
US-Präsident Donald Trump hat eine weitere Runde von Vereinbarungen mit Pharmaunternehmen zur Senkung der Medikamentenpreise in den USA angekündigt. Das Weiße Haus nannte am Montag neun Hersteller, deren Arzneimittel für das staatliche Medicaid-Programm künftig stärker an niedrigeren Preisen in anderen Industrieländern ausgerichtet werden sollen. Wie groß die Rabatte im Einzelnen ausfallen, blieb jedoch offen. Bei einem der genannten Unternehmen ist zudem noch kein endgültiger Abschluss bestätigt.
Nach Angaben des Weißen Hauses gehören Alcon, Astellas Pharma, BeOne Medicines, BridgeBio Pharma, CSL, Kyowa Kirin, Sun Pharmaceutical, Teva Pharmaceutical Industries und UCB zur neuen Gruppe. Mit ihnen steige die Zahl der Hersteller, für die Vereinbarungen nach dem sogenannten Most-Favored-Nation-Prinzip gelten sollen, nach Regierungsangaben auf 26. Diese Unternehmen stünden laut Weißem Haus für 89 Prozent des Marktes mit patentgeschützten Markenmedikamenten. Eine unabhängige Überprüfung dieser Marktangabe lag zunächst nicht vor.
Bei der Zahl der abgeschlossenen Vereinbarungen gibt es eine wichtige Einschränkung. Das Weiße Haus führte Teva als eines der neun Unternehmen mit einem neuen Abkommen auf. Der israelische Pharmakonzern erklärte am selben Tag jedoch, weiterhin mit der US-Regierung über eine Vereinbarung zu verhandeln.
Teva teilte mit, beide Seiten hätten sich auf die Absicht verständigt, niedrigere Preise für ausgewählte Medikamente von Medicaid-Patienten zu erreichen. Ein endgültiger Vertrag sei aber noch Gegenstand laufender Gespräche. Welche Arzneimittel einbezogen würden und welche Preisnachlässe gelten könnten, wurde nicht veröffentlicht.
Mehrere andere Hersteller bestätigten dagegen Vereinbarungen. Astellas erklärte, die Preise seiner Medikamente im Medicaid-System senken und die Preise künftiger Arzneimittel stärker an anderen entwickelten Staaten ausrichten zu wollen. Weitere Vertragsbedingungen würden nicht veröffentlicht.
UCB bestätigte ebenfalls ein Abkommen mit der US-Regierung, bezeichnete die konkreten Bedingungen jedoch als vertraulich. BridgeBio erklärte, sein derzeit vermarktetes Medikament Attruby in das vorgesehene Medicaid-Modell einzubeziehen. Attruby wird zur Behandlung einer Form der Transthyretin-Amyloidose mit Beteiligung des Herzens eingesetzt. Auch BeOne Medicines bestätigte eine freiwillige Vereinbarung zur Verbesserung des Zugangs zu Krebsmedikamenten.
Die neuen Vereinbarungen unterscheiden sich damit von manchen früheren Ankündigungen, bei denen konkrete Preisnachlässe oder Patientenpreise genannt wurden. Für die am 31. August vorgestellte Gruppe veröffentlichte das Weiße Haus keine Tabelle mit bisherigen und künftig geltenden Preisen.
Die Regierung erklärte lediglich, betroffen seien unter anderem Medikamente gegen Hämophilie, Parkinson, Makuladegeneration, Glaukom, Lebererkrankungen, Hautkrankheiten und verschiedene Krebsarten. Wie viele Präparate tatsächlich erfasst sind und wie hoch die Rabatte jeweils ausfallen, war zunächst nicht öffentlich nachvollziehbar.
Damit lässt sich auch noch nicht berechnen, wie stark die neuen Vereinbarungen die Medikamentenpreise in den USA tatsächlich verändern werden. Das Weiße Haus erklärte, die gesamte Most-Favored-Nation-Strategie könne nach einer Schätzung des wirtschaftspolitischen Beratergremiums des Präsidenten innerhalb von zehn Jahren Einsparungen von rund 600 Milliarden Dollar erzeugen. Diese Summe ist eine Prognose der Regierung und kein bereits realisierter Spareffekt.
In einer früheren Berechnung hatte die Regierung für niedrigere Preise bereits verfügbarer Medikamente im Medicaid-System mögliche Einsparungen für Bund und Bundesstaaten von 64,3 Milliarden Dollar über zehn Jahre angesetzt. Auch dabei handelt es sich um eine Modellrechnung.
