Wahl Group beantragt Eigenverwaltung für sechs Gesellschaften

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die traditionsreiche Wahl Group hat für sechs operative Gesellschaften Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der Geschäftsbetrieb an den insgesamt 31 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz soll nach Angaben des Unternehmens vollständig weiterlaufen. Rund 1.000 Beschäftigte sind von der wirtschaftlichen Neuaufstellung betroffen. Ihre Löhne und Gehälter sind zunächst bis Ende November über Insolvenzgeld gesichert.

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Damit befindet sich eine der größeren inhabergeführten deutschen Autohausgruppen in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren. Die Wahl Group in Eigenverwaltung soll jedoch nicht abgewickelt werden. Ziel des gewählten Verfahrens ist vielmehr, den laufenden Betrieb fortzuführen und eine wirtschaftlich tragfähige Struktur für das Unternehmen zu entwickeln.

Diese sechs Gesellschaften gehören zu den Verfahren

Die Anträge betreffen die Horst Wahl GmbH & Co. KG, die Alfred Wahl GmbH & Co. KG, die K & W-Wahl Management GmbH, die Räder- & Pflegecenter Wahl GmbH, die Lackierzentrum Siegerland GmbH und die K & W mobility GmbH. Die Anträge wurden beim zuständigen Gericht am Hauptsitz der Gruppe in Siegen gestellt.

Die Geschäftsführung bleibt bei einer Eigenverwaltung grundsätzlich im Amt und führt das Unternehmen weiter. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren wird die operative Leitung also nicht vollständig auf einen Insolvenzverwalter übertragen. Die Geschäftsführung wird in einem solchen Verfahren von einem gerichtlich bestellten Sachwalter kontrolliert und soll gemeinsam mit Sanierungsberatern Lösungen für die Fortführung entwickeln.

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Bei Wahl unterstützt ein Team der Sanierungskanzlei Schultze & Braun die Geschäftsführung. Dr. Jürgen Erbe und Michael Böhner sind nach Angaben der Kanzlei als Generalbevollmächtigte in die Unternehmensführung eingebunden. Zusätzlich begleitet die Prudentes Management GmbH die Neuaufstellung in betriebswirtschaftlichen Fragen.

Alle 31 Standorte sollen geöffnet bleiben

Für Kunden ändert sich zunächst wenig. Verkauf, Service und Werkstätten sollen an allen 31 Standorten weiterarbeiten. Die Wahl Group ist in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vertreten und betreibt Niederlassungen unter anderem in Aachen, Betzdorf, Brilon, Brühl, Dautphetal, Dillenburg, Düren, Frankenberg, Fritzlar, Gießen, Kassel, Koblenz, Korbach, Köln, Limburg, Mainz, Marburg, Montabaur, Schwalmstadt, Siegen, Werdohl, Wetzlar und Wiesbaden. In einigen Städten gibt es mehrere Betriebe.

Das Unternehmen vertreibt derzeit 16 Automarken. Dazu gehören BMW, MINI, BMW Motorrad, Ford, Kia, Citroën, Peugeot, Opel, Jeep, Alfa Romeo, Mazda, MG, XPENG, MAXUS, DS und Leapmotor. Die Unternehmensgruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Menschen.

Besonders eng ist die Geschichte des Unternehmens mit BMW verbunden. Die Wahl Group bezeichnet sich als ältesten noch aktiven BMW-Händler weltweit. Die Zusammenarbeit begann nach Unternehmensangaben 1923 mit BMW-Motorrädern. Die Ursprünge der Wahl-Gruppe selbst reichen bis ins Jahr 1898 zurück.

Löhne zunächst bis Ende November gesichert

Die Gehälter der rund 1.000 Beschäftigten sollen bis einschließlich November über Insolvenzgeld abgesichert sein. Danach soll die Wahl Group nach dem derzeitigen Sanierungsplan wieder in der Lage sein, die Personalkosten aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Ob dieses Ziel erreicht wird und wie die endgültige Sanierungsstruktur aussehen wird, stand zunächst noch nicht fest.

