Accell Group in der Krise: Haibike, Winora und Ghost betroffen

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Symbolbild: Evan Wise

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Die wirtschaftlichen Probleme der niederländischen Accell Group haben auch die deutschen Gesellschaften des Fahrradkonzerns erfasst. Die Accell Germany GmbH sowie drei operative Tochterunternehmen haben beim Amtsgericht Schweinfurt Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind die Winora Staiger GmbH, die Ghost-Bikes GmbH und der Fahrradteile-Großhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH. Hinter den Unternehmen stehen bekannte Marken wie Haibike, Winora und Ghost. Rund 370 Beschäftigte arbeiten an den deutschen Standorten.

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Die Accell Insolvenz in Deutschland ist Teil einer wesentlich größeren Krise des europäischen Fahrradkonzerns. Die deutschen Unternehmen sollen nach bisherigem Stand nicht geschlossen, sondern im Rahmen der Eigenverwaltung saniert und möglichst an einen Investor übergeben werden. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter.

Insolvenzanträge bereits Anfang August gestellt

Die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld bei Schweinfurt stellte den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung am 5. August 2026. Am selben Tag gingen entsprechende Anträge für die Winora Staiger GmbH, die Ghost-Bikes GmbH und Engelbert Wiener Bike Parts GmbH ein. Das Amtsgericht Schweinfurt ordnete anschließend die vorläufigen Eigenverwaltungen an. Als vorläufiger Sachwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus eingesetzt.

Damit sind in Deutschland nicht nur drei Tochtergesellschaften betroffen. Auch die Accell Germany GmbH als deutsche Holding befindet sich im Verfahren. Die drei operativen Gesellschaften beschäftigen sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Fahrrädern und E-Bikes sowie mit Fahrradteilen und Zubehör.

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Nach Angaben aus dem Verfahren beschäftigen die deutschen Accell-Gesellschaften rund 370 Mitarbeiter an den Standorten Sennfeld in Unterfranken und Waldsassen in der Oberpfalz. Für 2025 wurde ein Umsatz von rund 340 Millionen Euro genannt.

Haibike, Winora und Ghost gehören zu den bekanntesten Marken

Besonders sichtbar wird die Insolvenz durch die Marken, die mit den betroffenen Unternehmen verbunden sind. Winora und Haibike werden über die Winora Staiger GmbH geführt. Ghost ist vor allem für Mountainbikes und E-Bikes bekannt. Engelbert Wiener Bike Parts beliefert als Großhändler den Fahrradfachhandel mit Komponenten und Zubehör.

Die Geschäftsbetriebe sollen während des Sanierungsverfahrens fortgeführt werden. Löhne und Gehälter sind nach Angaben der mit der Restrukturierung befassten Unternehmen über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober 2026 abgesichert.

Ziel ist eine Investorenlösung für die deutschen Aktivitäten. Dabei sollen die Gesellschaften aus der internationalen Accell-Gruppe herausgelöst werden. Ob sämtliche Unternehmen, Marken und Arbeitsplätze in der bisherigen Struktur erhalten bleiben können, war zunächst nicht geklärt.

Krise betrifft Accell in zahlreichen europäischen Ländern

Die Probleme beschränken sich nicht auf Deutschland. Anfang August erhielt die niederländische Accell Group zunächst gerichtlichen Zahlungsaufschub. Accell erklärte am 5. August, dass nach einer Prüfung möglicher Alternativen für die niederländischen Gesellschaften eine vorläufige Zahlungsaussetzung gewährt worden sei.

In den Niederlanden wurde das Verfahren anschließend in eine Insolvenz überführt. Auch in mehreren anderen europäischen Ländern wurden Verfahren für Gesellschaften aus dem Konzernverbund eingeleitet. Genannt wurden unter anderem Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.

Accell gehört zu den großen europäischen Fahrradkonzernen. Zum Markenportfolio zählen oder zählten neben Haibike, Winora und Ghost unter anderem Batavus, Koga, Sparta, Lapierre, Raleigh, Babboe und Carqon. Der Konzern bezeichnet sich selbst als führenden europäischen Anbieter von E-Bikes und als einen der größten Anbieter von Fahrradteilen und Zubehör.

Verkaufsprozess für den Gesamtkonzern scheiterte

Der Konzern hatte bereits vor der aktuellen Insolvenz versucht, seine Finanzierungsstruktur zu stabilisieren. Im Februar 2026 kündigte Accell zusätzliche Finanzierung und eine deutliche Verringerung der Schulden an. Die Beteiligungsverhältnisse sollten dabei zugunsten bestehender Kreditgeber verändert werden.

Eine dauerhafte Lösung gelang damit jedoch nicht. Nach Angaben aus den deutschen Sanierungsverfahren scheiterte anschließend auch ein strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell Group. Danach wurden in mehreren Ländern Insolvenzanträge gestellt.

Als wirtschaftlicher Hintergrund gilt zudem die schwierige Entwicklung der Fahrradbranche nach dem außergewöhnlichen Nachfrageanstieg während der Corona-Pandemie. Hersteller und Händler hatten zeitweise hohe Lagerbestände aufgebaut. Mit der Normalisierung der Nachfrage gerieten Preise und Margen unter Druck.

Deutscher Fahrradmarkt bleibt groß, Umsatz ging aber zurück

Die deutschen Marktdaten zeigen ein gemischtes Bild. Nach Angaben des Branchenverbands ZIV wurden 2025 in Deutschland rund 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft. Das waren 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes sank um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. E-Bikes stellten mit 52,7 Prozent weiterhin mehr als die Hälfte aller verkauften Räder.

Gleichzeitig berichtete der Verband von einer fortschreitenden Normalisierung der Lagerbestände. Ein übliches Niveau werde im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Die Lage der Branche ist damit nicht mit einem flächendeckenden Einbruch gleichzusetzen. Einzelne Unternehmen können dennoch erheblich unter früher aufgebauten Beständen, sinkenden Verkaufspreisen, Finanzierungskosten und konzernspezifischen Belastungen leiden.

Für die deutschen Accell-Gesellschaften beginnt nun ein Sanierungsprozess unter gerichtlicher Aufsicht. Der laufende Betrieb, die bekannten Marken und die Größe des deutschen Fahrradmarktes bilden die Grundlage für die Suche nach Investoren. Welche Gesellschaften langfristig in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden, war zunächst offen.

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