
Der Kupferpreis bewegt sich nach seinem jüngsten Allzeithoch weiter auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. An der US-Terminbörse COMEX erreichte der September-Kontrakt am 26. August 2026 im Tagesverlauf einen Rekord von 6,7775 US-Dollar je Pfund. Umgerechnet entspricht dies knapp 14.940 US-Dollar je Tonne. Anschließend gab der Preis wieder nach. Am Mittwoch, 2. September 2026, lag der in New York gehandelte Kupfer-Future gegen 9.30 Uhr deutscher Zeit je nach Laufzeit bei rund 6,55 bis 6,60 US-Dollar je Pfund.
Auch in London blieb Kupfer teuer. Der offizielle LME-Kassapreis lag am Dienstag, 1. September, bei 14.395,50 US-Dollar je Tonne. Der Drei-Monats-Preis lag bei 14.215 US-Dollar. Damit notierte der Londoner Markt zwar nahe seinen historischen Höchstständen, aber unter dem Intraday-Rekord des Drei-Monats-Kontrakts von 14.527,50 US-Dollar je Tonne, der bereits Ende Januar 2026 erreicht worden war. Die unterschiedlichen Rekordmarken erklären sich unter anderem aus verschiedenen Handelsplätzen, Kontraktlaufzeiten und regionalen Marktbedingungen.
Ein wichtiger Faktor hinter dem hohen Kupferpreis ist das begrenzte Wachstum des weltweiten Angebots. Mehrere große Produzenten hatten 2026 mit Produktionsproblemen zu kämpfen. In Chile sank die Förderung zeitweise deutlich. Beim staatlichen Bergbaukonzern Codelco lag die Kupferproduktion im ersten Halbjahr bei 564.000 Tonnen und damit rund elf Prozent unter dem Vorjahreswert. Probleme betrafen unter anderem die Minen El Teniente, Chuquicamata und Ministro Hales.
Auch Ausfälle und Verzögerungen in Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo haben das verfügbare Angebot belastet. Branchenberechnungen zufolge gingen dem Markt allein im ersten Halbjahr mehrere Hunderttausend Tonnen erwarteter Produktion verloren. Gleichzeitig benötigen neue Bergwerke häufig viele Jahre von der Planung bis zur kommerziellen Förderung. Ein kurzfristiger Ausbau des Angebots ist deshalb nur begrenzt möglich.
Hinzu kommt eine ungewöhnliche Verteilung der Lagerbestände. Große Mengen Kupfer wurden in Richtung USA verschoben. Die Bestände an der COMEX stiegen dadurch auf Rekordniveau, während die Versorgung an anderen Handelsplätzen zeitweise knapper wurde. An der London Metal Exchange waren am 1. September 233.500 Tonnen Kupfer registriert. Hohe Lagerbestände in den USA bedeuten deshalb nicht automatisch, dass weltweit gleichermaßen viel Metall verfügbar ist.
Auf der Nachfrageseite gewinnt neben der klassischen Industrie vor allem der Ausbau der Strominfrastruktur an Bedeutung. Kupfer wird für Kabel, Transformatoren, Stromnetze, Elektromotoren und zahlreiche elektronische Komponenten benötigt. Damit profitiert die Nachfrage von Investitionen in erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Netzmodernisierung und der Elektrifizierung von Gebäuden und Industrieanlagen.
Neu hinzu kommt in wachsendem Umfang der Ausbau großer Rechenzentren. Der Boom bei künstlicher Intelligenz erhöht nicht nur den Bedarf an Servern und Halbleitern, sondern auch an leistungsfähigen Stromanschlüssen, Transformatoren, Kühlsystemen und zusätzlicher Netzkapazität. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass die weltweite Stromerzeugung zur Versorgung von Rechenzentren von rund 460 Terawattstunden im Jahr 2024 auf mehr als 1.000 Terawattstunden im Jahr 2030 steigen könnte. Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass der gesamte zusätzliche Bedarf unmittelbar in Kupfernachfrage übersetzt wird. Sie erhöht jedoch den Bedarf an kupferintensiver elektrischer Infrastruktur.
Parallel bleibt die Energiewende ein langfristiger Nachfragetreiber. Die Internationale Energieagentur erwartet im Zuge des Ausbaus von Stromnetzen, erneuerbaren Energien, Elektromobilität und weiteren Technologien einen steigenden Kupferbedarf. Auch die Europäische Union rechnet langfristig mit deutlich höherer Nachfrage. Kupfer ist unter anderem für Stromnetze, erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Verteidigungsanwendungen relevant.
Zusätzliche Dynamik kommt durch die Handelspolitik der USA in den Markt. Washington hat seine Zölle auf zahlreiche Metallprodukte einschließlich bestimmter Kupferwaren 2026 weiter verschärft. Seit April gelten für viele erfasste Kupferprodukte zusätzliche Zollsätze von 50 Prozent, für bestimmte andere Waren 25 Prozent. Die genaue Belastung hängt von der jeweiligen Produktkategorie und Herkunft ab.
