
Unternehmen in Deutschland wollen den Anteil ihrer Investitionen für Klimaschutz in den kommenden Jahren nur geringfügig erhöhen. Nach einer am Montag, 31. August 2026, veröffentlichten Auswertung des Ifo Instituts lag der durchschnittliche Anteil entsprechender Investitionen im Jahr 2025 bei 9,3 Prozent. Für 2026 planen die befragten Unternehmen im Durchschnitt 10,6 Prozent, für 2027 sind 10,5 Prozent vorgesehen.
Die Ifo-Umfrage Klimainvestitionen zeigt damit vor allem, dass die Unternehmen gemessen am gesamten Investitionsvolumen keine starke Verschiebung zugunsten klimabezogener Projekte erwarten. Die Zahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie sich die absoluten Ausgaben entwickeln. Wenn ein Unternehmen insgesamt deutlich mehr investiert, kann auch bei einem weitgehend unveränderten prozentualen Anteil mehr Geld in Klimaschutz fließen. Umgekehrt kann ein höherer Anteil mit einer geringeren absoluten Summe verbunden sein, wenn die Gesamtinvestitionen sinken.
Zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen gibt es deutliche Unterschiede. Für 2026 planen Dienstleistungsunternehmen nach Angaben des Ifo Instituts durchschnittlich 12,2 Prozent ihrer Investitionen für Klimaschutzmaßnahmen im eigenen Betrieb ein. Im Bauhauptgewerbe liegt der geplante Anteil bei 10,5 Prozent.
Das Verarbeitende Gewerbe kommt für 2026 auf 8,8 Prozent, der Handel auf 8,5 Prozent. Für 2027 erwartet das Ifo Institut auf Grundlage der Unternehmensangaben nur im Bauhauptgewerbe einen weiteren Anstieg des Anteils. Dort sollen Klimaschutzinvestitionen dann durchschnittlich 11,2 Prozent der gesamten Investitionen ausmachen.
Zu den in der Befragung erfassten Maßnahmen zählen Investitionen, die Treibhausgasemissionen senken, die Energieeffizienz erhöhen oder der Erzeugung erneuerbarer Energien dienen. Damit umfasst die Erhebung beispielsweise technische Modernisierungen ebenso wie Investitionen in eine klimafreundlichere Energieversorgung im eigenen Unternehmen.
Grundlage der am 31. August veröffentlichten Auswertung ist die Ifo Konjunkturumfrage vom Mai 2026. Die Unternehmen wurden danach gefragt, welcher Anteil ihrer bereits getätigten sowie geplanten Investitionen auf Klimaschutzmaßnahmen im eigenen Betrieb entfällt. Die veröffentlichten Prozentwerte sind Durchschnittswerte der von den Unternehmen angegebenen Anteile.
Aus der Befragung lässt sich nicht ableiten, weshalb der Anteil der Klimainvestitionen nach den Unternehmensplanungen nur wenig zunimmt. Das Ifo Institut weist selbst darauf hin, dass die Umfrage keine eindeutige Antwort auf die Ursachen liefert. Ifo-Forscher Gerome Wolf nennt als mögliche Faktoren unter anderem Probleme bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit sowie geopolitische Risiken. Dabei handelt es sich um eine mögliche Erklärung und nicht um ein Ergebnis der aktuellen Befragung.
Das Institut verweist zugleich auf eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2026 zum Zusammenhang zwischen CO₂-Preisen, Unsicherheit und Investitionsentscheidungen. Für diese Studie wurden 830 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 25 Beschäftigten untersucht. Das Experiment deutete darauf hin, dass nicht nur die erwartete Höhe eines CO₂-Preises, sondern auch die Verlässlichkeit des künftigen Preisniveaus Investitionsentscheidungen beeinflussen kann. Größere Unsicherheit über den zukünftigen Preis verringerte in den untersuchten Szenarien die Bereitschaft zu klimafreundlichen Investitionen.
Die Ergebnisse treffen auf eine Phase, in der Deutschland und die Europäische Union ihre Treibhausgasemissionen weiter deutlich reduzieren wollen. Deutschland hat im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegt, die Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis 2040 soll die Minderung mindestens 88 Prozent erreichen. Für 2045 ist Netto-Treibhausgasneutralität vorgesehen.
Nach den zuletzt veröffentlichten Projektionen des Umweltbundesamtes befindet sich Deutschland noch nicht auf einem Pfad, der sämtliche langfristigen Vorgaben erreicht. Für 2030 ergibt sich nach der Projektion eine verbleibende Lücke zum gesetzlichen Minderungsziel. Noch größer fällt nach diesen Berechnungen die Abweichung beim Ziel für 2040 aus. Die Entwicklung tatsächlicher Emissionen hängt dabei von zahlreichen Faktoren ab, darunter Energieverbrauch, Wirtschaftsleistung, technischer Fortschritt und politische Rahmenbedingungen.
Auch auf europäischer Ebene gelten verbindliche Klimaziele. Die Europäische Union will ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Im Jahr 2026 wurde zudem ein europäisches Minderungsziel von 90 Prozent bis 2040 beschlossen. Bis 2050 soll die EU klimaneutral werden.
Für die Bewertung der Ifo-Zahlen ist entscheidend, zwischen relativen Anteilen und tatsächlichen Investitionssummen zu unterscheiden. Ein Anstieg von 9,3 Prozent im Jahr 2025 auf geplante 10,6 Prozent im Jahr 2026 bedeutet lediglich, dass Unternehmen im Durchschnitt einen etwas größeren Teil ihrer Investitionen dem Klimaschutz zuordnen wollen. Daraus folgt nicht automatisch ein entsprechender Anstieg des investierten Geldbetrags.
Ebenso handelt es sich bei den Angaben für 2026 und 2027 um Planungen der befragten Unternehmen. Ob diese Investitionen tatsächlich in der angegebenen Höhe umgesetzt werden, kann die Erhebung nicht zeigen. Veränderungen der Konjunktur, der Energiepreise, der Finanzierungskosten oder der gesetzlichen Rahmenbedingungen können Investitionsentscheidungen im weiteren Verlauf beeinflussen.
Die Ifo-Auswertung liefert damit vor allem ein aktuelles Stimmungsbild aus den Unternehmen: Der Anteil klimabezogener Investitionen soll nach den Planungen gegenüber 2025 zunächst etwas steigen und anschließend weitgehend stabil bleiben. Eine deutlich stärkere Verschiebung der Investitionsbudgets zugunsten von Klimaschutzmaßnahmen zeichnet sich in den Befragungsdaten für 2026 und 2027 nicht ab.
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