
Die deutsche Möbelindustrie hat die erhoffte Stabilisierung im ersten Halbjahr 2026 verfehlt. Die Hersteller erzielten von Januar bis Juni einen Umsatz von rund 7,7 Milliarden Euro. Das waren nominal 2,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich blieb die Schwäche auf dem deutschen Markt. Der Inlandsumsatz sank um 4,1 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro, während das Auslandsgeschäft mit etwa 2,7 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres blieb. Damit kommt die Möbelbranche in Deutschland seit mehreren Jahren nicht aus der Flaute.
Die Entwicklung fällt innerhalb der Branche sehr unterschiedlich aus. Küchenmöbel waren im ersten Halbjahr die wichtigste Ausnahme. Ihr Umsatz stieg um rund ein Prozent auf etwa 2,9 Milliarden Euro. Bei Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sowie Möbelteilen ging der Umsatz dagegen um etwa fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück.
Noch schwächer entwickelte sich das Geschäft mit Polstermöbeln. Hier sanken die Erlöse um rund zehn Prozent auf 423 Millionen Euro. Auch die Matratzenhersteller blieben im Minus. Bei Büro- und Ladenmöbeln zeigte sich ebenfalls ein Rückgang.
Die Auftragseingänge bestätigen dieses uneinheitliche Bild. Bei Küchenmöbeln lagen die Bestellungen von Januar bis Juni um 0,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei Polstermöbeln gingen sie dagegen um 10,5 Prozent zurück. Eine breite Erholung ist damit bislang nicht erkennbar.
Die Branche trifft auf ein weiterhin schwieriges Konsumumfeld. Zwar hat sich die Verbraucherstimmung zuletzt etwas verbessert. Der Konsumklimaindikator für September stieg auf minus 26,6 Punkte. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen veränderte sich jedoch kaum und blieb auf niedrigem Niveau. Gerade bei Möbeln wirkt sich eine solche Zurückhaltung besonders aus, weil Küchen, Sofas oder Schlafzimmer zu den größeren und häufig aufschiebbaren Ausgaben privater Haushalte gehören.
Auch der Wohnungsbau liefert bislang nur begrenzte Impulse. Bei den Baugenehmigungen gab es im ersten Halbjahr zwar eine deutliche Verbesserung. Genehmigt wurden 126.300 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden, 15,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg erfolgt allerdings von einem niedrigen Niveau. In den ersten sechs Monaten 2024 waren lediglich 106.700 Wohnungen genehmigt worden, 2025 waren es 109.800. Neue Genehmigungen bedeuten zudem noch keine kurzfristig bezugsfertigen Wohnungen und führen deshalb nicht unmittelbar zu zusätzlicher Möbelnachfrage.
Auch im Möbelhandel ist keine durchgreifende Erholung zu erkennen. Für das gesamte erste Halbjahr lag zunächst keine ebenso eindeutige kumulierte Branchenzahl vor wie für die Industrie. Gesichert ist, dass der Einzelhandel mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen im Juni 2026 sowohl real als auch nominal 0,8 Prozent weniger umsetzte als im Juni des Vorjahres.
Das unterscheidet sich von der Entwicklung des gesamten deutschen Einzelhandels. Dieser erzielte im ersten Halbjahr preisbereinigt 0,7 Prozent und nominal 2,2 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Die Möbelbranche profitiert damit bislang nur eingeschränkt von der insgesamt etwas besseren Handelsentwicklung.
Zusätzlicher Wettbewerbsdruck entsteht durch veränderte Einkaufswege. Der Onlinehandel wächst insgesamt stärker als viele stationäre Bereiche. Bei Möbeln ist das Bild jedoch ebenfalls verhalten. Im zweiten Quartal gingen die Onlineumsätze mit Möbeln, Lampen und Dekoration zurück, während die Kategorie über das gesamte erste Halbjahr nominal nur leicht über dem Vorjahresniveau blieb.
Für die Hersteller bleibt das Ausland ein wichtiger Stabilisator. Der Auslandsumsatz hielt sich im ersten Halbjahr ungefähr auf Vorjahresniveau, während der deutsche Markt deutlich verlor. Die Exportquote stieg auf gut 35 Prozent.
In mehreren europäischen Märkten entwickelten sich die deutschen Möbelexporte besser. Die Ausfuhren nach Frankreich stiegen um 2,6 Prozent, in die Schweiz um 2,1 Prozent und in die Niederlande leicht. Deutlich schwächer war dagegen das Geschäft mit den Vereinigten Staaten. Die deutschen Möbellieferungen in die USA gingen im ersten Halbjahr um fast 15 Prozent zurück. Damit zeigen sich die Folgen eines schwierigeren internationalen Handelsumfelds auch in einer Branche, die einen erheblichen Teil ihrer Produktion im Ausland verkauft.
Die aktuellen Halbjahreszahlen fallen zwar weniger schwach aus als noch ein Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2025 war der Umsatz der Möbelindustrie um 5,1 Prozent gesunken. Von einer Trendwende kann dennoch keine Rede sein. Bereits das Gesamtjahr 2025 hatte der Branche den dritten Umsatzrückgang in Folge gebracht. Die Erlöse lagen damals bei rund 15,8 Milliarden Euro und damit 3,4 Prozent unter dem Vorjahr.
Zu Jahresbeginn war für 2026 noch mit einer Stabilisierung oder sogar einem kleinen Plus gerechnet worden. Nach dem schwachen ersten Halbjahr hat sich die Erwartung eingetrübt. Die aktuelle Branchenprognose geht für das Gesamtjahr von einem Umsatzrückgang von rund drei Prozent aus. Rund 40 Prozent der befragten Hersteller planten zudem im dritten Quartal mit Kurzarbeit.
Damit bleibt der Markt von mehreren Belastungen gleichzeitig geprägt: zurückhaltende Käufer, eine noch immer schwache Baukonjunktur, hohe Kosten und stärkerer internationaler Wettbewerb. Einzelne Bereiche wie Küchenmöbel zeigen, dass Wachstum möglich ist. Für eine Erholung der gesamten Branche reicht das bislang jedoch nicht.
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