lag im August bei 51,0 Punkten nach 51,3 Punkten im Juli. Werte oberhalb von 50 Punkten stehen für zunehmende Geschäftsaktivität. Besonders deutlich entwickelte sich die Industrie: Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg von 52,2 auf 54,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit 51 Monaten. Der Dienstleistungsindex fiel dagegen auf 48,5 Punkte und signalisiert eine schrumpfende Aktivität.
Der am Dienstag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich ebenfalls. Er stieg im August auf 88,8 Punkte nach revidiert 86,7 Punkten im Juli. Damit fiel der Anstieg stärker aus als zuvor von den von Reuters befragten Ökonomen erwartet.
Ein Gegenwind für die Binnenkonjunktur bleibt die Preisentwicklung. Die Verbraucherpreise lagen im Juli 2026 nach endgültigen Destatis-Daten 2,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juni hatte die Inflationsrate noch 2,3 Prozent betragen. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag im Juli bei 2,4 Prozent.
Im europäischen Vergleich bleibt das deutsche Wachstum moderat. Das BIP der gesamten Europäischen Union nahm im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 0,5 Prozent zu. Im Euroraum waren es 0,4 Prozent. Spanien erreichte unter den großen EU-Staaten ein Plus von 0,7 Prozent. Frankreich und Italien wuchsen jeweils um 0,2 Prozent. Deutschland lag mit 0,3 Prozent dazwischen.
Auch gegenüber dem Vorjahr blieb Deutschland mit einem Wachstum von 1,0 Prozent leicht hinter der EU insgesamt zurück, die auf 1,2 Prozent kam. Die Zahlen zeigen damit eine wirtschaftliche Erholung nach einer längeren Phase schwacher Entwicklung, aber noch keinen breit getragenen Aufschwung. Exporte und Teile der Industrie entwickeln sich derzeit deutlich stärker als privater Konsum, Bauwirtschaft und Ausrüstungsinvestitionen.
Mit der Veröffentlichung hat Destatis außerdem frühere BIP-Zahlen überarbeitet. Besonders auffällig ist die Revision für 2024. Bislang war für dieses Jahr ein Rückgang der preisbereinigten Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent ausgewiesen worden. Nach der Sommerüberarbeitung ergibt sich für 2024 nun eine Stagnation von 0,0 Prozent. Für 2025 blieb das Jahreswachstum mit 0,2 Prozent unverändert.
Auch Daten zurück bis 2011 wurden neu berechnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt das kumulierte reale Wirtschaftswachstum zwischen 2011 und 2021 nach der Revision insgesamt 0,8 Prozentpunkte höher als bislang ausgewiesen. Solche Überarbeitungen gehören zum regulären Verfahren der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, wenn vollständigere Unternehmens-, Handels- und Produktionsdaten verfügbar werden.
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