
Zu wenig leistungsbereit, zu hohe Ansprüche an Freizeit und Flexibilität, möglichst wenig Arbeit bei möglichst viel Gehalt: Über die Generation Z kursieren seit Jahren zahlreiche Urteile. Neue Arbeitsmarktdaten für Deutschland zeichnen jedoch ein anderes Bild. Junge Erwachsene beteiligen sich heute deutlich häufiger am Erwerbsleben als noch vor zehn Jahren. Bei den 20- bis 24-Jährigen liegt die Erwerbsquote nach einer aktuellen Auswertung sogar auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten.
Besonders deutlich wird die Entwicklung in einer im August 2026 veröffentlichten Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, kurz IAB. Demnach stieg die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent. Seit 2023 kamen nochmals 0,9 Prozentpunkte hinzu. Die Entwicklung fällt damit stärker aus als bei den 25- bis 64-Jährigen.
Die Zahlen erlauben keine Aussage darüber, wie motiviert einzelne Beschäftigte sind oder welche Bedeutung Arbeit für sie persönlich hat. Sie sprechen allerdings gegen die pauschale Behauptung, junge Menschen würden sich zunehmend vom Arbeitsmarkt zurückziehen.
Als Ausgangspunkt für den Vergleich wählt das IAB das Jahr 2015. Damals rückten die ersten Jahrgänge, die in der Analyse der Generation Z zugerechnet werden, in die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen vor. Eine einheitliche wissenschaftliche Definition der Generation Z gibt es nicht. Das IAB orientiert sich an einer Abgrenzung, die die Jahrgänge 1995 bis 2010 umfasst.
Bis 2015 war die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen zunächst zurückgegangen. Danach drehte sich die Entwicklung deutlich. Bis 2025 stieg sie auf 76,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei den 25- bis 64-Jährigen nahm die Erwerbsquote zwischen 2015 und 2025 um 3,1 Prozentpunkte zu. Seit 2023 lag der Zuwachs in dieser Gruppe bei 0,4 Prozentpunkten und damit bei weniger als der Hälfte des Werts der 20- bis 24-Jährigen.
Datengrundlage sind Sonderauswertungen des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Für die Analyse wurden unter anderem die endgültigen Ergebnisse für 2024 und erste Ergebnisse für 2025 berücksichtigt. Bei den vom IAB ausgewiesenen 76,8 Prozent handelt es sich um Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit.
Dabei ist eine begriffliche Unterscheidung wichtig. Die Erwerbsquote beschreibt die Beteiligung am Arbeitsmarkt und umfasst Erwerbstätige sowie Erwerbslose, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Sie ist deshalb nicht identisch mit der Erwerbstätigenquote.
Auch die unmittelbar vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zeigen eine hohe Beschäftigung unter jungen Erwachsenen. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren dem Mikrozensus zufolge rund 3,04 Millionen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquote dieser Altersgruppe lag bei 70,6 Prozent.
Bei den 15- bis 19-Jährigen waren es 28,5 Prozent. Der deutlich niedrigere Wert erklärt sich vor allem dadurch, dass ein großer Teil dieser Altersgruppe noch eine Schule besucht. Bei den 25- bis 29-Jährigen lag die Erwerbstätigenquote bereits bei 81,9 Prozent.
Auch über einen längeren Zeitraum ist bei jungen Menschen ein Anstieg erkennbar. Destatis hatte für die gesamte Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen bereits für 2024 eine Erwerbstätigenquote von rund 51 Prozent ausgewiesen. Gegenüber 2014 entsprach dies einem Anstieg um etwa fünf Prozentpunkte.
Die unterschiedlichen Prozentwerte sind daher kein Widerspruch. Je nachdem, ob Erwerbstätigkeit oder Erwerbsbeteiligung betrachtet wird und welche Altersgruppe sowie Bevölkerungsgruppe zugrunde liegt, fallen die Quoten unterschiedlich aus.
Eine wichtige Rolle spielt nach der IAB-Analyse die zunehmende Erwerbstätigkeit von Studierenden. Wer studiert, ist heute offenbar häufiger parallel auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Das zeigt sich auch bei der Verteilung der Beschäftigung.
20- bis 24-Jährige arbeiten häufiger als ältere Beschäftigte in Handelsberufen sowie in Berufen rund um Lebensmittel und Gastronomie. Im Handel liegt ihr Anteil im Vergleich zu den 25- bis 64-Jährigen um 3,4 Prozentpunkte höher, bei Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen liegt der Abstand bei 4,4 Prozentpunkten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Beschäftigung junger Menschen hauptsächlich auf klassische Studentenjobs beschränkt. Nach der Auswertung verteilt sie sich insgesamt ähnlich wie bei älteren Arbeitnehmern über zahlreiche Berufsgruppen. Junge Beschäftigte sind lediglich in einzelnen Bereichen deutlich häufiger oder seltener vertreten.