Konkrete Standortschließungen oder ein Stellenabbau wurden im Zusammenhang mit den Anträgen zunächst nicht angekündigt. Auch Angaben über mögliche Investoren, Verkäufe einzelner Betriebe oder Veränderungen des Händlernetzes lagen zunächst nicht vor.

Das Unternehmen nennt als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Kombination aus steigenden Kosten und sinkenden Umsätzen. Insbesondere in den vergangenen Monaten habe es eine deutliche Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatkunden als auch bei gewerblichen Kunden gegeben. Zusätzlich habe die Gruppe ihr Markenportfolio erheblich neu ausrichten müssen. Dabei handelt es sich um die Darstellung des Unternehmens und seiner Sanierungsberater. Detaillierte öffentlich zugängliche Zahlen dazu, welchen Anteil die einzelnen Faktoren an der wirtschaftlichen Lage hatten, lagen zunächst nicht vor.

Tatsächlich hat Wahl sein Markenangebot in kurzer Zeit stark verändert. In den vergangenen beiden Jahren kamen zahlreiche neue Hersteller hinzu. Dazu gehören unter anderem MG, XPENG, Citroën, Peugeot, Mazda, Kia sowie mehrere Marken aus dem Stellantis-Konzern. 2026 wurde auch Leapmotor in das Portfolio aufgenommen.

Autohaus Wahl Hessen GmbH & Co. KG ist nicht die aktuelle Insolvenzgesellschaft

Verwechslungsgefahr besteht insbesondere beim Namen Autohaus Wahl Hessen GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft gehört nicht zu den sechs Unternehmen, für die jetzt Eigenverwaltung beantragt wurde.

Die Autohaus Wahl Hessen GmbH & Co. KG mit der früheren Handelsregisternummer HRA 6538 wurde bereits am 31. Juli 2023 aufgelöst. Laut Registerbekanntmachung fand keine Liquidation statt, die Firma erlosch. In der damaligen gesellschaftsrechtlichen Neuordnung trat unter anderem die Alfred Wahl GmbH & Co. KG als Kommanditistin im Wege einer Sonderrechtsnachfolge ein.

Die heutige operative Struktur der Wahl Group wird insbesondere durch die Alfred Wahl GmbH & Co. KG und die Horst Wahl GmbH & Co. KG geprägt. Beide gehören zu den sechs Gesellschaften des aktuellen Eigenverwaltungsverfahrens. Auf der heutigen Unternehmenswebsite werden sie als Betreiber zahlreicher Wahl-Standorte geführt.

Zweite große Autohausinsolvenz innerhalb kurzer Zeit

Die Entwicklung bei Wahl fällt in eine Phase, in der auch andere große deutsche Autohändler wirtschaftlich unter Druck geraten sind. Wenige Tage zuvor war die Insolvenz der Berliner Autohausgruppe König bekannt geworden. Das Unternehmen beschäftigt bundesweit rund 1.200 Menschen und betreibt mehr als 80 Filialen. Das Amtsgericht Charlottenburg setzte dort einen vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Auch bei König läuft der Betrieb zunächst weiter.

Die Verfahren unterscheiden sich allerdings. Während Wahl ausdrücklich eine Sanierung in Eigenverwaltung anstrebt und die bisherige Geschäftsführung damit handlungsfähig bleibt, wurde bei König ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen beiden Fällen ist nicht belegt.

Für die Wahl Group beginnen nun die Verhandlungen über eine längerfristige Sanierung. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine laufenden Kosten dauerhaft aus dem Geschäft finanzieren und gemeinsam mit Gläubigern und weiteren Beteiligten eine tragfähige Lösung für die sechs Gesellschaften erreichen kann. Bis dahin sollen die 31 Autohäuser und Werkstätten regulär weiterarbeiten.

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