Ein zentraler Baustein ist das von den Centers for Medicare & Medicaid Services entwickelte GENEROUS-Modell. Dabei sollen Hersteller den teilnehmenden Bundesstaaten zusätzliche Rabatte gewähren. Der effektive Nettopreis bestimmter Medikamente soll dadurch an Preise in ausgewählten anderen Ländern herangeführt werden.
Das Modell funktioniert nicht wie eine unmittelbare Senkung des Verkaufspreises an der Apothekentheke. Hersteller und die Bundesbehörde CMS vereinbaren Bedingungen für Medikamente und deren Erstattung. Interessierte Bundesstaaten können anschließend teilnehmen und zusätzliche Rabattvereinbarungen mit den Herstellern abschließen. Die Hersteller zahlen die vereinbarten Nachlässe über ergänzende Medicaid-Rabatte.
Die Teilnahme der Bundesstaaten ist freiwillig. CMS hatte die Frist für Anträge der Bundesstaaten zuletzt bis zum 10. September 2026 verlängert. Deshalb bedeutet die Ankündigung des Präsidenten nicht, dass sämtliche neuen Konditionen bereits am Tag der Bekanntgabe landesweit für Patienten gelten.
Für Medicaid-Versicherte könnte die Regelung dennoch Auswirkungen auf den Zugang zu bestimmten Arzneimitteln haben. CMS verbindet die Preisvereinbarungen mit einheitlicheren Vorgaben zur Kostenübernahme. Der direkte finanzielle Vorteil an der Apothekenkasse dürfte für viele Medicaid-Patienten allerdings begrenzt sein, weil ihre Eigenbeteiligungen für verschreibungspflichtige Medikamente bereits heute meist niedrig sind. Ein erheblicher Teil möglicher Einsparungen würde stattdessen bei den Medicaid-Programmen der Bundesstaaten und beim Bund entstehen.
Von den neuen Vereinbarungen zu unterscheiden sind bereits laufende Maßnahmen der Regierung. Seit Juli können bestimmte berechtigte Medicare-Versicherte im Rahmen eines zeitlich begrenzten Programms ausgewählte GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion für 50 Dollar pro Monat erhalten. Dieses Programm geht auf frühere Vereinbarungen und Entscheidungen zurück und ist nicht das Ergebnis der jetzt angekündigten Verträge mit den neun Unternehmen.
Daneben betreibt die Regierung die Plattform TrumpRx, über die bestimmte Arzneimittel zu niedrigeren Barpreisen angeboten oder entsprechende Angebote vermittelt werden. Für die nun bekanntgegebenen kleineren und mittelgroßen Hersteller war zunächst nicht bestätigt, ob und welche ihrer Medikamente zusätzlich über TrumpRx angeboten werden sollen.
Die Verbraucherschutzorganisation Public Citizen äußerte sich skeptisch zu der bisherigen Preisstrategie der Regierung. Die Organisation erklärte, die neuen Vereinbarungen seien eine Ablenkung davon, dass das ursprüngliche Ziel niedrigerer US-Preise auf dem Niveau anderer wohlhabender Staaten bislang nicht umfassend erreicht worden sei.
Public Citizen argumentierte zudem, Medicaid erhalte bereits aufgrund bestehender gesetzlicher Regeln erhebliche Herstellerrabatte. Deshalb könnten zusätzliche Preiszugeständnisse zwar die öffentlichen Haushalte entlasten, müssten aber nicht im gleichen Umfang die Ausgaben einzelner Patienten reduzieren.
Die Organisation hatte bereits vor der jüngsten Ankündigung erklärt, ein großer Teil der von der Regierung beanspruchten allgemeinen Preisrückgänge lasse sich nicht eindeutig auf die Most-Favored-Nation-Vereinbarungen zurückführen. Auch unabhängige Fachleute hatten darauf hingewiesen, dass mehrere Faktoren die Entwicklung der von Verbrauchern und Versicherern gezahlten Arzneimittelpreise beeinflussen.
Für Patienten ist deshalb entscheidend, zwischen mehreren Ebenen zu unterscheiden. Einige ältere Programme haben bereits konkrete Eigenbeteiligungen oder Direktpreise verändert. Die am 31. August angekündigten neuen Abkommen zielen dagegen zunächst vor allem auf die Nettokosten von Medicaid und auf Preise künftiger Medikamente. Welchen zusätzlichen finanziellen Effekt diese Vereinbarungen tatsächlich erzeugen, hängt von den endgültigen Vertragsbedingungen, der Teilnahme der Bundesstaaten und den einbezogenen Arzneimitteln ab. Zu diesen Punkten lagen zunächst noch keine vollständigen öffentlichen Angaben vor.
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