Berlin prüft Reserven, doch kritische Rohstoffe fehlen im Staatslager

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutschland verfügt derzeit über keine staatlich gehaltenen Reserven kritischer oder strategischer Rohstoffe. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor, die der Bundestag am Donnerstag veröffentlicht hat. Damit existiert bislang auch keine staatliche Rohstoffreserve in Deutschland, die bei Lieferausfällen etwa von Seltenen Erden, Lithium oder anderen strategisch wichtigen Metallen kurzfristig eingesetzt werden könnte. Die Bundesregierung setzt stattdessen bislang vor allem auf europäische Zusammenarbeit, die Diversifizierung von Lieferketten und Investitionen in neue Rohstoffprojekte.

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Bundesregierung bestätigt fehlende staatliche Vorräte

Nach Angaben der Bundesregierung gibt es weder staatliche noch halbstaatliche Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe. Auch Bestände, die private oder öffentliche Stellen im staatlichen Auftrag halten, existieren demnach derzeit nicht. Diese Angaben habe Deutschland auch der Europäischen Kommission im Rahmen der Berichtspflichten nach dem europäischen Critical Raw Materials Act übermittelt.

Die Bundesregierung prüft nach eigenen Angaben allerdings ergebnisoffen, wie die Lagerhaltung durch Unternehmen unterstützt werden könnte. Eine konkrete Entscheidung über Aufbau, Finanzierung oder Umfang einer nationalen Reserve war am Donnerstag nicht öffentlich bekannt.

Das Bundeswirtschaftsministerium beteiligt sich gleichzeitig an den Arbeiten der Europäischen Kommission für eine koordinierte europäische Bevorratung. Deutschland leitet dabei nach Angaben der Bundesregierung eine Arbeitsgruppe zum Thema Nachfrage und Produktion. Welche Rohstoffe in diesem Verfahren konkret priorisiert werden und welche Mengen möglicherweise eingelagert werden sollen, ist bislang nicht öffentlich.

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Damit bleibt auch offen, ob künftig eine staatliche Reserve entstehen oder die Absicherung vor allem über Unternehmen und europäische Instrumente organisiert werden soll.

EU will Abhängigkeiten stärker begrenzen

Auf europäischer Ebene ist die Sicherung kritischer Rohstoffe bereits gesetzlich verankert. Der Critical Raw Materials Act unterscheidet derzeit 34 kritische Rohstoffe. Davon gelten 17 als strategisch besonders wichtig, weil sie unter anderem für digitale Technologien, Energiewirtschaft, Luftfahrt und Verteidigung benötigt werden.

Die EU hat für 2030 mehrere Zielwerte festgelegt. Mindestens zehn Prozent des jährlichen europäischen Bedarfs an strategischen Rohstoffen sollen innerhalb der EU gefördert werden. Bei der Verarbeitung liegt das Ziel bei mindestens 40 Prozent, beim Recycling bei mindestens 25 Prozent. Gleichzeitig sollen bei keinem strategischen Rohstoff mehr als 65 Prozent des jährlichen EU-Verbrauchs aus einem einzigen Drittstaat stammen.

Zusätzlich arbeitet die Europäische Kommission an koordinierten Vorräten. Ende 2025 hatte sie angekündigt, gemeinsame Beschaffung und Lagerhaltung stärker auszubauen. Ein Pilotprojekt zur Bevorratung kritischer Rohstoffe sollte 2026 anlaufen. Die Kommission verweist darauf, dass Staaten wie Japan, die USA und Südkorea bereits seit längerem strategische Instrumente zur Absicherung ihrer Rohstoffversorgung einsetzen.

China bleibt bei Seltenen Erden besonders wichtig

Die Diskussion erhält zusätzliche Bedeutung durch die starke Stellung Chinas in mehreren Rohstoffketten. Nach Angaben von Eurostat kamen 2025 rund 46,8 Prozent der von der EU importierten Seltenen Erden nach Gewicht aus China. Die Einfuhren aus China beliefen sich auf rund 7.100 Tonnen.