Die Zollpolitik hat einen Anreiz geschaffen, Kupfer und Kupferprodukte in die USA zu liefern oder dort einzulagern. Dadurch können sich regionale Preisunterschiede verstärken. Besonders die Erwartung weiterer handelspolitischer Maßnahmen hatte bereits zuvor dazu geführt, dass ungewöhnlich große Kupfermengen in US-Lagerhäuser gelangten. Der Rekordpreis in New York ist deshalb nicht allein Ausdruck einer weltweit identischen physischen Knappheit, sondern auch Folge der besonderen Situation auf dem US-Markt.
Für europäische Unternehmen bedeutet der hohe Kupferpreis zunächst steigende Materialkosten. Besonders betroffen sind Hersteller von Kabeln, Leitungen, elektrischen Komponenten, Transformatoren und anderen Produkten mit hohem Kupferanteil. In der Kabelindustrie werden Veränderungen beim Metallpreis häufig über sogenannte Kupferzuschläge an Kunden weitergereicht. Dadurch können höhere Börsenpreise relativ schnell bei industriellen Abnehmern und Bauprojekten ankommen.
Ein Beispiel für das Preisniveau liefert die deutsche Kabelindustrie. Zum 1. September lag ein von einem Kabelhersteller für seine Kalkulation verwendeter Kupferpreis bei 1.275,35 Euro je 100 Kilogramm. Solche Zuschläge erhöhen nicht zwangsläufig im gleichen Umfang die Gewinnmargen der Produzenten, weil der höhere Rohstoffwert häufig lediglich durch die Lieferkette weitergereicht wird.
Für energieintensive Investitionsprojekte kann dies dennoch spürbare Folgen haben. Stromnetze, Rechenzentren, Industrieanlagen und Ladeinfrastruktur benötigen große Mengen an Leitungen und elektrischen Komponenten. Höhere Kupferkosten erhöhen damit die Investitionssummen. Gleichzeitig wächst der Anreiz, Kupfer stärker zu recyceln oder es dort, wo dies technisch möglich ist, teilweise durch Aluminium zu ersetzen. Automobilhersteller und andere Industriezweige prüfen solche Lösungen bereits.
Der hohe Kupferpreis rückt auch Aurubis stärker in den Fokus. Der Hamburger Konzern ist einer der größten Kupferproduzenten und Metallrecycler Europas. Anders als bei einem reinen Minenbetreiber hängt das Ergebnis allerdings nicht ausschließlich vom Börsenpreis des Kupfers ab. Entscheidend sind unter anderem Verarbeitungslöhne, Recyclingmargen, Preise anderer Metalle, Schwefelsäureerlöse, Energie- und Produktionskosten sowie die Auslastung der Hütten.
Aurubis hatte Anfang August für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 ein operatives Ergebnis vor Steuern von 374 Millionen Euro gemeldet. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag es bei 286 Millionen Euro. Allein im dritten Geschäftsquartal lag das operative Ergebnis vor Steuern bei 149 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben unterstützten unter anderem höhere Metallpreise, steigende Erlöse mit Schwefelsäure sowie das Recyclinggeschäft die Entwicklung. Für das Gesamtjahr erwartete Aurubis zuletzt ein operatives Ergebnis vor Steuern am oberen Ende der Prognosespanne von 425 bis 525 Millionen Euro.
Die Aurubis-Aktie konnte sich der jüngsten Schwäche an den europäischen Aktienmärkten allerdings nicht entziehen. Auf Xetra lag der Kurs am Mittwoch, 2. September 2026, gegen 9.31 Uhr bei 170,20 Euro. Am Vortag hatte der Xetra-Schlusskurs bei 172,30 Euro gelegen. Anfang August hatte die Aktie zeitweise noch Kurse von mehr als 190 Euro erreicht.
Auch andere Kupferwerte reagieren nicht ausschließlich auf den Metallpreis. Aktien großer Minenkonzerne wie Freeport-McMoRan, Southern Copper, BHP oder Antofagasta hatten von der langfristigen Kupferhausse profitiert, zeigten zuletzt jedoch teilweise deutliche Schwankungen. Bei Antofagasta belasteten zusätzlich Produktionsprobleme in Chile und eine gesenkte Förderprognose. Am Dienstag, 1. September, schloss die Aktie in London bei 38,28 Pfund und damit 5,22 Prozent niedriger als am vorherigen Handelstag.
Der Kupferpreis befindet sich damit in einer ungewöhnlichen Konstellation. Langfristige Faktoren wie Elektrifizierung, Stromnetzausbau und zusätzliche Infrastruktur für Rechenzentren treffen auf begrenztes Wachstum bei der Minenförderung. Gleichzeitig sorgen Zölle und regionale Lagerbewegungen für erhebliche Unterschiede zwischen den Handelsplätzen.
Ob Kupfer dauerhaft auf dem gegenwärtigen Rekordniveau bleibt, ist offen. Prognosen von Banken, Rohstoffhäusern und Analysten unterscheiden sich erheblich und hängen unter anderem von der Weltkonjunktur, der chinesischen Nachfrage, neuen Minenprojekten und der weiteren US-Handelspolitik ab. Das Allzeithoch beim Kupferpreis zeigt jedoch, dass der Wettbewerb um einen der wichtigsten Rohstoffe für Stromnetze, Industrie und digitale Infrastruktur deutlich an Bedeutung gewonnen hat.
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