
Immer weniger Jugendliche in Deutschland greifen zu Alkohol. Auch unter jungen Erwachsenen geht zumindest der aktuelle und regelmäßige Konsum langfristig zurück. Das zeigen neue Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, das am Donnerstag seine Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Thema Alkohol veröffentlicht hat. Gleichzeitig verschiebt sich der Einstieg: Junge Menschen trinken ihr erstes Glas Alkohol heute im Durchschnitt etwa ein Jahr später als noch vor zwei Jahrzehnten.
Für die repräsentative Untersuchung wurden zwischen dem 22. April und dem 3. Juli 2025 insgesamt 7.001 Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren telefonisch befragt. Die Erhebung gehört zu einer langfristigen Studienreihe, mit der der Substanzkonsum junger Menschen in Deutschland seit 1973 untersucht wird.
Besonders deutlich ist der langfristige Wandel bei den 12- bis 17-Jährigen. Im Jahr 2025 hatten 58,9 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken. Im Jahr 2001 lag dieser Anteil noch bei 87,0 Prozent. Bei den männlichen Jugendlichen fiel der Wert von 88,3 Prozent im Jahr 2001 auf 60,7 Prozent im Jahr 2025, bei den weiblichen Jugendlichen von 85,5 auf 57,0 Prozent.
Noch deutlicher wird die Veränderung beim aktuellen Konsum. Im Jahr 2004 hatten 58,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen innerhalb der vorherigen 30 Tage Alkohol getrunken. 2025 lag dieser Anteil nur noch bei 32,9 Prozent. Allerdings weist die Studie darauf hin, dass sich dieser Rückgang seit etwa 2016 nicht mehr in gleichem Tempo fortgesetzt hat.
Bei den 18- bis 25-Jährigen zeigt sich ein etwas anderes Bild. Fast alle jungen Erwachsenen haben zumindest irgendwann Alkohol probiert. Die Lebenszeitprävalenz lag 2025 bei 94,0 Prozent und hat sich seit Beginn des Jahrhunderts nur wenig verändert. Deutlich gesunken ist dagegen der Konsum innerhalb der vergangenen 30 Tage. Dieser Anteil ging von 84,4 Prozent im Jahr 2004 auf 69,3 Prozent im Jahr 2025 zurück.
Auch beim regelmäßigen Trinken setzt sich der langfristige Rückgang fort. Als regelmäßigen Konsum erfasst das Bundesinstitut den Konsum von Alkohol mindestens einmal pro Woche innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
Bei den Jugendlichen lag dieser Anteil 2025 nur noch bei 6,8 Prozent. Unter den jungen Erwachsenen waren es 25,0 Prozent. Nach Angaben des Instituts markieren beide Werte einen historischen Tiefststand innerhalb der jeweiligen Zeitreihe.
Zwischen den Geschlechtern bestehen allerdings weiterhin Unterschiede. Unter den 12- bis 17-Jährigen lag der Anteil des wöchentlichen Konsums bei den Jungen bei 9,2 Prozent und bei den Mädchen bei 4,1 Prozent. Unter den 18- bis 25-Jährigen zeigten sich ebenfalls deutliche Unterschiede beim Alkoholkonsum.
Parallel zum sinkenden Konsum hat sich auch das Alter beim ersten Alkoholkonsum verschoben. Unter den 12- bis 25-Jährigen, die überhaupt schon Alkohol getrunken hatten, lag das Durchschnittsalter beim ersten Konsum im Jahr 2025 bei 15,1 Jahren. Im Jahr 2004 waren es noch 14,1 Jahre.
Bei männlichen Befragten lag das Durchschnittsalter 2025 bei 15,0 Jahren, bei weiblichen bei 15,2 Jahren. Der Wert hat sich zuletzt allerdings nicht weiter erhöht: Bereits in der Erhebung von 2023 lag das Durchschnittsalter insgesamt bei 15,1 Jahren.
