
Münster. Der neue ÖV-Atlas 2026 zeigt deutliche Unterschiede bei der Versorgung mit Bus und Bahn im Münsterland. Besonders schwach schneidet der Kreis Borken ab. Während in Münster mehr als die Hälfte der Bevölkerung an Wohnorten mit guter oder sehr guter Anbindung lebt, erreichen im Kreis Borken nur knapp sieben Prozent die beiden höchsten Güteklassen. Ein weiterer Teil der Bevölkerung fällt nach der Methodik sogar vollständig aus den Klassen A bis F heraus.
Der Anfang September veröffentlichte Atlas stammt vom Berliner Thinktank Agora Verkehrswende. Untersucht werden Entfernung zur nächsten Haltestelle, Taktung und Verkehrsmittel. Grundlage sind bundesweite Soll-Fahrplandaten sowie Bevölkerungsdaten des Zensus 2022. Die Berechnungen übernahm Plan4Better im Auftrag von Agora Verkehrswende.
Die Bewertung reicht von A für die beste bis F für die schwächste noch nutzbare Anbindung. Wer in angemessener Entfernung nicht einmal ein Linienangebot mit mindestens zweistündigem Takt erreicht, fällt in die zusätzliche Kategorie „keine Güte“.
Im Kreis Borken entfallen 2,77 Prozent auf Klasse A, 4,10 Prozent auf B, 12,23 Prozent auf C, 28,70 Prozent auf D, 21,04 Prozent auf E und 15,63 Prozent auf F. Damit bleiben rechnerisch rund 15,5 Prozent außerhalb der Güteklassen. Das entspricht ungefähr 58.000 Menschen. Der Atlas bewertet allerdings nur das fahrplanmäßige Angebot am Wohnort, nicht Pünktlichkeit, Ausfälle oder konkrete Reisezeiten.
In Münster erreichen 14,86 Prozent der Bevölkerung Klasse A und 40,28 Prozent Klasse B. Damit leben mehr als 55 Prozent in Bereichen mit guter oder sehr guter Anbindung. Weitere 32,63 Prozent entfallen auf Klasse C. Die Klassen E und F machen zusammen weniger als zwei Prozent aus.
Auch Coesfeld, Steinfurt und Warendorf schneiden deutlich schwächer ab als Münster. Der Atlas zeigt damit vor allem ein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle im Münsterland.
Agora Verkehrswende fordert angesichts der Ergebnisse Mindeststandards für den öffentlichen Verkehr. „Ein verbindliches Mindestangebot ist der erste Schritt zu einem flächendeckend besseren öffentlichen Verkehr in Deutschland“, erklärt Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende.
Werner Szybalski, Vorsitzender von Pro Bahn Münsterland, sieht vor allem im Kreis Borken Nachholbedarf. „Gerade im ländlichen Münsterland wird die Verkehrswende durch die fehlenden ÖPNV-Angebote ausgebremst“, sagt Szybalski. Besonders schwach schneidet auch Vreden ab, das im Atlas im Durchschnitt lediglich Güteklasse F erreicht.
Agora Verkehrswende ist keine staatliche Behörde, sondern ein gemeinnütziger Thinktank, der sich für klimaneutrale Mobilität einsetzt und politische Handlungsempfehlungen entwickelt. Gesellschafter der Agora Transport Transformation gGmbH sind die Stiftung Mercator und die European Climate Foundation.
Die Datengrundlage des Atlas besteht dagegen aus bundesweiten DELFI-Fahrplandaten, Zensusdaten und amtlichen Verwaltungsgrenzen. Die Güteklassen orientieren sich an einer Methode des Schweizer Bundesamts für Raumentwicklung. Agora weist selbst darauf hin, dass die Frage, ab wann ein Angebot als gut gilt, letztlich auch eine politische Bewertung enthält.
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