Allianz soll Kauf des britischen Pannendienstes AA prüfen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der deutsche Versicherungskonzern Allianz erwägt offenbar eine milliardenschwere Übernahme in Großbritannien. Im Mittelpunkt steht der traditionsreiche Pannendienst und Versicherungsanbieter AA. Nach einem Bericht des britischen Senders Sky News gehört Allianz zu mehreren Interessenten, die Gespräche mit Beratern des Unternehmens geführt haben sollen. Als mögliche Größenordnung für eine Transaktion werden rund fünf Milliarden Pfund genannt.

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Ein konkretes Übernahmeangebot ist bislang nicht bekannt. Auch eine Einigung zwischen Allianz und den Eigentümern der AA gibt es nach den verfügbaren Angaben nicht. Der Stand der Gespräche und die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses blieben zunächst offen. Allianz äußerte sich zu dem Bericht zunächst nicht. Auch AA und der Mehrheitseigentümer TowerBrook Capital Partners gaben keine Stellungnahme zu möglichen Verhandlungen ab.

AA-Eigentümer prüfen Verkauf und Börsengang

Der mögliche Einstieg der Allianz fällt in eine Phase, in der die Eigentümer der AA grundsätzlich verschiedene Optionen für die Zukunft des Unternehmens prüfen. Mehrheitlich gehört der britische Konzern den Finanzinvestoren TowerBrook Capital Partners und Warburg Pincus. Die Investmentgesellschaft Stonepeak ist ebenfalls beteiligt.

Stonepeak investierte 2024 insgesamt 450 Millionen Pfund in die AA. Die Transaktion erfolgte damals auf Grundlage eines Unternehmenswertes einschließlich Schulden von rund vier Milliarden Pfund. TowerBrook und Warburg Pincus blieben nach Abschluss der Investition Mehrheitsaktionäre.

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Für die AA wird inzwischen sowohl ein Verkauf als auch eine Rückkehr an die Londoner Börse geprüft. Sky News zufolge könnte ein Börsengang 2027 erfolgen. Damit ist ein Verkauf an Allianz nur eine von mehreren möglichen Varianten. Auch andere Interessenten sollen sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Sky News nannte unter anderem den Finanzinvestor EQT, der einen möglichen Erwerb zuvor geprüft haben soll.

Die berichtete Bewertung von etwa fünf Milliarden Pfund ist deshalb nicht mit einem vereinbarten Kaufpreis gleichzusetzen. Unklar blieb zunächst auch, ob Allianz ein formelles Angebot vorbereitet oder die Überlegungen letztlich wieder verwirft.

AA zählt Millionen Kunden in Großbritannien

Für Allianz wäre eine Allianz-Übernahme von AA ein bedeutender Ausbau des Geschäfts auf dem britischen Markt. Die 1905 gegründete Automobile Association gehört zu den bekanntesten Mobilitätsdienstleistern des Landes. Ihr Geschäft reicht von Pannenhilfe und Versicherungen bis zu Fahrschulen und weiteren Dienstleistungen für Autofahrer.

Nach dem jüngsten Geschäftsbericht verfügte die AA zuletzt über insgesamt 16,4 Millionen Kundenbeziehungen und laufende Verträge. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,505 Milliarden Pfund nach 1,450 Milliarden Pfund im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg von 450 auf 481 Millionen Pfund.

Gleichzeitig hat die AA ihre Verschuldung relativ zur Ertragskraft weiter verringert. Das Verhältnis von Schulden zum bereinigten Ergebnis sank nach Unternehmensangaben von 4,4 auf das Vierfache des Ergebnisses.

Zum Kerngeschäft gehört weiterhin die Pannenhilfe auf britischen Straßen. Das Unternehmen verfügt über ein landesweites Netz von Einsatzfahrzeugen und Werkstattpartnern und betreibt daneben ein umfangreiches Versicherungsgeschäft. Auch die Fahrschulmarken AA und BSM gehören zum Konzern.

Allianz ist in Großbritannien bereits stark vertreten

Ein Kauf der AA wäre für Allianz kein Einstieg in einen neuen Markt. Der Münchner Versicherungskonzern besitzt in Großbritannien bereits ein umfangreiches Geschäft. Dazu zählt unter anderem das Sachversicherungsgeschäft von LV=. Außerdem gehört der auf Tierversicherungen spezialisierte Anbieter Petplan zum Konzern.

Die britischen Versicherungsgeschäfte von Allianz kamen 2025 zusammen auf ein Geschäftsvolumen von rund 7,3 Milliarden Pfund. Bei Allianz UK stieg der operative Gewinn im vergangenen Jahr nach Unternehmensangaben um 29,5 Prozent auf rund 476 Millionen Pfund.

Auch auf Konzernebene verfügt Allianz derzeit über eine starke Ertragsbasis. In den ersten sechs Monaten 2026 erreichte der operative Gewinn mit 9,4 Milliarden Euro einen Rekordwert und lag 8,6 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Solvency-II-Kapitalquote belief sich Ende Juni auf 225 Prozent.

Damit verfügt der Konzern grundsätzlich über erheblichen finanziellen Spielraum. Ob Allianz diesen tatsächlich für die AA einsetzen will, ist jedoch weiterhin offen.

Ein Milliardenkauf würde das britische Geschäft erweitern

Mit einer Übernahme könnte Allianz sein bisher stark auf Versicherungen ausgerichtetes britisches Geschäft um ein großes Netzwerk für Pannenhilfe und Mobilitätsdienstleistungen erweitern. Gleichzeitig würde der Konzern direkten Zugang zu Millionen zusätzlichen Kundenbeziehungen erhalten.

Für die bisherigen Eigentümer der AA steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, auf welchem Weg sie ihre Beteiligungen verwerten. Neben einem Unternehmensverkauf bleibt ein Börsengang in London eine reale Alternative.

Die AA kennt beide Eigentumsformen bereits. Das Unternehmen kam 2014 an die Londoner Börse und wurde 2021 von TowerBrook und Warburg Pincus wieder von der Börse genommen. Seitdem wurde die Finanzstruktur des Konzerns schrittweise verändert und die Verschuldung reduziert.

Ob daraus nun ein Milliardenverkauf an Allianz entsteht, ist noch nicht entschieden. Offiziell bestätigt ist bislang weder ein Angebot noch eine Vereinbarung über einen Kauf. Die genauen Bedingungen möglicher Gespräche blieben zunächst offen.

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