
Die ING will ihr Angebot an Girokonten grundlegend neu strukturieren. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland gibt es dabei eine zentrale Zusage: Auch nach der Umstellung soll ein kostenloses Konto angeboten werden. Konzernchef Steven van Rijswijk bestätigte dies am Mittwoch beim Handelsblatt-Bankengipfel in Frankfurt.
Damit ist eine wichtige Frage zur künftigen Produktstrategie der Direktbank geklärt. Offen sind allerdings noch die konkreten Bedingungen des neuen Angebots. Die ING-Gruppe arbeitet derzeit daran, ihre Girokonten in den verschiedenen Ländern stärker zu vereinheitlichen. Vorgesehen sind jeweils vier unterschiedliche Kontomodelle. In Deutschland soll die neue Struktur nach dem derzeitigen Plan Mitte 2027 eingeführt werden.
ING-Deutschland-Chef Lars Stoy hatte bereits Anfang August erklärt, dass die Gestaltung der künftigen Kontomodelle noch nicht abgeschlossen sei. Der Zeitplan sieht derzeit eine Einführung etwa zur Jahresmitte 2027 vor.
Konzernchef van Rijswijk legte sich nun zumindest in einem Punkt fest: Ein kostenloses ING Girokonto soll auch künftig Bestandteil des deutschen Angebots sein.
Welche Voraussetzungen Kundinnen und Kunden dafür ab 2027 erfüllen müssen, ist bislang nicht bekannt. Ebenso fehlen bisher Angaben dazu, wie sich die vier vorgesehenen Modelle hinsichtlich Karten, Bargeldversorgung, Zusatzleistungen oder weiteren Gebühren voneinander unterscheiden werden.
Die Aussage des Konzernchefs bedeutet daher nicht automatisch, dass die heutigen Bedingungen unverändert weitergelten. Offiziell bestätigt ist bislang lediglich, dass auch in der neuen Struktur eine kostenlose Variante vorgesehen ist.
Aktuell verlangt die ING keine monatliche Kontoführungsgebühr, wenn auf dem Konto innerhalb eines Kalendermonats Gutschriften von insgesamt mindestens 1.000 Euro eingehen. Ebenfalls kostenlos ist die Kontoführung für Kontoinhaber, die jünger als 28 Jahre sind.
Wird keine dieser Voraussetzungen erfüllt, kostet das Girokonto derzeit 4,90 Euro pro Monat. Der Mindestgeldeingang kann sich aus mehreren Zahlungen zusammensetzen. Dazu können etwa Gehalt, Rente, Pension, Kindergeld oder andere Überweisungen gehören.
Nicht berücksichtigt werden unter anderem Überträge zwischen eigenen ING-Konten mit identischen Kontoinhabern, Wertpapierumsätze und Gutschriften aus Rücklastschriften.
Eine Visa-Debitkarte ist im aktuellen Kontomodell enthalten. Eine zusätzliche Girocard kostet 1,49 Euro pro Monat. Mit der Visa-Debitkarte sind Bargeldabhebungen in Deutschland und in Ländern des Euroraums grundsätzlich kostenlos möglich, wenn mindestens 50 Euro abgehoben werden. Gebühren eines fremden Automatenbetreibers können unabhängig davon anfallen.
Das heutige Gebührenmodell ist selbst noch vergleichsweise jung. Ende 2024 hatte die ING den notwendigen monatlichen Geldeingang für die kostenlose Kontoführung von 700 auf 1.000 Euro angehoben. Gleichzeitig verteuerte sich die optionale Girocard von 0,99 auf 1,49 Euro pro Monat.
Die Bank begründete die Änderungen unter anderem mit gestiegenen Kosten und dem Ziel, dass Kundinnen und Kunden das Girokonto stärker als Hauptkonto nutzen.
Damit verfolgt die ING ein Modell, das auch bei anderen Direktbanken verbreitet ist: Die Kontoführung ist kostenlos, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Wer diese nicht erreicht, zahlt einen monatlichen Grundpreis.
Bei der DKB ist das erste Girokonto nach den im September 2026 geltenden Konditionen kostenlos, wenn monatlich mindestens 700 Euro eingehen. Für Kontoinhaber unter 28 Jahren entfällt die Kontoführungsgebühr ebenfalls.
