Drei Milliarden Euro von Apollo: Was hinter dem Bayer-Deal steckt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der US-Vermögensverwalter Apollo steigt mit Milliardenkapital in einen Teil des Pharmageschäfts von Bayer ein. Anders als die Bezeichnung als Beteiligung an Bayer vermuten lassen könnte, erwirbt Apollo dabei keine Aktien der Bayer AG. Von Apollo verwaltete Fonds und verbundene Gesellschaften sollen vielmehr einen Minderheitsanteil an einer eigens geschaffenen Gesellschaft erhalten. In diese bringt Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva ein.

Anzeige

Für dieses Apollo Investment bei Bayer ist nach Angaben des Leverkusener Konzerns vom 10. Juli 2026 eine Eigenkapitaleinlage von 3,0 Milliarden Euro vorgesehen. Bayer bleibt Mehrheitsgesellschafter und behält nach eigenen Angaben die vollständige operative Kontrolle über das Geschäft.

Apollo erhält Minderheitsanteil an Verhütungsgeschäft

Im Mittelpunkt der Transaktion steht das sogenannte LARC-Geschäft. Die Abkürzung steht für Long-Acting Reversible Contraceptives, also langfristig wirkende, reversible Verhütungsmittel.

Bayer will dieses Geschäft in eine neu gegründete Gesellschaft einbringen. Von Apollo verwaltete Fonds und Tochtergesellschaften erhalten daran eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte. Wie groß der prozentuale Anteil von Apollo genau sein wird, hat Bayer in seiner Mitteilung vom 10. Juli nicht veröffentlicht.

Anzeige

Die Höhe der Kapitaleinlage lag nach Angaben von Bayer bei 3,0 Milliarden Euro. Daraus lässt sich deshalb auch nicht ohne Weiteres eine Unternehmensbewertung des LARC-Geschäfts ableiten. Offiziell bestätigt ist die Summe des eingebrachten Eigenkapitals, nicht jedoch ein konkreter Kaufpreis je Prozentpunkt oder eine vollständige Bewertung der neuen Gesellschaft.

Für Bayer ändert sich operativ wenig. Das LARC-Geschäft soll weiterhin zum Kerngeschäft der Pharmaceuticals-Division gehören und vollständig im Konzernabschluss konsolidiert werden. Auch die Strategie und die laufenden Geschäftsaktivitäten sollen nach Unternehmensangaben durch den Einstieg nicht verändert werden.

Bayer will mit den drei Milliarden Euro seine Bilanz stärken

Hinter der Konstruktion steht vor allem ein Finanzierungsziel. Bayer bezeichnet die Vereinbarung als Maßnahme zur Verbesserung seiner Kapitalstruktur. Finanzvorständin Judith Hartmann verwies bei Bekanntgabe der Transaktion auf einen erhöhten Liquiditätsbedarf im Zusammenhang mit fälligen Anleihen und Rechtsverfahren.

Welche Bedeutung die drei Milliarden Euro für den Konzern haben, zeigte Bayer später bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Das Unternehmen senkte seine Prognose für die Nettofinanzverschuldung zum Jahresende 2026 auf 29 bis 30 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Erwartung bei 32 bis 33 Milliarden Euro gelegen. Bayer führte diese Veränderung ausdrücklich auf die vereinbarte Minderheitsbeteiligung von Apollo zurück.

Beim Media Update zum zweiten Quartal erklärte Bayer zudem, die Apollo-Investition werde nach ihrem Vollzug die Nettofinanzverschuldung in der zweiten Jahreshälfte reduzieren. Der Konzern hatte den Abschluss der Eigenkapitaltransaktion zuletzt für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Ursprünglich war bei der Ankündigung am 10. Juli ein Abschluss im dritten Quartal genannt worden, vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen und üblicher Vollzugsbedingungen.

Eine Mitteilung über einen bereits abgeschlossenen Vollzug lag in den zuletzt veröffentlichten Angaben von Bayer zunächst nicht vor.

Bayer-Aktie reagierte am Tag der Ankündigung mit Verlusten

An der Börse löste die Nachricht vom 10. Juli keinen nachhaltigen Kurssprung aus. Nach historischen Xetra-Daten von StockAnalysis eröffnete die Bayer-Aktie an diesem Handelstag bei 51,70 Euro. Im Tagesverlauf lag das Hoch bei 52,08 Euro und das Tief bei 49,48 Euro. Der Schlusskurs lag bei 50,12 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs von 50,70 Euro am 9. Juli entsprach dies einem Tagesverlust von 1,14 Prozent.

Damit lässt sich aus der unmittelbaren Kursentwicklung keine positive Börsenreaktion auf den Apollo-Deal ableiten. Einzelne Kursbewegungen eines Handelstages können allerdings von zahlreichen Nachrichten und Marktfaktoren beeinflusst werden.

Zum jüngsten abgeschlossenen Xetra-Handelstag vor Sonntag, dem 6. September, lag die Bayer-Aktie am Freitag, 4. September 2026, laut Onvista bei 48,85 Euro. Gegenüber dem vorherigen Handelstag entsprach dies einem Minus von 0,99 Prozent. Die Handelsspanne lag an diesem Tag zwischen 48,42 und 49,73 Euro.

Der Kurs lag damit Anfang September unter dem Niveau vom Tag der Bekanntgabe des Apollo-Geschäfts. Einen direkten kausalen Zusammenhang mit der bereits im Juli angekündigten Finanzierung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Apollo investiert, ohne Bayer die Kontrolle zu nehmen

Die Konstruktion unterscheidet sich von einem klassischen Verkauf einer Unternehmenssparte. Bayer erhält drei Milliarden Euro Eigenkapital, gibt dafür aber lediglich einen Minderheitsanteil an der neuen LARC-Gesellschaft ab. Die Kontrolle über das operative Geschäft bleibt beim Konzern.

Apollo ordnete die Investition seiner Plattform für sogenannte High Grade Capital Solutions zu. Der Vermögensverwalter hatte zum 31. März 2026 nach eigenen Angaben ein verwaltetes Vermögen von rund 1,03 Billionen US-Dollar.

Für Bayer ist vor allem die Wirkung auf die Finanzierung relevant. Die drei Milliarden Euro sollen die Kapitalstruktur stärken und sind inzwischen Bestandteil der für 2026 erwarteten niedrigeren Nettofinanzverschuldung. Das operative Pharmageschäft bleibt gleichzeitig unter Kontrolle des Konzerns.

Unklar blieb zunächst, wann sämtliche Bedingungen für den endgültigen Vollzug der Transaktion erfüllt sein werden. Bayer hatte den Abschluss zuletzt für die zweite Jahreshälfte 2026 eingeplant.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu