
Die Amazon-Aktie ist am Montag unter Druck geraten. Auslöser war ein Bericht über einen möglichen neuen Schritt der US-Handelsbehörde Federal Trade Commission gegen den Technologiekonzern. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf Vertreter der Behörde, die FTC plane eine Klage gegen Amazon im Zusammenhang mit dessen Werbegeschäft. Eine entsprechende Klage war am Montagabend zunächst nicht offiziell veröffentlicht worden. Reuters griff den Bericht auf, konnte die bevorstehende Einreichung aber nicht unabhängig bestätigen.
An der Nasdaq fiel die Amazon-Aktie im Tagesverlauf zeitweise um rund drei Prozent. Gegen 21 Uhr deutscher Zeit wurde sie bei etwa 261,02 US-Dollar gehandelt, nach einem Schlusskurs von 266,43 Dollar am vorherigen Handelstag. Das entsprach zu diesem Zeitpunkt einem Minus von rund zwei Prozent. Zuvor hatten Kursdienste Werte von mehr als drei Prozent Minus ausgewiesen. Die Schwankung zeigt, dass sich der Kurs während des laufenden US-Handels wieder etwas erholte.
Nach Darstellung des „Wall Street Journal“ wolle die FTC Amazon vor einem Bundesgericht in Seattle verklagen. Die Behörde werde dem Konzern demnach vorwerfen, Preise für Werbung auf seiner Handelsplattform auf eine für Werbekunden nicht ausreichend transparente Weise beeinflusst zu haben. Mehr als 20 Generalstaatsanwälte einzelner US-Bundesstaaten könnten sich der Klage anschließen, berichtete die Zeitung.
Diese Angaben waren am Montag zunächst nicht durch eine veröffentlichte Klageschrift oder eine offizielle Mitteilung der FTC bestätigt. Reuters berichtete ausdrücklich unter Bezugnahme auf das „Wall Street Journal“ und dessen nicht namentlich genannte Behördenvertreter. Unklar blieb zunächst, ob bereits eine endgültige Entscheidung über Zeitpunkt, konkrete Rechtsgrundlage und Umfang einer möglichen Klage gefallen war.
Nach dem Zeitungsbericht würde sich der mögliche Streit unter anderem um Mechanismen bei Anzeigenauktionen drehen. Das „Wall Street Journal“ berichtete, Amazon habe über eine als soft reserve bezeichnete Methode Mindestpreise beziehungsweise Preisuntergrenzen beeinflusst. Die Zeitung schrieb außerdem, die FTC werde geltend machen, Werbekunden seien darüber nicht ausreichend informiert worden. Eine unabhängige Bestätigung für diese konkreten Vorwürfe lag zunächst nicht vor.
Dass sich US-Regulierer mit Amazons Anzeigenplattform beschäftigen, ist dagegen bereits seit längerem bekannt. Reuters berichtete im September 2025 unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person, dass die Verbraucherschutzabteilung der FTC sowohl Amazon als auch Google wegen ihrer Praktiken bei Suchmaschinenwerbung untersuche. Im Fall Amazon habe die Behörde unter anderem Informationen über Anzeigenauktionen und die Offenlegung sogenannter Reservepreise angefordert.
Im Juni 2026 berichtete Bloomberg über eine mögliche Klage gegen Amazon. Reuters griff auch diese Angaben auf. Danach habe die FTC im Rahmen der laufenden Untersuchung eine mögliche Beschwerde vorbereitet, die zu einem Gerichtsverfahren oder einer Einigung führen könne. Mehrere Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten seien an der Untersuchung beteiligt gewesen. Die FTC äußerte sich damals nicht zu dem Verfahren.
Amazon nahm zu diesen konkreten Vorwürfen zunächst ebenfalls nicht öffentlich Stellung. Auf Anfrage von Reuters hatte das Unternehmen bereits im Juni nicht unmittelbar auf Fragen zu der möglichen FTC-Klage reagiert. Auch eine öffentlich dokumentierte neue Stellungnahme Amazons zu dem Bericht vom Montag lag zunächst nicht vor. Damit gibt es bislang auch kein veröffentlichtes Dementi oder eine inhaltliche Erwiderung des Konzerns auf die jetzt berichteten Vorwürfe.
Der Vorgang trifft einen Geschäftsbereich, der für Amazon in den vergangenen Jahren deutlich wichtiger geworden ist. Nach dem jüngsten Quartalsbericht erzielte der Konzern im zweiten Quartal 2026 mit Werbedienstleistungen einen Umsatz von 19,809 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 15,694 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von rund 26 Prozent.
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 beliefen sich Amazons Werbeerlöse auf 37,052 Milliarden Dollar, nach 29,615 Milliarden Dollar im entsprechenden Zeitraum 2025. Amazon zählt dazu unter anderem gesponserte Anzeigen sowie Display- und Videowerbung für Händler, Lieferanten, Verlage und weitere Kunden.
Damit ist Werbung inzwischen ein wichtiger Teil des Konzerns neben dem Onlinehandel, dem Geschäft mit Drittanbietern, Abonnements und der Cloudsparte Amazon Web Services. Amazon selbst bezeichnete Werbung bei Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal als einen erneut stark gewachsenen Geschäftsbereich. Der gesamte Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar.
Ein mögliches neues Verfahren würde zu einer Reihe regulatorischer Auseinandersetzungen in den USA hinzukommen. Die FTC führt bereits ein umfangreiches Wettbewerbsverfahren gegen Amazon wegen des Onlinehandels. Daneben hatte die Behörde den Konzern wegen der Gestaltung seiner Prime-Mitgliedschaft verklagt. Diese Verfahren betreffen andere Sachverhalte als die nun diskutierten Werbepraktiken.
Im Juni 2026 veröffentlichte die FTC außerdem ein separates Verfahren wegen des US-Gesetzes Fair Credit Reporting Act. Amazon erklärte sich dabei zur Zahlung einer Zivilstrafe von 2,25 Millionen Dollar bereit. Hintergrund waren Vorwürfe, der Konzern habe Opfern von Identitätsdiebstahl bestimmte Transaktionsunterlagen nicht ordnungsgemäß zur Verfügung gestellt. Dieses Verfahren steht ebenfalls in keinem direkten Zusammenhang mit dem Werbegeschäft.
Für Anleger bleibt damit zunächst vor allem der weitere behördliche Verlauf relevant. Der Kursrückgang vom Montag zeigt, dass der Bericht vom Markt aufgenommen wurde. Daraus lässt sich jedoch weder der Ausgang eines möglichen Verfahrens noch eine künftige Kursentwicklung ableiten. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Amazon schon seit längerem Gegenstand verschiedener FTC-Verfahren ist. Eine neue Klage wegen des Werbegeschäfts war am Montagabend noch nicht öffentlich dokumentiert.
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