
Samuel Mbangula hat Werder Bremen nach nur einer Saison vorerst wieder verlassen. Der 22 Jahre alte belgische Offensivspieler wechselte kurz vor dem Ende der Sommertransferperiode auf Leihbasis zum FC Bologna. Zwei Tage später äußerte sich Werder-Trainer Daniel Thioune ausführlicher zu den Umständen. Nach seiner Darstellung habe Mbangula selbst eine Veränderung angestrebt, nachdem der junge Spieler in Bremen mit hohen Erwartungen konfrontiert gewesen sei.
Die Aussagen fielen am Donnerstag, 3. September 2026, bei der Pressekonferenz vor Werders erstem Bundesliga-Heimspiel der neuen Saison gegen RB Leipzig. Der Verein stellte die Pressekonferenz anschließend auch über seine eigenen Kanäle zur Verfügung.
Bild griff Thiounes Aussagen am Donnerstagnachmittag um 17.12 Uhr auf und stellte dabei den Druck durch die rund zehn Millionen Euro hohe frühere Ablösesumme in den Mittelpunkt. Die Formulierung, Mbangula sei vor diesem Druck „geflüchtet“, stammt dabei aus der Überschrift und Einordnung des Mediums. Thioune selbst formulierte deutlich zurückhaltender.
Thioune erklärte nach Darstellung von Bild, Mbangula habe für sich entschieden, möglicherweise eine Veränderung zu benötigen, um nicht permanent unter besonderer Beobachtung und einer hohen Erwartungshaltung zu stehen. Wörtlich sagte der Werder-Trainer über den Spieler unter anderem, dieser habe eine Veränderung gesucht, um „nicht ständig unter diesem Brennglas zu sein“.
Damit beschrieb Thioune ausdrücklich seine Sicht auf die Entscheidung des Spielers. Ob Mbangula seine Beweggründe selbst genauso formulieren würde, ist damit nicht belegt. Eine öffentliche Stellungnahme des Belgiers zu dieser konkreten Darstellung lag zunächst nicht vor.
Schon wenige Tage zuvor hatte Thioune öffentlich über seinen Umgang mit Mbangula gesprochen. Nach dem Pokalspiel gegen Lüneburg hatte er erklärt, mit dem Offensivspieler über dessen Leistung gesprochen und deutlich gemacht zu haben, dass dieser für weitere Einsatzminuten mehr zeigen müsse. Zugleich betonte Thioune damals, die Kritik richte sich an die sportliche Leistung und nicht gegen die Person. Nach Darstellung des Trainers sei Mbangula mit diesem Gespräch gut umgegangen.
Die spätere Interpretation, Kritik des Trainers habe unmittelbar den Wechselwunsch ausgelöst, ist damit nicht unabhängig belegt. Thiounes aktuelle Aussage beschreibt vielmehr eine aus seiner Sicht bestehende Belastung durch die Erwartungen an den Spieler.
Der Samuel Mbangula Wechsel zu Bologna ist dagegen offiziell bestätigt. Werder Bremen teilte am 1. September mit, dass der Belgier mit sofortiger Wirkung auf Leihbasis zum italienischen Erstligisten FC Bologna wechselt. Bestandteil der Vereinbarung ist eine Kaufoption. Peter Niemeyer, Leiter Profifußball bei Werder, bezeichnete den Wechsel als eine Lösung, die sich kurzfristig ergeben habe und aktuell für alle Beteiligten passe.
Auch Bologna bestätigte den Transfer. Nach Angaben des italienischen Klubs läuft die Leihe bis zum 30. Juni 2027. Anschließend kann Bologna Mbangula aufgrund der vereinbarten Option dauerhaft verpflichten.
Die finanziellen Details wurden von den Vereinen nicht vollständig veröffentlicht. Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz bestätigte allerdings, dass Werder eine Leihgebühr erhält. Zur Höhe äußerte sich der Klub nicht. Medienberichten zufolge soll Bologna rund zwei Millionen Euro für die einjährige Leihe zahlen. Die Kaufoption wird mit etwa 12,5 Millionen Euro angegeben. Offiziell bestätigt sind diese beiden konkreten Summen nicht.
Damit besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, dass Mbangula im Sommer 2027 nach Bremen zurückkehrt. Fritz stellte ausdrücklich beide Szenarien heraus: Bologna könne die Kaufoption nutzen oder der Spieler komme nach Ablauf der Leihe zurück.
Mbangula war erst im Juli 2025 von Juventus Turin nach Bremen gewechselt. Juventus veröffentlichte damals selbst die finanziellen Bedingungen des Transfers. Demnach betrug die feste Ablöse zehn Millionen Euro, zahlbar über vier Geschäftsjahre. Zusätzlich wurden erfolgsabhängige Bonuszahlungen von maximal zwei Millionen Euro vereinbart.
Damit gehörte Mbangula zu den teuersten Verpflichtungen der Bremer Vereinsgeschichte und war von Beginn an mit entsprechend hohen sportlichen Erwartungen verbunden.
