
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul will bei der Landtagswahl 2027 erneut für die CDU kandidieren. Der 74-Jährige hat sich damit für eine Fortsetzung seiner parlamentarischen Arbeit entschieden. Der Kreisvorstand der CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis unterstützt Reuls Bewerbung einstimmig. Endgültig aufgestellt ist der Innenminister damit allerdings noch nicht. Darüber entscheiden die CDU-Mitglieder im Wahlkreis bei einer Versammlung am 16. Oktober.
Herbert Reul kandidiert erneut für den NRW-Landtag und beseitigt damit eine Personalfrage, die in seiner Partei seit Monaten offen war. Noch im Frühjahr hatte die CDU Rheinisch-Bergischer Kreis mitgeteilt, dass Reul über einen weiteren Antritt nachdenke. Für seinen Wahlkreis wurde die Aufstellungsversammlung deshalb auf den Herbst terminiert.
Reul will wieder im Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis II antreten. Dazu gehören Burscheid, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath und Wermelskirchen. Bei der Landtagswahl 2022 hatte er dort das Direktmandat deutlich gewonnen. Auf ihn entfielen 51,1 Prozent der Erststimmen. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis lag damals bei 61,8 Prozent.
Mit dem einstimmigen Votum des Kreisvorstands verfügt Reul vor der entscheidenden Mitgliederversammlung über eine klare Unterstützung der regionalen Parteiführung. Die eigentliche Kandidatenaufstellung erfolgt jedoch erst am 16. Oktober im Bürgerhaus Kürten. Erst dort wird formal darüber entschieden, wer für die CDU im Wahlkreis 22 auf dem Stimmzettel stehen soll.
Breitere öffentliche Reaktionen aus der Landes-CDU auf Reuls Entscheidung waren zunächst nicht bekannt. Das eindeutige Votum des Kreisvorstands zeigt allerdings, dass die zuständige Parteigliederung seine erneute Bewerbung unterstützt.
Reul gehört seit Jahrzehnten zu den erfahrensten Politikern der nordrhein-westfälischen CDU. Geboren wurde er am 31. August 1952 in Langenfeld. Der frühere Lehrer trat 1971 in die CDU ein und saß bereits von 1985 bis 2004 im nordrhein-westfälischen Landtag. Von 1991 bis 2003 war er Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen.
Anschließend wechselte Reul in die Europapolitik. Von 2004 bis 2017 gehörte er dem Europäischen Parlament an. Dort leitete er unter anderem den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie und später die CDU/CSU-Gruppe der deutschen Abgeordneten.
Am 30. Juni 2017 übernahm Reul unter dem damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet das Innenministerium. Auch nach dem Wechsel an der Spitze der Landesregierung blieb er im Amt. Seit 2022 gehört er zugleich wieder dem Düsseldorfer Landtag an. Damit zählt Reul inzwischen seit mehr als neun Jahren ohne Unterbrechung zur nordrhein-westfälischen Landesregierung.
Als Innenminister ist er insbesondere für Polizei, innere Sicherheit, Verfassungsschutz, Katastrophenschutz und Wahlen zuständig. Sicherheitspolitische Themen gehören deshalb seit Jahren zu seinem öffentlichen Profil.
Die nächste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen findet am Sonntag, 25. April 2027, statt. Das hat die Landesregierung bereits im Februar 2026 beschlossen. Für die Parteien läuft deshalb inzwischen die Phase der Kandidatenaufstellungen in den 128 Wahlkreisen des Landes.
Reuls Entscheidung fällt damit gut sieben Monate vor dem Wahltermin. Für die CDU ist sie auch deshalb von Bedeutung, weil damit in einem von ihr 2022 klar gewonnenen Wahlkreis ein bekannter Amtsinhaber erneut zur Verfügung steht.
Die Kandidatur für den Landtag ist allerdings nicht mit einer Entscheidung über die Besetzung des Innenministeriums nach der Wahl gleichzusetzen. Ministerämter werden nach einer Landtagswahl im Zuge der Regierungsbildung vergeben. Reuls Bewerbung sichert zunächst ausschließlich seine Chance auf ein weiteres parlamentarisches Mandat.
Auch über die Führung der CDU in den Wahlkampf sind weitere formale Entscheidungen notwendig. Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte Ende August erklärt, für eine erneute Spitzenkandidatur zur Verfügung zu stehen, wenn seine Partei dies wünsche. Die personelle Aufstellung der CDU für die Wahl 2027 nimmt damit zunehmend Gestalt an.
Für die nordrhein-westfälische CDU beginnt die entscheidende Wahlkampfphase aus einer vergleichsweise starken Ausgangslage. In der jüngsten veröffentlichten Sonntagsfrage von Infratest dimap vom 28. Juni kam die CDU auf 32 Prozent. SPD und AfD lagen jeweils bei 17 Prozent, die Grünen bei 15 Prozent, die Linke bei sechs Prozent und die FDP bei fünf Prozent. Befragt worden waren 1.139 Wahlberechtigte. Umfragen sind Momentaufnahmen und keine Vorhersage des Wahlergebnisses.
Gegenüber einer Infratest-dimap-Erhebung vom Februar hatte die CDU damit drei Prozentpunkte verloren. Gleichzeitig blieb sie mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Für Ministerpräsident Wüst und seine Partei wird es in den kommenden Monaten darum gehen, diese Position bis zur Landtagswahl zu behaupten.
Reuls erneuter Antritt bietet der CDU dabei personelle Kontinuität in einem zentralen Politikfeld. Der Innenminister gehört nicht nur dem Kabinett an, sondern verfügt auch über langjährige Erfahrung in Partei, Parlament und Europapolitik. Seine Entscheidung verhindert zugleich, dass die CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis kurzfristig nach einem neuen Bewerber für seinen Wahlkreis suchen muss.
Bei der Landtagswahl am 25. April 2027 wird Reul 74 Jahre alt sein. Wenige Monate später, Ende August, wird er 75. Für die politische Bewertung seiner Kandidatur ist jedoch entscheidend, dass für ein Landtagsmandat keine obere Altersgrenze besteht. Über das Mandat entscheiden die Wählerinnen und Wähler.
2027 verändert sich der Kreis der Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen zudem deutlich. Erstmals dürfen bei einer Landtagswahl im Land auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Nach Angaben des Innenministeriums wächst die Zahl der Wahlberechtigten dadurch um rund 300.000 auf insgesamt etwa 12,9 Millionen.
Für Reul folgt nun zunächst der nächste parteiinterne Schritt. Am 16. Oktober muss er die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises überzeugen. Erhält er dort die notwendige Unterstützung, kann er im April 2027 versuchen, sein Direktmandat im Rheinisch-Bergischen Kreis zu verteidigen.
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