Auch der erste Alkoholrausch findet im Durchschnitt später statt als früher. Unter den Befragten mit entsprechender Erfahrung lag das Durchschnittsalter 2025 bei 16,2 Jahren. Im Jahr 2004 waren es 15,5 Jahre. Die Daten zeigen damit einen langfristigen späteren Einstieg, aber keine weitere Verschiebung zwischen 2023 und 2025.
Der allgemein sinkende Alkoholkonsum bedeutet allerdings nicht, dass riskantere Konsummuster im gleichen Umfang verschwinden. Beim Rauschtrinken zeigen die Daten ein deutlich gemischteres Bild.
2025 hatten 14,7 Prozent der Jugendlichen innerhalb der vergangenen 30 Tage mindestens einmal größere Mengen Alkohol bei einer Gelegenheit getrunken. Bei männlichen Jugendlichen lag der Wert bei 14,8 Prozent, bei weiblichen ebenfalls nahezu gleichauf bei 14,7 Prozent. Nach Einschätzung des Bundesinstituts bewegte sich das Rauschtrinken bei Jugendlichen damit weiterhin ungefähr auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
Unter den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil bei 36,3 Prozent. Besonders hoch war er mit 45,8 Prozent bei jungen Männern. Bei jungen Frauen lag er bei 26,1 Prozent. In dieser Gruppe stellte das Institut zwischen 2023 und 2025 einen statistisch signifikanten Rückgang fest.
Langfristig fällt die Veränderung beim Rauschtrinken damit schwächer aus als beim regelmäßigen Konsum. Das Bundesinstitut hält fest, dass sich bei Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren kein klarer rückläufiger Trend feststellen ließ. Bei den jungen Erwachsenen veränderte sich die Verbreitung seit 2014 ebenfalls vergleichsweise wenig.
Die Entwicklung in Deutschland steht nicht isoliert. Auch europäische Vergleichsstudien zeigen, dass Jugendliche heute insgesamt seltener Alkohol trinken als frühere Generationen.
Die Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen, kurz ESPAD, erfasste 2024 mehr als 113.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren in 37 europäischen Ländern. In den 32 Ländern mit langfristig vergleichbaren Daten sank der Anteil der Jugendlichen, die schon einmal Alkohol getrunken hatten, von 88 Prozent im Jahr 1995 auf 74 Prozent im Jahr 2024.
Der Anteil mit Alkoholkonsum innerhalb der vergangenen 30 Tage ging im gleichen Zeitraum von 55 auf 43 Prozent zurück. Auch episodisch starkes Trinken wurde seltener. Der entsprechende Anteil sank nach den ESPAD-Daten von 36 Prozent im Jahr 1995 auf 30 Prozent im Jahr 2024. Dennoch bleibt Alkohol europaweit die mit Abstand verbreitetste psychoaktive Substanz unter Jugendlichen.
Auch die internationale HBSC-Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt, dass Alkoholkonsum im Jugendalter weiterhin häufig vorkommt. In der Erhebungsrunde 2021/2022 hatten über alle untersuchten Länder und Regionen hinweg 57 Prozent der 15-Jährigen bereits Alkohol probiert, 37 Prozent hatten innerhalb der vorherigen 30 Tage Alkohol konsumiert.
Die neuen deutschen Daten zeichnen damit ein zweigeteiltes Bild. Der Alkoholkonsum Jugendlicher ist langfristig deutlich zurückgegangen, regelmäßiges Trinken erreicht niedrige Werte und das Durchschnittsalter beim Einstieg liegt höher als vor 20 Jahren. Bei jungen Erwachsenen geht zumindest der aktuelle und wöchentliche Konsum ebenfalls zurück.
Beim Rauschtrinken ist diese Entwicklung jedoch wesentlich schwächer. Besonders unter Jugendlichen und jungen Männern bleibt das Konsummuster vergleichsweise verbreitet. Die neuen Zahlen zeigen deshalb vor allem einen Wandel darin, wie häufig junge Menschen Alkohol trinken. Ein vergleichbar deutlicher Rückgang bei riskanten Trinkgelegenheiten lässt sich nicht in allen Gruppen feststellen.
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