Der am 16. Januar 2004 in Brüssel geborene Belgier ist inzwischen 22 Jahre alt. Bologna bezeichnet ihn als offensiven Flügelspieler, der vor allem über die linke Seite eingesetzt werden kann. Seine Ausbildung führte ihn über Club Brügge und den RSC Anderlecht im Jahr 2020 in die Nachwuchsabteilung von Juventus Turin. Später spielte er für Juventus Next Gen und anschließend für die Profimannschaft des italienischen Rekordmeisters.
In seiner ersten und bislang einzigen vollständigen Saison bei Werder kam Mbangula auf 26 Bundesliga-Einsätze. Dabei erzielte er drei Tore und bereitete zwei weitere Treffer vor. Diese Zahlen werden sowohl von der Bundesliga als auch vom FC Bologna angegeben.
Werder nennt für die gesamte Saison 2025/26 27 Pflichtspiele, drei Tore und vier Vorlagen. Die unterschiedliche Zahl bei den Vorlagen erklärt sich damit, dass die Bundesliga-Statistik ausschließlich die 26 Ligapartien umfasst, während Werder alle Pflichtspielwettbewerbe berücksichtigt.
Zu Beginn seiner Bremer Zeit hatte Mbangula durchaus auffällige Auftritte. Beim 4:0 in Mönchengladbach im September 2025 erzielte er einen Treffer und bereitete ein weiteres Tor vor. Im weiteren Saisonverlauf konnte er sich jedoch nicht dauerhaft als Stammspieler etablieren.
Sportgeschäftsführer Clemens Fritz stellte den Wechsel nach Bologna ausdrücklich nicht als endgültige Trennung dar. In der Medienrunde nach dem Deadline Day erklärte er, Werder habe gemeinsam mit Mbangula und dessen Agentur nach einer Lösung gesucht.
Fritz sagte über die sportliche Bewertung des Spielers: „Wir glauben an Sam und sehen sein Potential.“ Zugleich verwies er darauf, dass Mbangulas erstes Jahr in Bremen nach seiner Einschätzung schwierig gewesen sei und nun regelmäßige Einsatzzeit sowie ein verändertes Umfeld helfen sollten.
Gegenüber der dpa führte Fritz diese Einschätzung weiter aus. Er verwies darauf, dass junge Spieler nach einem Wechsel ins Ausland Zeit benötigen könnten, um sich an Sprache, Kultur, Geschwindigkeit und Intensität einer neuen Liga anzupassen. Nach seiner Darstellung sei zusätzlich erschwerend gewesen, dass Mbangulas Familie im vergangenen Jahr nicht bei ihm in Bremen gelebt habe. Diese Aussagen geben die Bewertung von Fritz zur damaligen Situation wieder. Eine öffentliche Stellungnahme Mbangulas zu diesen konkreten Punkten lag zunächst nicht vor.
Mbangulas Abgang war Teil eines umfangreichen Umbaus zum Ende der Transferperiode. Werder verpflichtete in den letzten Tagen unter anderem Youri Regeer, Moussa Ndiaye und Arthur. Regeer kam für das Mittelfeld, Ndiaye und Arthur erweitern die Möglichkeiten in der Defensive. Patrice Čović wurde gleichzeitig an Dynamo Dresden verliehen.
Fritz bezifferte die Zahl der Bremer Transfers im Sommer auf insgesamt 14. Darunter seien fünf Leihgeschäfte. Nach seiner Darstellung ist der Kader auf allen Positionen mindestens doppelt besetzt, wobei mehrere Spieler flexibel eingesetzt werden können. Der Sportgeschäftsführer bezeichnete das Aufgebot nach Abschluss der Transferperiode als konkurrenzfähig.
Trainer Thioune äußerte sich am Donnerstag ähnlich. Der Kader sei aus seiner Sicht ausgewogen zusammengestellt und solle Werder in die Lage versetzen, das zunächst ausgegebene Ziel von 40 Punkten möglichst schnell zu erreichen. Gleichzeitig schränkte er ein, dass die personelle Situation wegen mehrerer Verletzungen nicht optimal sei.
Besonders schwer wiegen die Ausfälle von Jens Stage und Justin Njinmah. Njinmah fällt nach einer Muskelverletzung im Oberschenkel mehrere Monate aus. Stage steht Werder ebenfalls längerfristig nicht zur Verfügung. Die späten Transfers erhielten damit zusätzliche Bedeutung für die Kaderbreite.
Für Mbangula beginnt unterdessen eine neue Phase in einer Liga, die er bereits aus seiner Zeit bei Juventus kennt. Ob daraus eine dauerhafte Trennung von Werder Bremen wird, entscheidet sich spätestens im kommenden Sommer. Bologna besitzt die Kaufoption, Werder hält aber weiterhin die Möglichkeit einer Rückkehr offen. Thiounes Darstellung über den Erwartungsdruck beschreibt dabei die Sicht des Trainers auf die Entscheidung. Eine eigene öffentliche Erklärung Mbangulas zu diesen Beweggründen lag zunächst nicht vor.
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