Klingbeil kritisiert Empfang von Russlands Finanzminister bei G20

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Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat beim Treffen der G20-Finanzminister in den USA die persönliche Teilnahme seines russischen Amtskollegen Anton Siluanow kritisiert. Der SPD-Politiker beanstandete am Montag, 31. August 2026, insbesondere das Signal, das nach seiner Darstellung vom Empfang des russischen Ministers durch die Gastgeber ausgehe. Das zweitägige G20-Treffen in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina dauert bis Dienstag.

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Siluanow nimmt nach übereinstimmenden Berichten persönlich an den Beratungen der Finanzminister und Zentralbankchefs teil. Reuters dokumentierte seine Anwesenheit bei einer Plenarsitzung am Montag. Auch Vertreter der russischen Zentralbank waren demnach bei den Beratungen vertreten. Das Bundesfinanzministerium führt das Treffen offiziell für den 31. August und 1. September in Asheville.

Klingbeil sieht problematisches Signal der Gastgeber

Nach Darstellung Klingbeils passt ein Empfang Siluanows als regulärer Teilnehmer nicht zur fortdauernden militärischen Lage in der Ukraine. Der deutsche Finanzminister erklärte vor Journalisten in Asheville, angesichts der täglichen Opfer und der jüngsten Angriffe könne nicht zu einem normalen Verhältnis mit Russland übergegangen werden.

Klingbeil kritisierte dabei ausdrücklich die Wirkung des amerikanischen Umgangs mit dem russischen Minister. Er hätte sich von der US-Seite nach eigenen Angaben größere Klarheit gewünscht, dass Siluanow nicht wie ein gewöhnlicher Gast behandelt werde. Reuters dokumentierte diese Äußerungen am Montag.

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Nach Klingbeils Angaben sprach er Siluanow zudem während der Beratungen direkt an. Der deutsche Finanzminister erklärte, er habe die russische Regierung aufgefordert, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, und zugleich die weitere Unterstützung Deutschlands für die Ukraine bekräftigt. Auch AFP berichtete über diese Äußerungen.

Die persönliche Teilnahme Siluanows ist politisch besonders relevant, weil der russische Finanzminister seit Beginn des russischen Großangriffs gegen die Ukraine im Februar 2022 nicht mehr persönlich an einem Treffen der G20-Finanzminister teilgenommen hatte. Beim Treffen im April 2022 war er per Video zugeschaltet. Damals verließen mehrere westliche Vertreter aus Protest zeitweise die Beratungen.

US-Finanzminister Bessent trifft Siluanow

Die US-Regierung beschränkte sich zugleich nicht auf Siluanows Teilnahme an der größeren Runde. US-Finanzminister Scott Bessent traf den russischen Minister am Rande der Beratungen zu einem bilateralen Gespräch. AFP berichtete unter Berufung auf das US-Finanzministerium, Bessent habe dabei für den Ansatz von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine geworben.

Auch die russische Seite bestätigte das Treffen. Nach einer von Interfax verbreiteten Mitteilung des russischen Finanzministeriums ging es bei dem Gespräch um die russisch-amerikanischen Beziehungen im Finanzbereich sowie um die Zusammenarbeit im Rahmen der G20. Damit ist das bilaterale Treffen von beiden Seiten bestätigt. Die veröffentlichten Darstellungen setzen bei den Gesprächsinhalten allerdings unterschiedliche Schwerpunkte.

Eine ausdrückliche Zurückweisung von Klingbeils Kritik durch die US-Gastgeber war zunächst nicht öffentlich dokumentiert. Das US-Finanzministerium bestätigte stattdessen das Gespräch zwischen Bessent und Siluanow. Auch das russische Finanzministerium bestreitet Siluanows persönliche Teilnahme nicht, sondern bestätigte seine Gespräche in Asheville. Eine gesonderte öffentliche Erwiderung der russischen Delegation auf Klingbeils Kritik an einer politischen Normalisierung lag zunächst nicht vor.

Streit auch um das traditionelle Gruppenfoto

Neben der Teilnahme an den Sitzungen sorgte Siluanows mögliche Präsenz auf dem traditionellen Gruppenfoto für Spannungen. Klingbeil sagte laut AFP, er habe den europäischen Partnern bereits am Morgen deutlich gemacht, dass er nicht gemeinsam mit dem russischen Finanzminister für ein solches Foto posieren werde. Ein gemeinsames Familienfoto wäre nach seiner Einschätzung politisch ein zu weitgehendes Signal gewesen.

Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, europäische Minister hätten mit einem Boykott des Gruppenfotos gedroht, falls Siluanow daran teilnehmen sollte. Nach diesem Bericht erschien der russische Minister schließlich nicht auf dem Foto. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht in gleichem Umfang vor. Die belastbare Aussage Klingbeils beschränkt sich darauf, dass er selbst eine gemeinsame Aufnahme mit Siluanow ablehnte.

G20 berät über Wachstum, Schulden und geopolitische Konflikte

Die Auseinandersetzung über Russland ist nicht der einzige Konfliktpunkt beim Treffen in North Carolina. Die USA haben 2026 den rotierenden Vorsitz der G20. US-Finanzminister Bessent setzt bei den Beratungen unter anderem auf stärkeres Wirtschaftswachstum, den Abbau wirtschaftlicher Hindernisse und eine Debatte über hohe globale Schulden. Reuters berichtete, Bessent habe die Teilnehmer zu Reformen bei Regulierung und Steuersystemen sowie zu Maßnahmen gegen wirtschaftliche Fragmentierung aufgefordert.

Daneben verfolgt Washington bei dem Treffen eigene außenwirtschaftliche Ziele. Dazu gehören nach Angaben der US-Seite ein stärkerer wirtschaftlicher Druck auf Iran sowie Forderungen nach Veränderungen im chinesischen Wirtschaftsmodell und beim internationalen Handel. Die Beratungen finden damit in einer Phase statt, in der Handelskonflikte, Energiepreise, Staatsverschuldung und mehrere geopolitische Krisen die Zusammenarbeit innerhalb der G20 erschweren.

Die G20 umfasst große Industrie- und Schwellenländer sowie die Europäische Union und die Afrikanische Union. Russland ist weiterhin Mitglied der Gruppe. Anders als bei der G7 wurde Moskau nach dem Angriff auf die Ukraine nicht aus dem Format ausgeschlossen. Dadurch treffen russische Regierungsvertreter innerhalb der G20 weiterhin unmittelbar auf Vertreter westlicher Staaten, die umfangreiche Sanktionen gegen Russland verhängt haben und die Ukraine politisch, finanziell oder militärisch unterstützen.

Siluanows persönliche Anwesenheit in Asheville macht diesen grundsätzlichen Widerspruch besonders sichtbar. Während die USA als Gastgeber den russischen Finanzminister in die Beratungen einbezogen und Bessent ein eigenes Gespräch mit ihm führte, stellte Klingbeil öffentlich klar, dass Deutschland darin keine Rückkehr zu normalen Beziehungen mit Moskau sieht.

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