Shein verliert beim Börsendebüt in Hongkong deutlich an Wert

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Modehändler Shein ist am Dienstag an die Börse in Hongkong gegangen. Nach jahrelangen Anläufen in mehreren Finanzzentren begann damit erstmals der reguläre Handel mit Aktien des international tätigen Onlinehändlers. Das Börsendebüt von Shein in Hongkong verlief allerdings schwach. Die Aktie eröffnete zunächst zum Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar und rutschte anschließend deutlich ab. Im frühen Handel wurden zeitweise Kurse um 43,80 Hongkong-Dollar erreicht, knapp zehn Prozent unter dem Ausgabepreis.

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Damit fiel der erste Handelstag schwächer aus, als es die bloße Nachfrage während der Aktienplatzierung zunächst vermuten lassen könnte. Nach Unternehmensangaben war der für Privatanleger in Hongkong vorgesehene Teil des Angebots 5,63 Mal gezeichnet worden. Beim internationalen Angebot lag die Nachfrage beim 2,59-Fachen der angebotenen Aktien.

Shein nimmt rund 13,6 Milliarden Hongkong-Dollar ein

Shein setzte den endgültigen Ausgabepreis auf 48,56 Hongkong-Dollar je Aktie fest. Zuvor war eine Preisspanne zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar genannt worden. Angeboten wurden rund 280 Millionen Aktien der Klasse B. Das Emissionsvolumen lag damit brutto bei rund 13,60 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet etwa 1,74 Milliarden US-Dollar.

Aus dem Ausgabepreis ergab sich zum Zeitpunkt der Platzierung eine Unternehmensbewertung von rund 26,5 Milliarden US-Dollar. Diese Größenordnung liegt erheblich unter früheren Bewertungen auf dem privaten Kapitalmarkt. Im Jahr 2022 war Shein zeitweise mit annähernd 100 Milliarden US-Dollar bewertet worden.

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Der Abstand verdeutlicht, wie stark sich die Rahmenbedingungen für den Konzern verändert haben. Die niedrigere Bewertung ist allerdings nicht mit einem tatsächlich realisierten Verlust von Unternehmenswert gleichzusetzen. Die früheren Werte beruhten auf privaten Finanzierungsrunden und waren deshalb nicht unmittelbar mit einer Bewertung durch den laufenden Börsenhandel vergleichbar.

Aktie fällt nach Eröffnung zum Ausgabepreis

Nach Angaben des öffentlich rechtlichen Senders RTHK sank die Aktie im frühen Handel bis auf etwa 43,80 Hongkong-Dollar. Andere Kursberichte zeigten wenig später Werte zwischen rund 44 und 45 Hongkong-Dollar. Ein Kurs von 44,76 Hongkong-Dollar wurde gegen 10.21 Uhr Ortszeit mit 15 Minuten Verzögerung ausgewiesen. Das entsprach einem Minus von rund 7,8 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.

Die Angaben beziehen sich auf den laufenden Handel am Vormittag des 1. September 2026 in Hongkong und sind deshalb nicht mit einem Schlusskurs des ersten Handelstages gleichzusetzen.

Geschäftsmodell setzt auf kurze Produktionszyklen

Shein wurde in China gegründet und hat seinen Unternehmenssitz inzwischen in Singapur. Das Unternehmen verkauft Mode und andere Konsumgüter über Apps und Internetseiten in zahlreichen Ländern. Nach den Angaben für den Börsengang erreichte der Konzern 2025 rund 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Märkten.

Ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist die schnelle Reaktion auf die Nachfrage. Shein lässt neue Kleidungsmodelle zunächst in vergleichsweise kleinen Mengen herstellen und kann erfolgreiche Produkte anschließend kurzfristig nachbestellen. Daten aus Bestellungen und dem Nutzungsverhalten auf den digitalen Plattformen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das Sortiment ist entsprechend groß. Ende März 2026 umfasste das Modeangebot nach Angaben aus den Unterlagen zum Börsengang mehr als zwei Millionen Modelle. In den drei Monaten bis Ende März konnten Kunden im Durchschnitt rund 4.700 neue Kleidungsmodelle pro Tag entdecken.

Neben dem Verkauf eigener Produkte baut Shein einen Marktplatz aus, über den auch andere Händler und Marken ihre Waren anbieten können. Zudem umfasst das Sortiment inzwischen unter anderem Schuhe, Kosmetik, Accessoires sowie Produkte für Haushalt und Lifestyle.

Wachstum verlangsamt sich

Das hohe Wachstum früherer Jahre hat sich zuletzt abgeschwächt. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden Umsätze von rund 41,85 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, nach rund 38,75 Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor. Der Nettogewinn lag 2025 bei rund 2,06 Milliarden US-Dollar.

Im ersten Quartal 2026 schrieb das Unternehmen dagegen einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte der Gewinn noch bei 395 Millionen US-Dollar gelegen. Die Entwicklung wurde unter anderem durch veränderte Zollbedingungen und eine bilanzielle Belastung im Zusammenhang mit wandelbaren Vorzugsaktien beeinflusst.

Gerade die Zollregeln treffen einen wichtigen Bestandteil des bisherigen Modells. Shein verschickt einen erheblichen Teil seiner Waren direkt über Grenzen hinweg an Kunden. In den USA wurde die zollfreie Behandlung von Waren mit geringem Wert inzwischen weitgehend beendet. Die US-Zollbehörde CBP bestätigt, dass die sogenannte De-minimis-Befreiung für niedrigwertige Einfuhren seit August 2025 grundsätzlich nicht mehr zur Verfügung steht.

EU untersucht Shein nach dem Digital Services Act

Neben veränderten Zollregeln gehören regulatorische Verfahren zu den wesentlichen Risiken für das Unternehmen. Die Europäische Kommission leitete am 17. Februar 2026 ein formelles Verfahren gegen Shein nach dem Digital Services Act ein.

Die Kommission untersucht unter anderem, ob das Unternehmen ausreichend gegen das Angebot illegaler Produkte auf seiner Plattform vorgeht. Außerdem prüft sie mögliche Risiken durch Gestaltungselemente, die Nutzer zu einer intensiveren Nutzung bewegen könnten, sowie die Transparenz der Empfehlungssysteme. Mit der Einleitung des Verfahrens ist noch keine abschließende Feststellung eines Rechtsverstoßes verbunden.

Shein erklärte im Zusammenhang mit regulatorischen Untersuchungen, mit den zuständigen Behörden zu kooperieren. Damit bleibt die Regulierung der internationalen Plattform neben Zöllen, Logistikkosten und dem Wettbewerb mit Unternehmen wie Temu, AliExpress, H&M und Inditex ein wichtiger Faktor für die weitere Geschäftsentwicklung.

Auch die Börsengeschichte selbst spiegelt diese Schwierigkeiten wider. Vor Hongkong hatte Shein Börsengänge in den USA und Großbritannien verfolgt. Die Vorhaben kamen nach intensiver regulatorischer und politischer Prüfung nicht zustande. Mit der Notierung in Hongkong verfügt das Unternehmen nun erstmals über einen öffentlich gehandelten Aktienkurs. Der erste Börsenvormittag zeigte dabei, dass die Bewertung von rund 26,5 Milliarden US-Dollar vom Markt nicht ohne Abschlag übernommen wurde.

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