Ohne ausreichenden Geldeingang kostet das Erstkonto 4,50 Euro monatlich. Bei älteren Bestandskonten können abweichende Bedingungen gelten. Der regelmäßige Geldeingang entscheidet bei der DKB zudem über den sogenannten Aktivstatus, der weitere Konditionen beeinflusst.
Auch bei der Comdirect ist ein kostenloses Girokonto an Bedingungen geknüpft. Beim Girokonto Aktiv reicht unter anderem ein monatlicher Geldeingang von mindestens 700 Euro. Alternativ können bestimmte andere Voraussetzungen erfüllt werden, beispielsweise regelmäßige mobile Zahlungen oder eine Wertpapieraktivität. Werden die Bedingungen nicht erfüllt, werden derzeit 4,90 Euro pro Monat berechnet.
Anders sieht die Strategie bei einigen klassischen Filialbanken aus. Die Commerzbank verlangt für ihr digitales GiroKonto derzeit grundsätzlich 4,90 Euro pro Monat. Kostenlos wird es nach den veröffentlichten Konditionen unter anderem bei anrechenbaren Vermögenswerten von mindestens 50.000 Euro bei der Bank.
Das KlassikKonto kostet 9,90 Euro monatlich. Damit setzt die Commerzbank stärker auf feste Kontopreise statt auf einen vergleichsweise niedrigen monatlichen Gehaltseingang als Voraussetzung für Gebührenfreiheit.
Auch bei der Deutschen Bank gehören monatliche Kontoführungsentgelte bei den regulären Erwachsenenkonten zum Geschäftsmodell. Das AktivKonto kostet nach der derzeit veröffentlichten Preisliste 6,90 Euro pro Monat, das umfangreichere BestKonto 13,90 Euro. Das Junge Konto wird unter den dafür geltenden Voraussetzungen kostenlos geführt.
Gleichzeitig gibt es im deutschen Markt weiterhin Anbieter, die zumindest ein Basisprodukt ohne monatlichen Mindestgeldeingang anbieten.
N26 führt sein Standardkonto ohne monatliche Kontoführungsgebühr und ohne vorgeschriebenen Mindestgeldeingang. Zum kostenlosen Basismodell gehört allerdings nur eine virtuelle Mastercard. Für eine physische Karte können zusätzliche Kosten anfallen, außerdem ist die Zahl kostenloser Bargeldabhebungen begrenzt.
Auch die C24 Bank bewirbt ihr Smartkonto derzeit als bedingungslos kostenloses Girokonto. Damit bleibt der Wettbewerb um gebührenfreie Kontomodelle bestehen, obwohl zahlreiche etablierte Banken ihre kostenlosen Angebote in den vergangenen Jahren eingeschränkt oder an Voraussetzungen gekoppelt haben.
Die Entscheidung der ING ist wegen ihrer Größe auf dem deutschen Bankenmarkt besonders relevant. Die ING Deutschland gibt die Zahl ihrer Kundinnen und Kunden mit mehr als zehn Millionen an und bezeichnet sich als drittgrößte Bank in Deutschland. Ende 2025 zählte sie 2,9 Millionen sogenannte Mobile Primary Customers. Dabei handelt es sich um Kunden, die das Girokonto intensiv nutzen, mindestens ein weiteres Produkt besitzen und regelmäßig über die App auf ihre Bank zugreifen.
Das Girokonto ist deshalb nicht nur ein einzelnes Produkt, sondern ein wichtiger Zugang zu weiteren Angeboten wie Tagesgeld, Wertpapierdepot, Krediten oder Baufinanzierungen.
Mit den vier künftig geplanten Modellen kann die ING ihre Leistungen stärker nach Nutzergruppen und Leistungsumfang staffeln. Wie groß die Unterschiede zwischen einem kostenlosen Einstiegsmodell und kostenpflichtigen Varianten ausfallen werden, ist bislang allerdings offen.
Für bestehende Kunden ändert sich durch die Ankündigung zunächst nichts. Die aktuell veröffentlichten Konditionen gelten weiter. Erst mit der Vorstellung der neuen Kontomodelle wird sich zeigen, welche Voraussetzungen ab 2027 tatsächlich für das kostenlose Angebot gelten und welche Leistungen darin enthalten sein werden.
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