Damit lässt sich der Anstieg auch nicht allein durch eine Verschiebung von Berufsausbildung hin zu einfachen Nebenjobs erklären. Eine betriebliche Ausbildung zählt ebenfalls als Erwerbsbeteiligung.
Auch der europäische Vergleich passt nicht zum Bild einer Generation, die sich möglichst wenig am Erwerbsleben beteiligt. Nach Eurostat lag die Erwerbstätigenquote der 20- bis 29-Jährigen in Deutschland 2025 bei 77,0 Prozent.
Damit erreichte Deutschland einen der höchsten Werte in der Europäischen Union. Nur die Niederlande mit 84,0 Prozent und Malta mit 82,1 Prozent lagen darüber. Der EU-Durchschnitt lag bei 65,6 Prozent. Seit 2015 war die Quote in dieser Altersgruppe europaweit um 6,3 Prozentpunkte gestiegen.
Auch der Übergang von der Ausbildung in den Beruf funktioniert in Deutschland im europäischen Vergleich vergleichsweise häufig. Von den 20- bis 34-Jährigen, die ihre Ausbildung oder ihr Studium erst vor kurzer Zeit beendet hatten, waren 2025 in Deutschland 90,6 Prozent beschäftigt. In der EU insgesamt waren es 83,0 Prozent.
Dass viele Angehörige der Generation Z Anforderungen an Arbeitsbedingungen stellen, wird durch Befragungsstudien durchaus bestätigt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine geringere Bereitschaft zur Erwerbsarbeit.
Der Gen Z and Millennial Survey 2026 von Deloitte zeigt beispielsweise, dass für junge Menschen in Deutschland finanzielle Sicherheit eine große Rolle spielt. 24 Prozent der Befragten aus der Generation Z nannten finanzielle Unabhängigkeit als wichtigstes Karriereziel. Nur zehn Prozent bezeichneten eine Führungsposition als vorrangiges Ziel. Zugleich gaben 72 Prozent grundsätzlich an, Interesse an einer Führungsposition zu haben, häufig allerdings zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Karriere.
Eine EY-Befragung unter mehr als 2.000 Studierenden in Deutschland liefert ein ähnliches Bild. 52 Prozent nannten einen sicheren Arbeitsplatz als eines der wichtigsten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl. 43 Prozent legten besonderes Gewicht auf die Verdienstmöglichkeiten. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes lag damit erstmals vor dem Gehalt.
Solche Befragungen messen persönliche Einstellungen und Erwartungen, nicht die tatsächliche Arbeitsleistung. Zusammen mit den Arbeitsmarktdaten entsteht dennoch ein differenzierteres Bild: Viele junge Menschen legen größeren Wert auf Sicherheit, Flexibilität, sinnvolle Arbeit und persönliche Entwicklung. Gleichzeitig nimmt ihre Beteiligung am Erwerbsleben zu.
Aus Erwerbsquoten lässt sich nicht ableiten, wie viele Stunden jemand arbeitet, wie produktiv Beschäftigte sind oder wie stark sie sich mit ihrem Beruf identifizieren. Ebenso wenig lässt sich aus dem Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten auf mangelnde Leistungsbereitschaft schließen.
Die Daten liefern deshalb keinen Beweis dafür, dass die Generation Z grundsätzlich fleißiger ist als vorherige Generationen. Sie widerlegen aber eine zentrale Voraussetzung des verbreiteten Faulheitsklischees: Junge Erwachsene ziehen sich nicht in wachsendem Maße aus dem Arbeitsmarkt zurück. Das Gegenteil ist der Fall. Ihre Erwerbsbeteiligung ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen und befindet sich auf einem seit Jahrzehnten nicht erreichten Niveau.
Für Deutschland hat diese Entwicklung zusätzliche Bedeutung. Bis 2040 werden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes rund 13,3 Millionen heutige Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter überschritten haben. Das entspricht etwa 30 Prozent der derzeitigen Erwerbspersonen. Die jüngeren Jahrgänge sind zahlenmäßig zu klein, um diese Abgänge vollständig auszugleichen.
Dass sich junge Menschen bereits stärker als vor zehn Jahren am Arbeitsmarkt beteiligen, kann diese demografische Lücke deshalb nicht schließen. Es zeigt aber, dass der Arbeitskräftemangel kaum mit einer angeblich grundsätzlich fehlenden Arbeitsbereitschaft der jüngeren Generation erklärt werden kann.
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