Deutscher Raketenstart gibt Raumfahrtaktien Rückenwind

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die OHB-Aktie und Eutelsat haben am Montag nach dem erfolgreichen Orbitalflug der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace deutlich zugelegt. Im Xetra-Handel lag die OHB-Aktie am späten Vormittag bei 194,00 Euro. Das Plus gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag lag bei 5,32 Prozent, zeitweise lag es bei 6,4 Prozent. Bei Eutelsat lag der Kurs in Paris gegen 11.26 Uhr bei 1,834 Euro und damit 2,54 Prozent höher. Zeitweise lag das Plus bei rund 2,6 Prozent.

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Der deutsche Raketenstart vom Wochenende wurde damit auch an den europäischen Börsen zum Impuls für die Raumfahrtbranche. Die wirtschaftliche Verbindung zwischen dem erfolgreichen Flug und den beiden Aktien ist allerdings nur indirekt. Die Rakete stammt weder von OHB noch von Eutelsat. Betreiber und Hersteller ist das privat finanzierte deutsche Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace.

Spectrum erreicht beim zweiten Flug den Orbit

Spectrum war am Samstag, 5. September 2026, um 22.12 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens gestartet. Die zweistufige Rakete erreichte die Erdumlaufbahn und setzte ihre Nutzlasten aus. Nach Angaben der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR wurden fünf Kleinsatelliten und ein Experiment in die vorgesehenen Umlaufbahnen gebracht.

Für Isar Aerospace war es erst der zweite Flug der selbst entwickelten Spectrum-Rakete. Die erste Mission im März 2025 war bereits nach etwa 30 Sekunden beendet worden. Der nun erfolgreiche Flug diente zugleich der Qualifikation des Trägersystems unter realen Einsatzbedingungen. Die Rakete ist 28 Meter hoch und zwei Meter breit. Ihre zehn Triebwerke sind darauf ausgelegt, Nutzlasten von bis zu 1.000 Kilogramm in einen niedrigen Erdorbit zu transportieren.

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Die Europäische Kommission bezeichnete die Mission als ersten erfolgreichen Orbitalflug einer privat entwickelten Rakete von Kontinentaleuropa aus. Auch für die European Launcher Challenge der Europäischen Weltraumorganisation ESA war der Flug ein wichtiger Schritt. Isar Aerospace hatte erst Ende August einen Vertrag im Rahmen des Programms unterzeichnet. Die vorgesehenen Programmzusagen liegen bei rund 200 Millionen Euro.

OHB ist über Rocket Factory Augsburg im Raketenmarkt

Für die OHB-Aktie ist der Erfolg von Spectrum vor allem deshalb relevant, weil der Bremer Raumfahrtkonzern selbst im europäischen Markt für Trägersysteme aktiv ist. OHB ist strategischer Investor bei Rocket Factory Augsburg, kurz RFA. Nach dem OHB-Bericht zum ersten Quartal 2026 lag die Beteiligung an dem Augsburger Unternehmen bei 56,8 Prozent. RFA entwickelt mit RFA ONE eine eigene Rakete für kleine und mittlere Nutzlasten.

Damit ist Isar Aerospace nicht Teil des OHB-Konzerns, sondern gehört zu den Unternehmen, die parallel um einen Platz im entstehenden europäischen Markt für kommerzielle Raketenstarts kämpfen. Auch RFA hat Ende August einen Vertrag mit der ESA im Rahmen der European Launcher Challenge unterzeichnet. Das Programm soll unter anderem die Zahl europäischer Startanbieter erhöhen und den eigenständigen Zugang Europas zum Weltraum ausbauen. Der RFA-Vertrag läuft nach Angaben von OHB planmäßig bis Mitte 2029.

Der erfolgreiche Spectrum-Flug kann deshalb als Nachweis dafür gelten, dass Europas privatwirtschaftlicher Raketenmarkt technisch vorankommt. Für OHB bedeutet der Erfolg von Isar Aerospace zugleich einen höheren Maßstab für die eigene Beteiligung RFA. Eine direkte finanzielle Beteiligung von OHB an der erfolgreichen Spectrum-Mission bestand nicht.

Eutelsat setzt auf Hunderte Satelliten im niedrigen Erdorbit

Auch bei Eutelsat besteht keine direkte Verbindung zu der Mission vom Samstag. Die fünf CubeSats an Bord von Spectrum stammten von Hochschulen und anderen Organisationen. Eine Eutelsat-Nutzlast gehörte nicht zur Mission.

Für den französischen Satellitenbetreiber ist zusätzliche europäische Startkapazität dennoch von strategischer Bedeutung. Eutelsat betreibt über OneWeb eine Konstellation mit mehr als 600 Satelliten im niedrigen Erdorbit. Das Unternehmen investiert zudem in die nächste Generation des Netzes. Im Februar hatte Eutelsat eine Finanzierung von annähernd einer Milliarde Euro für die Beschaffung weiterer OneWeb-Satelliten vereinbart.

Eutelsat hat bereits begonnen, seine Möglichkeiten für künftige Raketenstarts breiter aufzustellen. Im Januar vereinbarte der Konzern mit dem französischen Raketenunternehmen MaiaSpace mehrere Starts von LEO-Satelliten ab 2027. Einen vergleichbaren Startvertrag zwischen Eutelsat und Isar Aerospace gibt es für die Spectrum-Mission vom Wochenende nicht.

Europäische Raumfahrt gewinnt wirtschaftlich an Gewicht

Der Erfolg von Isar Aerospace fällt in eine Phase, in der Europa seine eigenen Kapazitäten für Satelliten, Kommunikationsnetze und Raketenstarts deutlich ausbaut. Neben kommerziellen Anwendungen spielt dabei die unabhängige Verfügbarkeit von Weltrauminfrastruktur für Behörden, Sicherheitsorgane und militärische Nutzer eine wachsende Rolle.

OHB und Eutelsat sind auch über das europäische Satellitenkommunikationssystem IRIS² in dieses Umfeld eingebunden. OHB erhielt Ende August von SES einen Auftrag mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro für 18 Satellitenplattformen. SES, Eutelsat und Hispasat gehören gemeinsam zum SpaceRISE-Konsortium für IRIS². Eutelsat soll dabei eine führende Rolle im LEO-Segment übernehmen.

Der Börsenanstieg am Montag zeigt damit zunächst eine positive Reaktion auf den technologischen Fortschritt der europäischen Raumfahrtbranche. Für OHB und Eutelsat ergeben sich aus dem erfolgreichen Spectrum-Start jedoch keine unmittelbar bestätigten zusätzlichen Umsätze oder Aufträge. Die weiteren Kursbewegungen hängen neben der Entwicklung des Raumfahrtsektors von den jeweiligen Aufträgen, Ergebnissen und Unternehmensperspektiven der beiden Konzerne ab.

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