Noch ausgeprägter ist die Abhängigkeit bei bestimmten weiterverarbeiteten Produkten. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden 98 Prozent des Bedarfs der EU an Permanentmagneten aus Seltenen Erden durch chinesische Importe gedeckt. Solche Magnete werden unter anderem in Elektromotoren, Windkraftanlagen, industriellen Maschinen und zahlreichen Elektronikprodukten eingesetzt.

Für Deutschland zeigt die Importstatistik ein differenziertes Bild. Nach Angaben der Bundesregierung lag der chinesische Anteil an den deutschen Importen leichter Seltener Erden 2024 bei 72 Prozent. Bei schweren Seltenen Erden lag der Anteil im selben Jahr bei 35 Prozent. Die Werte beziehen sich auf direkte deutsche Importe und sind deshalb nicht unmittelbar mit den EU-Zahlen zu weiterverarbeiteten Produkten vergleichbar.

China hat in den vergangenen Jahren Exportkontrollen für mehrere kritische Rohstoffe eingeführt oder ausgeweitet. Die Europäische Kommission nennt unter anderem Graphit, Gallium, Germanium, Wolfram, Wismut und Seltene Erden. Solche Beschränkungen können Genehmigungsverfahren verlängern und die Versorgung europäischer Unternehmen erschweren.

Rohstofffonds ersetzt keine strategischen Lager

Deutschland versucht zugleich, zusätzliche Lieferquellen außerhalb bestehender Abhängigkeiten aufzubauen. Ein Instrument dafür ist der von der staatlichen Förderbank KfW verwaltete Rohstofffonds. Sein Mandat umfasst Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro in Projekte zur Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwertung kritischer Rohstoffe.

Der Fonds ist jedoch kein Vorratslager. Nach Angaben der Bundesregierung dient er der Sicherung und Diversifizierung der Rohstoffversorgung durch Beteiligungen an geeigneten Projekten. Eine unmittelbare Bevorratung finanziert er bislang nicht.

Zu den bereits unterstützten Vorhaben gehört das australische Nolans-Projekt. Die Bundesregierung beteiligt sich über den Rohstofffonds mit bis zu 50 Millionen Euro. Dort sollen unter anderem Neodym und Praseodym gewonnen werden, die für leistungsfähige Permanentmagnete benötigt werden. Zusätzlich unterstützt der Fonds ein Lithiumprojekt in Deutschland.

Diese Strategie soll langfristige Lieferketten schaffen. Sie kann jedoch eine physische Reserve, die im Fall einer kurzfristigen Unterbrechung unmittelbar freigegeben werden könnte, nicht vollständig ersetzen.

Industrie und Verteidigung benötigen dieselben Rohstoffe

Die Frage der Versorgungssicherheit betrifft nicht nur einzelne Zukunftstechnologien. Kritische Rohstoffe werden in weiten Teilen des Maschinenbaus, der Automobilindustrie, der Energietechnik und der Elektronik benötigt. Auch Luftfahrt und Verteidigungsindustrie sind auf zahlreiche der von der EU als strategisch eingestuften Materialien angewiesen.

Seltene Erden werden beispielsweise für Hochleistungsmagnete gebraucht, andere kritische Metalle finden sich in Elektronik, Sensoren, Batterien und spezialisierten Legierungen. Lieferausfälle können deshalb mehrere Industriezweige gleichzeitig treffen.

Die EU versucht, dieses Risiko mit einem Mix aus neuen Förderprojekten, Recycling, diversifizierten Importen, gemeinsamer Beschaffung und strategischer Lagerhaltung zu reduzieren. Deutschland beteiligt sich an diesen europäischen Arbeiten, besitzt jedoch nach dem aktuellen Stand keine eigenen staatlichen Reserven.

Offiziell bestätigt war am Donnerstag nur, dass die Bundesregierung Möglichkeiten zur Unterstützung unternehmerischer Lagerhaltung prüft und sich an der europäischen Stockpiling-Initiative beteiligt. Welche Rohstoffe künftig in welchen Mengen vorgehalten werden könnten und ob daraus ein eigenständiges deutsches Reservemodell entsteht, blieb zunächst unklar.

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