BASF-Aktie legt zu: Chemiebranche schöpft neue Zuversicht

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hat sich im August 2026 überraschend deutlich verbessert. Davon profitierte am Freitag, 28. August, zeitweise auch die BASF-Aktie im DAX. Um 11.55 Uhr notierte das Papier bei 52,18 Euro und damit 1,30 Prozent über dem vorherigen Schlusskurs von 51,51 Euro. Grundlage sind von EOD Historical Data erfasste Kursdaten. Der DAX lag zu diesem Zeitpunkt 0,61 Prozent im Plus. Damit gehörte BASF am Vormittag zu den stärkeren Werten im deutschen Leitindex.

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Der Kursanstieg trifft auf ein deutlich freundlicheres Branchenbild. Das ifo Institut meldete am Freitag einen kräftigen Sprung seines Geschäftsklimaindikators für die deutsche Chemieindustrie. Zugleich hatten BASF und weitere Unternehmen der Branche ihre Ergebnisprognosen in den vergangenen Wochen angehoben. Von einer umfassenden Erholung der Chemieindustrie kann daraus jedoch noch nicht gesprochen werden. Produktion und Kapazitätsauslastung liegen weiterhin deutlich unter früheren Niveaus.

BASF hatte Prognose bereits im Juli angehoben

Die verbesserte Prognose von BASF ist keine neue Unternehmensmeldung vom 28. August. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hatte seinen Ausblick bereits Mitte Juli nach überraschend guten vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal nach oben korrigiert und die neuen Ziele Ende Juli im Halbjahresbericht bestätigt.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet BASF seitdem ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen eine Spanne von 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das EBITDA vor Sondereinflüssen ist eine wichtige operative Ergebniskennzahl des Konzerns.

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Im zweiten Quartal erreichte diese Kennzahl rund 2,4 Milliarden Euro. Damit lag das Ergebnis über den damaligen durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. BASF verwies bei der Vorlage der Halbjahreszahlen unter anderem auf höhere Preise und gestiegene Mengen in mehreren Geschäftsbereichen.

Für Anleger bleibt entscheidend, dass es sich bei der neuen Jahresprognose weiterhin um eine Erwartung des Unternehmens handelt. Ob BASF die angegebene Spanne tatsächlich erreicht, hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung bis zum Jahresende ab. Eine Prognose ist kein bereits realisiertes Ergebnis.

Geschäftsklima der Chemieindustrie springt nach oben

Der deutlichste neue Impuls kam am Freitag vom ifo Institut. Dessen Geschäftsklimaindex für die Chemieindustrie stieg im August auf minus 2,4 Punkte. Im Juli hatte der saisonbereinigte Wert noch bei minus 26,3 Punkten gelegen.

Noch deutlicher verbesserte sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Der entsprechende Saldo stieg von minus 14,6 auf plus 11,6 Punkte. Damit bewerteten die befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Situation erstmals seit vier Jahren wieder überwiegend positiv.

Auch die Erwartungen hellten sich auf. Der entsprechende Indikator verbesserte sich von minus 37,2 auf minus 15,5 Punkte. Er blieb damit zwar negativ, zeigte aber erheblich weniger Pessimismus als noch im Juli.

Beim Exportgeschäft wechselte das Bild ebenfalls deutlich. Der Saldo stieg nach ifo-Angaben von minus 22,7 auf plus 10,1 Punkte. Die Unternehmen planen zudem eine Ausweitung ihrer Produktion.

Damit hat sich die Stimmung in einem Industriezweig verbessert, der in Deutschland seit Jahren unter hohen Energiepreisen, schwacher Nachfrage, internationalem Wettbewerbsdruck und teilweise niedriger Auslastung leidet.

Lieferprobleme in Asien sorgen für zusätzliche Nachfrage

Ein wesentlicher Grund für die derzeit bessere Lage liegt nach Einschätzung des ifo Instituts außerhalb Deutschlands. Lieferausfälle in Asien infolge der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus erhöhen derzeit die Nachfrage nach chemischen Produkten aus deutscher Produktion.

Davon profitieren europäische Anbieter, weil Kunden teilweise auf andere Lieferquellen ausweichen müssen. Dieser Effekt könnte jedoch zeitlich begrenzt sein. Sobald sich internationale Lieferketten normalisieren, könnte ein Teil dieser zusätzlichen Nachfrage wieder entfallen.

Auch BASF hatte bereits bei seinen Halbjahreszahlen auf Auswirkungen der angespannten Versorgungslage hingewiesen. Am Stammwerk in Ludwigshafen hatte sich die Auslastung verbessert. Gleichzeitig bleibt der Konzern mit erheblichen Unsicherheiten durch geopolitische Konflikte, Energiepreise und den Welthandel konfrontiert.

Die BASF-Aktie 28. August 2026 spiegelt damit nicht allein die Geschäftsentwicklung eines einzelnen Konzerns wider. Der Kursanstieg fällt in eine Phase, in der Investoren zugleich bessere Branchendaten, zuvor angehobene Unternehmensprognosen und Veränderungen in den internationalen Lieferketten bewerten.

Strukturelle Schwäche der Branche bleibt bestehen

Trotz des deutlich besseren Stimmungsbildes bleiben die langfristigen Probleme der deutschen Chemieindustrie sichtbar. Die Chemieproduktion in Deutschland liegt nach Angaben des ifo Instituts weiterhin rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2021.

Auch die Kapazitätsauslastung spricht noch nicht für einen kräftigen industriellen Aufschwung. Sie lag im bisherigen dritten Quartal bei 73,2 Prozent. Der langfristige Durchschnitt liegt bei etwa 80,4 Prozent. Viele Anlagen arbeiten damit weiterhin unter einem Niveau, das für eine wirtschaftlich attraktive Produktion als günstig gilt.

Ein Teil der zusätzlichen Nachfrage kann deshalb zunächst aus vorhandenen Lagerbeständen bedient werden, ohne dass die Produktion entsprechend stark steigen muss. Gleichzeitig planen Chemieunternehmen trotz der besseren Stimmung weiterhin Stellenabbau.

Hohe Gaspreise, Kosten für den Industriestandort, Fragen der Versorgungssicherheit und steigende CO2-Kosten bleiben Belastungsfaktoren. Die derzeit bessere Konjunkturlage beseitigt diese strukturellen Probleme nicht.

Für BASF ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Der Konzern hat seine operative Prognose für 2026 angehoben, die BASF-Aktie legte am Freitag zeitweise deutlich zu und die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hat sich stark verbessert. Gleichzeitig bleiben sowohl die Unternehmensprognose als auch die konjunkturelle Entwicklung mit Unsicherheiten verbunden. Aus der Kursbewegung an einem einzelnen Handelstag lässt sich deshalb keine verlässliche Aussage über die weitere Entwicklung der Aktie ableiten.

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