Lufthansa denkt über mehr teure Sitze in ihren Flugzeugen nach

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Lufthansa prüft eine weitere Verschiebung ihrer Langstreckenkabinen zugunsten der höherpreisigen Reiseklassen. Hintergrund ist die starke Nachfrage nach Premiumplätzen auf bestimmten Strecken und in einzelnen Flugzeugtypen. Konzernchef Carsten Spohr hatte entsprechende Überlegungen bereits im Juni bei einer internen Veranstaltung angesprochen. Eine endgültige Entscheidung über neue Sitzpläne ist bislang allerdings nicht bekannt.

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Im Mittelpunkt stehen vor allem die Business Class und die Premium Economy Class. Auch die First Class gehört zum Premiumangebot der Lufthansa, wird aber nicht in allen Langstreckenflugzeugen angeboten. Welche Klassen bei einem möglichen Umbau konkret zusätzliche Sitze erhalten und wie viele Plätze dafür an anderer Stelle entfallen könnten, ist noch offen.

Die Überlegungen sind für Lufthansa wirtschaftlich von großer Bedeutung. Der Konzern investiert seit Jahren hohe Summen in seine neue Langstreckenkabine Allegris. Gerade mit den teuren Sitzen lassen sich erheblich höhere Erlöse erzielen als mit klassischen Economy Plätzen. Lufthansa hat gegenüber Investoren bereits deutlich gemacht, dass die neue Kabine einen wichtigen Beitrag zu den langfristigen Renditezielen leisten soll.

Lufthansa stößt bei Premiumsitzen teilweise an Grenzen

Spohr hatte im Juni erklärt, dass die Zahl der verfügbaren Premiumsitze in einigen Flugzeugen und auf bestimmten Verbindungen knapp sei. Lufthansa prüfe deshalb eine Ausweitung. Dabei handelt es sich bislang um eine Überlegung und nicht um einen bereits beschlossenen großflächigen Umbau der Flotte.

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Besonders relevant wird die Frage bei neuen Langstreckenflugzeugen, deren Kabinenkonfiguration für viele Jahre festgelegt wird. Lufthansa erneuert derzeit einen erheblichen Teil ihrer Interkontinentalflotte und führt Allegris schrittweise auf verschiedenen Flugzeugtypen ein.

Ein Beispiel ist der Airbus A350 1000, dessen erste Maschine Lufthansa im Herbst 2026 in München erwartet. Für diesen Flugzeugtyp ist bereits eine vergleichsweise starke Ausrichtung auf die höherwertigen Klassen vorgesehen. Nach den bislang bekannt gewordenen Planungen soll die Maschine Platz für rund 300 Passagiere bieten. Vorgesehen sind vier Plätze in der First Class, 49 in der Business Class und 35 in der Premium Economy Class. Hinzu kommen bis zu 212 Economy Sitze.

Damit verfügt allein dieser Flugzeugtyp bereits über 88 Plätze oberhalb der klassischen Economy Class. Ob Lufthansa die Verteilung bei später ausgelieferten Maschinen oder anderen Langstreckenjets noch einmal verändert, ist bislang nicht entschieden.

Business und Premium Economy rücken stärker in den Mittelpunkt

Die neue Allegris Kabine umfasst grundsätzlich First Class, Business Class, Premium Economy Class und Economy Class. Allerdings unterscheiden sich die tatsächlichen Konfigurationen je nach Flugzeugtyp.

Vor allem die Business Class bietet Lufthansa inzwischen mit unterschiedlichen Sitzvarianten an. Dazu gehören besonders abgeschirmte Plätze am Fenster, Sitze mit längerer Liegefläche und separate Suiten. Für bestimmte Varianten werden zusätzlich zum eigentlichen Flugpreis Gebühren verlangt.

Auch die Premium Economy hat für Fluggesellschaften an Bedeutung gewonnen. Sie liegt preislich und beim Platzangebot zwischen Economy und Business Class. Airlines können damit Passagiere ansprechen, die mehr Komfort wünschen, ohne den deutlich höheren Preis eines Business Tickets bezahlen zu wollen.

Eine mögliche Ausweitung der Premiumbereiche bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Lufthansa künftig generell weniger Economy Sitze anbietet. Die Kabinenplanung hängt unter anderem vom Flugzeugtyp, der jeweiligen Strecke und der gewünschten Gesamtkapazität ab. Welche Sitzbereiche bei einer neuen Konfiguration verändert würden, ist derzeit nicht festgelegt.

Allegris bringt Lufthansa messbar höhere Erlöse

Die wirtschaftliche Grundlage für die Überlegungen lässt sich bereits an Zahlen erkennen, die Lufthansa selbst gegenüber Investoren veröffentlicht hat. Nach Konzernangaben lag der durchschnittliche Erlös mit Allegris Business Class Sitzen rund neun Prozent über dem Niveau vergleichbarer herkömmlicher Business Sitze.

Hinzu kommen Einnahmen durch die kostenpflichtige Auswahl bestimmter Sitzvarianten. Lufthansa bezifferte den zusätzlichen Erlös aus der Sitzplatzwahl über verschiedene Klassen hinweg auf rund eine Million Euro pro Jahr und entsprechend ausgestattetem Flugzeug.

Bei einer großen Langstreckenflotte können sich solche Zusatzerlöse zu erheblichen Beträgen summieren. Gleichzeitig benötigen Business und First Class Sitze deutlich mehr Kabinenfläche als Plätze in der Economy Class. Für die Fluggesellschaft entsteht deshalb bei jedem Sitzplan eine wirtschaftliche Abwägung zwischen möglichst vielen Passagieren und möglichst hohen Erlösen je Sitzplatz.

Lufthansa hatte für 2025 einen bereinigten operativen Gewinn von rund zwei Milliarden Euro ausgewiesen. Die entsprechende operative Marge lag bei 4,9 Prozent. Für die Jahre 2028 bis 2030 strebt der Konzern eine bereinigte EBIT Marge zwischen acht und zehn Prozent an. Flottenerneuerung, effizientere Abläufe und eine stärkere Premiumausrichtung gehören zu den Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll.

Premiumsitze werden für internationale Airlines wichtiger

Lufthansa steht mit dieser Strategie nicht allein. Auch große amerikanische Fluggesellschaften investieren verstärkt in höherwertige Kabinenbereiche. American Airlines baut beispielsweise seine Boeing 777 300ER um und erhöht dabei den Anteil der Premiumplätze deutlich.

Nach dem Umbau sollen diese Flugzeuge 70 Business Sitze und 44 Premium Economy Sitze erhalten. Gleichzeitig verschwindet die bisherige internationale First Class aus diesem Flugzeugtyp. Insgesamt steigt der Anteil der höherwertigen Sitzprodukte. American will damit stärker um zahlungskräftige Langstreckenreisende konkurrieren.

Auch andere große Netzwerkfluggesellschaften setzen zunehmend auf Business Class, Premium Economy und zusätzliche Komfortprodukte. Dahinter steht eine einfache wirtschaftliche Logik: Ein Premiumplatz benötigt zwar mehr Fläche und verursacht höhere Produktkosten, kann aber wesentlich mehr Umsatz pro Passagier bringen.

Gerade auf Langstrecken spielen diese Unterschiede eine große Rolle. Schon wenige zusätzliche Business Class Sitze können bei guter Auslastung erhebliche Erlöse erzeugen. Gleichzeitig müssen Airlines verhindern, dass sie zu viel teure Kabinenfläche anbieten, wenn die Nachfrage auf bestimmten Verbindungen nicht ausreicht.

Lufthansa muss Kabinen für viele Jahre festlegen

Für Lufthansa kommt die Entscheidung in einer wichtigen Phase der Flottenerneuerung. Bis 2030 sollen konzernweit mehr als 230 neue Flugzeuge hinzukommen, darunter rund 100 Langstreckenmaschinen. Parallel werden vorhandene Flugzeuge mit neuen Kabinen ausgestattet.

Damit müssen viele Entscheidungen über Sitzanzahl und Klassenverteilung bereits Jahre vor dem tatsächlichen Einsatz getroffen werden. Nachträgliche Veränderungen sind technisch möglich, verursachen aber zusätzliche Kosten und können längere Standzeiten der Flugzeuge notwendig machen.

Die starke Nachfrage nach Allegris Premiumplätzen könnte deshalb Einfluss auf künftige Konfigurationen haben. Fest steht bislang, dass Lufthansa die Zahl der Premiumsitze überprüft. Offen ist dagegen, welche Flugzeugtypen verändert werden, wie groß eine mögliche Aufstockung ausfällt und ob dafür Plätze in anderen Kabinenklassen entfallen.

Für den Konzern geht es damit um mehr als eine Komfortfrage. Die Verteilung der Sitze entscheidet auf Langstrecken mit darüber, wie viel Umsatz ein Flugzeug erwirtschaften kann. Mit dem Ausbau von Allegris hat Lufthansa seine Premiumstrategie bereits deutlich verstärkt. Nun prüft das Unternehmen, ob die Kabinen dafür noch stärker auf zahlungskräftige Reisende zugeschnitten werden sollen.

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