Türkei sucht Ausweg aus der Getreidekrise im Schwarzen Meer

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Symbolbild mit KI erstellt

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Die Türkei drängt Russland und die Ukraine auf neue Vereinbarungen für eine sichere Handelsschifffahrt im Schwarzen Meer. Außenminister Hakan Fidan erklärte Ende August, Ankara habe einen Plan für sichere Getreidetransporte entwickelt und stehe dazu mit beiden Kriegsparteien in Kontakt. Ein neues Getreideabkommen im Schwarzen Meer ist bislang jedoch nicht vereinbart. Im Mittelpunkt der türkischen Überlegungen steht ein Moratorium, das Angriffe auf zivile Schiffe und wichtige Infrastruktur begrenzen könnte. Die Gespräche gewinnen an Bedeutung, weil der Krieg inzwischen erneut erhebliche Folgen für ukrainische und russische Getreideexporte hat.

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Türkei versucht an frühere Vermittlung anzuknüpfen

Ankara knüpft mit seinem Vorstoß an das Schwarzmeer Getreideabkommen von 2022 an. Unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen hatten die Ukraine und Russland damals Vereinbarungen getroffen, die trotz des Krieges kommerzielle Transporte aus den ukrainischen Häfen Odesa, Tschornomorsk und Piwdennyj ermöglichten. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bis zum Ende der Initiative im Juli 2023 rund 32,9 Millionen Tonnen Lebensmittel und Agrarprodukte ausgeführt.

Russland verlängerte seine Beteiligung im Juli 2023 nicht. Moskau begründete dies unter anderem damit, dass Zusagen zur Erleichterung russischer Lebensmittel und Düngemittelexporte aus seiner Sicht nicht ausreichend umgesetzt worden seien. Russische Nahrungsmittel und Düngemittel unterlagen nicht generell westlichen Sanktionen. Moskau verwies allerdings auf Schwierigkeiten etwa bei Zahlungsverkehr, Versicherungen und Logistik.

Fidan hatte bereits Mitte Juli 2026 erklärt, die Türkei spreche mit Russland und der Ukraine über die Sicherheit der Schifffahrt. Sollte ein umfassendes Ende des Krieges nicht erreichbar sein, könnten nach türkischer Vorstellung bestimmte Bereiche von Angriffen ausgenommen werden. Dazu zählte er die Schifffahrt im Schwarzen Meer sowie die Energieinfrastruktur.

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Die Ukraine habe nach Fidans Darstellung grundsätzliches Verständnis für einen solchen Ansatz gezeigt. Eine unabhängig ausgehandelte Vereinbarung lag zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vor.

Russland und Ukraine streiten über Bedingungen

Die Positionen der Kriegsparteien liegen weiterhin auseinander. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte im August, Russland sei aus seiner Sicht nicht bereit, sich auf eine begrenzte Vereinbarung zum Schutz von Getreideschiffen einzulassen.

Russland wiederum erklärte, eine Regelung dürfe sich nicht allein auf die Schifffahrt und Getreideinfrastruktur beziehen. Nach Angaben der russischen Seite müssten auch Angriffe auf russische Energieanlagen berücksichtigt werden. Moskau teilte Mitte August zudem mit, ihm liege zu diesem Zeitpunkt noch kein formal ausgearbeiteter türkischer Vorschlag mit konkreten Bedingungen vor. Eine Rückkehr zum alten Modell der Schwarzmeer Initiative halte die russische Regierung nach eigenen Angaben nicht für sinnvoll.

Damit besteht zwar ein diplomatischer Gesprächskanal, aber noch kein gemeinsames Verhandlungspapier, dem beide Seiten zugestimmt hätten. Unklar blieb zunächst auch, welche Kontrollmechanismen ein neues Abkommen vorsehen könnte und welche Rolle die Vereinten Nationen dabei übernehmen würden.

Handelsschiffe geraten wieder stärker unter Druck

Die Sicherheitslage im Schwarzen und im Asowschen Meer hat sich 2026 deutlich verschärft. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO berichtete im Juli von einer erneuten Serie von Angriffen auf zivile Handelsschiffe in der Region und forderte alle Konfliktparteien auf, die internationale Schifffahrt zu schützen.

Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig Angriffe auf Schiffe, Hafenanlagen und wirtschaftliche Infrastruktur vor. Einzelne Angaben zu militärischen Angriffen und den dabei entstandenen Schäden lassen sich unter Kriegsbedingungen nicht unabhängig überprüfen.

Die Folgen für den Handel sind dagegen zunehmend sichtbar. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden vom 1. bis zum 26. August rund 1,42 Millionen Tonnen Getreide, Ölsaaten und verarbeitete Agrarerzeugnisse exportiert. Die Regierung in Kiew bezifferte dies auf ungefähr ein Drittel des nach ihrer Einschätzung möglichen Volumens. Allein beim Getreide seien rund 822.000 Tonnen ausgeführt worden.

Ein großer Teil der Transporte wurde deshalb auf Bahnstrecken und die ukrainischen Donauhäfen Reni und Ismajil verlagert. Ende August warteten nach Angaben aus der Schifffahrtsbranche rund 80 Schiffe auf die Einfahrt zu ukrainischen Donauhäfen. Der Ausweichweg besitzt jedoch deutlich weniger Kapazität als die großen Schwarzmeerhäfen.

Auch Russland sucht neue Exportwege

Die Probleme betreffen nicht nur ukrainische Lieferungen. Russische Getreideexporteure verlagern nach Berichten aus der Branche einen wachsenden Teil ihrer Transporte in Richtung Ostsee. Hintergrund seien Störungen in Häfen am Schwarzen und Asowschen Meer infolge von Angriffen, die Russland der Ukraine zuschreibt.

Russland gehört ebenso wie die Ukraine zu den bedeutenden Exporteuren von Weizen und anderen Agrarrohstoffen. Werden Lieferungen aus beiden Ländern gleichzeitig erschwert, können andere Anbieter die ausfallenden Mengen kurzfristig nur begrenzt ersetzen.

Die Bedeutung der Schwarzmeerroute liegt vor allem in ihren vergleichsweise niedrigen Transportkosten und der Nähe zu wichtigen Absatzmärkten im Nahen Osten, in Nordafrika und Teilen Asiens. Lieferanten aus Australien, Nord- und Südamerika können zusätzliche Mengen bereitstellen, längere Transportwege können Getreide für Importeure jedoch verteuern.

Getreidepreise reagieren auf die Unsicherheit

Die erneuten Störungen haben sich bereits auf den internationalen Weizenmarkt ausgewirkt. Die maßgeblichen Weizenkontrakte in Chicago legten zwischen Juli und der zweiten Augusthälfte deutlich zu. Händler verwiesen dabei unter anderem auf die Unsicherheit über Lieferungen aus der Schwarzmeerregion.

Besonders relevant ist die Entwicklung für Länder, die große Mengen Weizen importieren und traditionell auf kostengünstige Ware aus Russland und der Ukraine zurückgreifen. Dazu gehören Staaten in Nordafrika, dem Nahen Osten und Asien. Höhere Frachtkosten und der Wechsel zu weiter entfernten Lieferanten können dort zusätzlich auf die Importpreise wirken.

Das frühere Schwarzmeer Abkommen hatte gezeigt, welche Wirkung ein gesicherter Transportkorridor entfalten kann. Nach Angaben der Vereinten Nationen gingen die Lieferungen während der Laufzeit in 45 Staaten. Das Welternährungsprogramm WFP transportierte mehr als 725.000 Tonnen ukrainischen Weizen für humanitäre Einsätze unter anderem in Afghanistan, am Horn von Afrika und im Jemen.

Ein türkischer Vermittlungserfolg könnte deshalb über Russland und die Ukraine hinaus Folgen haben. Dafür müssten sich beide Kriegsparteien jedoch nicht nur grundsätzlich auf sichere Schifffahrt verständigen, sondern auch festlegen, welche Schiffe, Hafenanlagen und weiteren Infrastrukturen geschützt wären. Offiziell bestätigt war bis Anfang September lediglich, dass die Türkei mit beiden Seiten darüber spricht. Eine unterschriftsreife Vereinbarung gab es nicht.

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