Finnlands Präsident hält russischen Nato-Angriff für unwahrscheinlich

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Symbolbild mit KI erstellt

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Finnlands Präsident Alexander Stubb hält einen russischen Angriff auf die NATO trotz entsprechender Warnungen aus Deutschland für unwahrscheinlich. Zugleich fordert der Staatschef des an Russland grenzenden NATO-Landes, politische Gesprächskanäle nach Moskau offenzuhalten oder wieder aufzubauen. Auch die Erwartung, wirtschaftliche Schwierigkeiten könnten Russland allein zur Beendigung seines Krieges gegen die Ukraine zwingen, teilt Stubb nicht.

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Die Aussagen stammen aus einem Interview mit der Bild-Zeitung, das am Samstag veröffentlicht wurde. Stubb stellte darin nicht die Notwendigkeit militärischer Vorsorge infrage. Er argumentierte vielmehr, dass er derzeit keine Anhaltspunkte dafür sehe, dass Russland tatsächlich einen Angriff auf das westliche Bündnis plane. Die NATO müsse dennoch auf mögliche Gefahren vorbereitet sein.

Deutsche 2029-Warnung ist keine Angriffsprognose

Stubbs Äußerungen stehen auf den ersten Blick im Gegensatz zu Warnungen aus Deutschland. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch zwischen militärischer Fähigkeit und politischer Absicht.

Generalinspekteur Carsten Breuer hat mehrfach erklärt, die Bundeswehr gehe davon aus, dass Russland ab 2029 in der Lage sein könnte, einen großangelegten Angriff gegen NATO-Gebiet zu führen. Breuer stellte ausdrücklich klar, dass dies nicht bedeute, ein solcher Angriff werde automatisch stattfinden. Deutschland müsse sich vielmehr auf eine mögliche Fähigkeit Russlands vorbereiten und dadurch zur Abschreckung beitragen.

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Stubb bewertet dagegen vor allem die Wahrscheinlichkeit, dass Moskau diese Fähigkeit tatsächlich gegen das Bündnis einsetzen würde. Nach seiner Einschätzung spricht die militärische Abschreckung dagegen. Die NATO verfüge über konventionelle Streitkräfte, Raketenfähigkeiten und Atomwaffen, die einen Angriff mit enormen Risiken für Russland verbinden würden. Stubb verwies außerdem auf ihm vorliegende geheimdienstliche Erkenntnisse. Konkrete Inhalte dieser Erkenntnisse machte er nicht öffentlich.

Die Aussagen von Alexander Stubb zur Russland-Gefahr bedeuten damit keine Entwarnung. Der finnische Präsident betonte zugleich, dass Staaten sich auf ungünstige Szenarien vorbereiten müssten, gerade damit sie nicht eintreten. Damit liegt seine Position bei der militärischen Abschreckung deutlich näher an der NATO-Linie, als der Gegensatz zur deutschen 2029-Einschätzung zunächst vermuten lässt.

Stubb warnt weiter vor russischer Bedrohung

Stubb stellte auch die grundsätzliche Gefahr durch Russland nicht infrage. Er warf Moskau vor, mit hybriden Methoden und Informationsoperationen Unsicherheit in Europa erzeugen zu wollen. Diskussionen über mögliche Eskalationen könnten selbst Teil dieses Drucks sein.

Gleichzeitig hält er Russlands Möglichkeiten zu einer zusätzlichen großen militärischen Eskalation gegenwärtig für begrenzt. Er verwies auf die hohen Verluste der russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg und bezweifelte, dass Moskau parallel ausreichend Kräfte für einen zweiten großen Kriegsschauplatz aufbringen könnte. Die von Stubb genannten monatlichen Verlust- und Rekrutierungszahlen sind seine öffentliche Einschätzung und lassen sich wegen unterschiedlicher Definitionen militärischer Verluste nicht vollständig unabhängig überprüfen.

Finnlands Position verleiht der Debatte besonderes Gewicht. Das Land grenzt unmittelbar an Russland und änderte seine jahrzehntelange Politik militärischer Bündnisfreiheit nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine. Am 4. April 2023 wurde Finnland Mitglied der NATO. Durch den Beitritt verlängerte sich die direkte Landgrenze zwischen dem Bündnis und Russland erheblich.

Finnlands Präsident fordert Gespräche mit Moskau

Trotz der Konfrontation spricht sich Stubb für politische Kontakte mit Russland aus. Im Bild-Interview begrüßte er Gespräche zwischen amerikanischen und russischen Vertretern und sagte, auch auf europäischer Ebene müsse ein politischer Dialog möglich sein. Sein Argument ist, dass fehlende Kommunikation auf beiden Seiten zu Fehleinschätzungen über Absichten und Bedrohungen führen könne.

Diese Position ist nicht völlig neu. Bei den finnischen Kultaranta-Gesprächen im Juni hatte Stubb bereits die Perspektive neuer Gesprächskanäle mit Russland angesprochen. Damals erklärte das finnische Präsidialamt, Zeitpunkt, Rahmen und notwendiges Vertrauen für solche Kontakte seien noch offen. In einer außenpolitischen Rede am 25. August sagte Stubb zudem, Russland werde Finnlands Nachbar bleiben. Nach einem Ende des Krieges müssten die Beziehungen auf einer neuen Grundlage definiert werden.

Der Dialogkurs bedeutet allerdings keinen Rückzug aus der Unterstützung der Ukraine. Erst wenige Tage vor dem Interview hatte Stubb bei einem Besuch in Kiew erneut weitere Hilfe für die Ukraine verlangt. Finnlands Präsidialamt bezeichnete die Unterstützung des Landes auch am 25. August als zentrale Priorität der finnischen Außen- und Sicherheitspolitik.

Wirtschaftlicher Druck allein soll Putin nicht stoppen

Auch beim Zustand der russischen Wirtschaft warnt Stubb vor zu einfachen Schlussfolgerungen. Er erwartet nicht, dass Inflation, hohe Zinsen, Probleme im Finanzsystem oder wirtschaftlicher Druck für sich genommen zu einem Ende des Krieges führen. Russland könne nach seiner Einschätzung erhebliche wirtschaftliche Belastungen über längere Zeit aushalten.

Das bedeutet nicht, dass Stubb Sanktionen oder wirtschaftlichen Druck für wirkungslos hält. Noch im Frühjahr hatte er schärferen Druck auf Russland ausdrücklich unterstützt und eine Lockerung amerikanischer Sanktionen kritisiert. Seine aktuelle Aussage zielt vielmehr darauf, dass wirtschaftliche Belastungen allein nicht automatisch eine politische Entscheidung des Kremls zur Beendigung des Krieges auslösen.

Stubbs Position verbindet damit drei Elemente: militärische Abschreckung der NATO, weitere Unterstützung der Ukraine und politische Kommunikationskanäle zu Russland. Zugleich widerspricht er der Interpretation, das Jahr 2029 sei bereits eine belastbare Prognose für einen russischen Angriff. Auch die deutsche militärische Führung verwendet dieses Datum nicht in diesem Sinn. Sie beschreibt einen möglichen Zeitpunkt, ab dem Russland nach ihrer Einschätzung über entsprechende Fähigkeiten verfügen könnte.

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