Studie zeigt wachsende Distanz zu Parteien bei Migranten

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Symbolbild mit KI erstellt

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Wahlberechtigte mit Migrationsgeschichte in Deutschland können sich zunehmend seltener vorstellen, bestimmte Parteien zu wählen. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung hervor. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei Menschen mit familiären Wurzeln in der Türkei, im Nahen Osten, in Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan.

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Die Wissenschaftler untersuchten dabei nicht die aktuelle Wahlabsicht für eine unmittelbar bevorstehende Wahl. Gefragt wurde vielmehr, welche Parteien für die Befragten grundsätzlich als wählbar infrage kommen. Die Ergebnisse zeigen damit das mögliche Wählerpotenzial einer Partei und nicht, wie die Befragten bei einer Bundestagswahl tatsächlich abstimmen würden.

Union verliert in einer Gruppe deutlich an Potenzial

Besonders auffällig fällt der Vergleich bei Wahlberechtigten mit Bezügen zur Türkei sowie zur MENA-Region, Afghanistan und Pakistan aus. Im Winter 2023/2024 konnten sich noch 67 Prozent der Befragten dieser Gruppe vorstellen, CDU oder CSU grundsätzlich zu wählen. Im Winter 2024/2025 waren es nur noch 50 Prozent.

Auch die SPD verlor in derselben Bevölkerungsgruppe deutlich an möglichem Zuspruch. Ihr Wert sank innerhalb eines Jahres von 71 auf 60 Prozent. Auch für die Linke weist die Untersuchung einen Rückgang aus.

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Damit geht die Distanz zu mehreren Parteien gleichzeitig. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres als Bewegung von einer bestimmten Partei zu einer anderen interpretieren. Vielmehr schrumpft bei Teilen der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte offenbar der Kreis der Parteien, die überhaupt als mögliche Wahloption wahrgenommen werden.

Wähler mit Migrationshintergrund bilden dabei keine einheitliche politische Gruppe. Die Studie unterscheidet deshalb unter anderem Menschen mit Bezügen zur Türkei und MENA-Region, zur früheren Sowjetunion sowie zu Ländern der Europäischen Union.

SPD besitzt weiterhin das größte Wählerpotenzial

Trotz der Verluste bleibt die SPD unter Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte insgesamt die Partei mit dem größten möglichen Wählerpotenzial. Rund zwei Drittel können sich grundsätzlich vorstellen, die Sozialdemokraten zu wählen. CDU und CSU folgen mit vergleichsweise geringem Abstand.

Diese Werte dürfen jedoch nicht mit einer Sonntagsfrage verwechselt werden. Eine Person kann bei dieser Form der Befragung mehrere Parteien gleichzeitig für grundsätzlich wählbar halten. Ebenso bedeutet eine hohe grundsätzliche Wählbarkeit nicht, dass die betreffende Partei bei der nächsten Wahl tatsächlich die Stimme erhält.

Gerade diese Unterscheidung macht die Untersuchung für die längerfristige Entwicklung des Parteiensystems interessant. Sinkt die Zahl der Menschen, die eine Partei überhaupt noch als mögliche Alternative betrachten, verkleinert sich deren potenzieller Spielraum bei künftigen Wahlen.

AfD zeigt ein anderes Muster bei Menschen aus der früheren Sowjetunion

Ein anderes Bild ergibt sich bei der AfD. Unter Wählern mit Migrationsgeschichte insgesamt ist ihr mögliches Wählerpotenzial geringer als unter Menschen ohne Migrationshintergrund. Eine auffällige Ausnahme bilden Personen mit familiären Bezügen zu Russland und anderen Staaten der früheren Sowjetunion.

In dieser Gruppe konnten sich im Winter 2024/2025 überdurchschnittlich viele Befragte vorstellen, die AfD grundsätzlich zu wählen. Damit unterstreichen die Daten, wie unterschiedlich politische Präferenzen innerhalb der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte verteilt sind.

Die Herkunft allein erklärt diese Unterschiede allerdings nicht. Die Autoren beziehen in ihrer Analyse deshalb auch Faktoren wie Alter, Geschlecht und Einkommen ein. Das verhindert eine pauschale Gleichsetzung bestimmter Herkunftsgruppen mit bestimmten politischen Einstellungen.

DeZIM vergleicht zwei Befragungszeiträume

Die Untersuchung stammt von Friederike Römer, Long Nguyen, Mara Junge und Jannes Jacobsen vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung. Grundlage sind Daten des DeZIM Panels aus den Wintern 2023/2024 und 2024/2025.

Das Panel ist als längerfristige Bevölkerungsbefragung angelegt. Die Stichprobe basiert auf Daten der Einwohnermeldeämter. Menschen mit Migrationsgeschichte sind gezielt stärker vertreten, damit sich auch Unterschiede zwischen einzelnen Herkunftsgruppen wissenschaftlich untersuchen lassen.

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden in der Untersuchung Personen erfasst, bei denen mindestens ein Elternteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde. Betrachtet werden ausschließlich Wahlberechtigte, wenn es um das mögliche Abschneiden deutscher Parteien geht.

Parteidistanz betrifft nicht nur Menschen mit Migrationsgeschichte

Der Befund steht zugleich in einem größeren politischen Zusammenhang. Auch bei Wahlberechtigten ohne Migrationshintergrund sind traditionelle Bindungen an einzelne Parteien in Deutschland weniger selbstverständlich geworden. Das deutsche Parteiensystem ist seit Jahren stärker fragmentiert und politische Präferenzen wechseln häufiger als in früheren Jahrzehnten.

Bei Wählern mit Migrationshintergrund fällt die Distanzierung in der aktuellen DeZIM-Auswertung teilweise jedoch stärker aus. Besonders der deutliche Rückgang der grundsätzlichen Wählbarkeit von Union und SPD bei Menschen mit Bezügen zur Türkei sowie zur MENA-Region zeigt, dass die Parteien in dieser Bevölkerungsgruppe innerhalb eines Jahres erheblich an möglichem Rückhalt verloren haben.

Die Daten belegen allerdings nicht, dass sich Menschen mit Migrationsgeschichte generell nicht mehr politisch vertreten fühlen. Sie zeigen konkret, dass bestimmte Parteien für einen wachsenden Anteil der Befragten nicht mehr als mögliche Wahlentscheidung infrage kommen.

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