Neue Metall-Tarifrunde: Reallöhne und Jobs rücken ins Zentrum

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die IG Metall stellt die Weichen für die nächste große Tarifrunde in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Eine konkrete Prozentforderung gibt es am 10. September noch nicht. Die Gewerkschaft hat aber deutlich gemacht, dass gute Reallöhne, sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze sowie soziale Sicherheit zentrale Themen sein sollen. Grundlage der Forderungsdebatte ist unter anderem eine Befragung von 267.000 Beschäftigten. Die endgültige bundesweite Forderung soll am 23. September beschlossen werden, die Verhandlungen beginnen am 7. Oktober. In der Branche arbeiten bundesweit mehr als 3,7 Millionen Menschen.

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IG Metall legt Prozentforderung erst am 23. September fest

Damit ist derzeit noch offen, wie viel mehr Geld die Gewerkschaft konkret verlangen wird. Aus der Beschäftigtenbefragung ergibt sich allerdings eine deutliche Richtung. 47,8 Prozent der Befragten halten eine moderate Entgelterhöhung für angemessen, weitere 35 Prozent sprechen sich für eine kräftige Erhöhung aus. 13,1 Prozent würden lediglich eine kleine Steigerung befürworten, 4,1 Prozent keine. Die IG Metall nennt gute Reallöhne, zukunftsfähige Arbeitsplätze und soziale Sicherheit als zentrale Themen der Runde. Die IG Metall Tarifrunde 2026 soll damit nicht ausschließlich auf eine Entgeltforderung reduziert werden.

Die Antworten zeigen zugleich, welche Themen die Beschäftigten besonders beschäftigen. 68,9 Prozent nennen gestiegene Lebenshaltungskosten als große Sorge. Es folgen Gesundheitskosten mit 58,5 Prozent und die Absicherung im Alter mit 58,1 Prozent. 56,3 Prozent beschäftigt die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes, 56,7 Prozent die Zukunft des jeweiligen Betriebs. Die Gewerkschaft hat außerdem erklärt, mindestens die Reallöhne sichern zu wollen.

Wirtschaftliche Lage unterscheidet sich stark zwischen den Betrieben

Die Ausgangslage innerhalb der Metall- und Elektroindustrie ist sehr unterschiedlich. In der IG-Metall-Befragung bewerten 14,5 Prozent die Situation ihres Betriebs als sehr gut und 31,7 Prozent als gut. 32,2 Prozent sehen die Lage im Mittelfeld. 16,9 Prozent bewerten sie als schlecht, 4,7 Prozent als sehr schlecht. Positiver fällt die Einschätzung unter anderem in Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Schiffbau und Energie aus. Kritischer äußern sich Beschäftigte in der Autoindustrie und bei Dienstleistern.

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Damit treffen in der Tarifrunde Unternehmen mit vergleichsweise stabiler oder guter Geschäftslage auf Betriebe, die mit Umbau, schwacher Nachfrage oder Stellenabbau kämpfen. Die IG Metall will diese Unterschiede berücksichtigen. Neben höheren Entgelten in wirtschaftlich starken Unternehmen stellt sie deshalb auch die Beschäftigungssicherung in Krisenbetrieben in den Mittelpunkt. Tarifvorständin Nadine Boguslawski verwies bei der Vorstellung der Befragung darauf, dass es keine einheitliche wirtschaftliche Situation in der Branche gebe.

Arbeitgeber warnen vor zusätzlichen Arbeitskosten

Die Arbeitgeber setzen einen anderen Schwerpunkt. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter beschreibt die Metall- und Elektroindustrie als seit drei Jahren in einer Rezession. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands sind seit 2019 mehr als 340.000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen, allein im Juni 2026 mehr als 12.000. Gesamtmetall nennt hohe Energiepreise, Bürokratiekosten, Arbeitskosten und Steuern als wesentliche Belastungen für die Unternehmen.

Eine bezifferte Arbeitgeberposition für die Tarifrunde ist vor Beginn der Verhandlungen noch nicht veröffentlicht. Die grundsätzliche Richtung ist jedoch erkennbar. Die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber bayme vbm fordern ausdrücklich einen Tarifabschluss, der die zusätzlichen Arbeitskosten begrenzt und den Unternehmen mehr Flexibilität in wirtschaftlich schwierigen Situationen ermöglicht. Der regionale Arbeitgeberverband verweist dabei auf sinkende Produktion und Beschäftigung. Allein in Bayern seien im ersten Halbjahr 2026 fast 11.000 Arbeitsplätze in der Branche weggefallen.

Damit treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Die IG Metall argumentiert mit Kaufkraft, Reallöhnen und der Beteiligung der Beschäftigten an wirtschaftlich guten Ergebnissen. Die Arbeitgeberseite stellt dagegen Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und die schwierige Situation zahlreicher Industriebetriebe in den Vordergrund. Die konkreten Abstände zwischen den Positionen werden sich allerdings erst beziffern lassen, wenn die Gewerkschaft ihre endgültige Forderung beschlossen hat.

Verhandlungen beginnen am 7. Oktober

Der weitere Zeitplan ist bereits festgelegt. Am 22. September entscheiden die regionalen Tarifkommissionen über ihre Forderungen. Einen Tag später, am 23. September, will der Vorstand der IG Metall daraus die endgültige bundesweite Forderung beschließen. Am 7. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden.

Die bestehenden Entgelttarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Gleichzeitig endet um Mitternacht die Friedenspflicht. Damit sind Warnstreiks ab dem 1. November möglich. Eine zusätzliche nachlaufende Friedenspflicht wurde für diese Runde nicht vereinbart. Die Gespräche werden in den regionalen Tarifgebieten geführt. Wie in früheren Tarifrunden kann ein Ergebnis aus einem Tarifgebiet anschließend zum Vorbild für weitere Regionen werden.

Nicht Teil dieses Fahrplans ist der Haustarifvertrag bei Volkswagen. Für rund 120.000 Beschäftigte des Konzerns gilt ein eigener Tarifvertrag. Die dortigen Entgelttarifverträge können nach Angaben der IG Metall mit entsprechender Frist zum 31. Dezember 2026 gekündigt werden.

Tarifabschluss von 2024 läuft Ende Oktober aus

Der noch geltende Abschluss stammt aus dem November 2024. Er brachte zunächst eine Einmalzahlung von 600 Euro. Die Tabellenentgelte stiegen anschließend im April 2025 um 2,0 Prozent und im April 2026 um weitere 3,1 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen wurden Anfang 2025 um 140 Euro erhöht und stiegen im April 2026 zusätzlich um 3,1 Prozent. Außerdem wurde das tarifliche Zusatzgeld B im Jahr 2026 von 18,5 auf 26,5 Prozent des jeweiligen Eckentgelts angehoben. Der Entgelttarifvertrag läuft bis zum 31. Oktober 2026.

Vor dem Abschluss 2024 beteiligten sich nach Angaben der IG Metall mehr als 620.000 Beschäftigte an Warnstreiks. Für die Tarifrunde 2026 ist die wirtschaftliche Ausgangslage besonders uneinheitlich. Während Teile der Automobilindustrie und des Maschinenbaus unter erheblichem Anpassungsdruck stehen, beurteilen Beschäftigte anderer Industriezweige die Lage ihrer Unternehmen deutlich besser. Dadurch dürften nicht nur die Höhe der Entgelte, sondern auch Beschäftigungssicherung und betriebliche Flexibilität eine zentrale Rolle in den Verhandlungen spielen.

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