Tanken bleibt teuer: Spritpreise erreichen neue Rekordnähe

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Spritpreise in Deutschland bewegen sich auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Super E10 lag am Samstag, 12. September 2026, im bundesweiten Durchschnitt bei rund 2,27 Euro je Liter. Für Diesel waren es knapp 2,40 Euro. Grundlage sind Daten des Spritpreisportals Tankerkönig, über die am Sonntag, 13. September, mit Stand 10.17 Uhr UTC berichtet wurde.

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Damit haben sich die Spritpreise in Deutschland innerhalb weniger Wochen deutlich verteuert. Die jüngste Wochenanalyse des ADAC vom 9. September hatte Super E10 noch bei durchschnittlich 2,259 Euro je Liter und Diesel bei 2,321 Euro gesehen. E10 lag damals 7,6 Cent höher als eine Woche zuvor, Diesel 8,9 Cent.

Super E10 über früheren Rekordmarken

Besonders deutlich ist die Entwicklung bei Benzin. Der ADAC hatte für den 14. März 2022 einen damaligen Rekord-Tagesdurchschnitt von 2,203 Euro je Liter Super E10 ausgewiesen. Im laufenden Jahr hatte E10 am 6. April mit 2,191 Euro bereits wieder fast dieses Niveau erreicht. Der aktuelle Durchschnitt von rund 2,27 Euro liegt darüber. Diesel hatte dagegen am 7. April 2026 mit 2,446 Euro je Liter seinen höchsten vom ADAC ausgewiesenen Tagesdurchschnitt erreicht. Der aktuelle Dieselpreis liegt damit noch unter dieser Marke.

Schon der August war ungewöhnlich teuer. Im Monatsdurchschnitt lag Super E10 nach ADAC-Daten bei 2,145 Euro je Liter und Diesel bei 2,223 Euro. Bei E10 war das bereits der höchste Monatsdurchschnitt seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen.

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Der ADAC weist zugleich darauf hin, dass sich das Preisniveau an deutschen Tankstellen nicht ausschließlich mit Rohölpreis und Wechselkurs erklären lasse. In seiner Auswertung vom 9. September sah der Automobilclub weiteren Erklärungsbedarf insbesondere auf Raffinerie- und Großhandelsebene.

Ölversorgung durch Konflikt im Nahen Osten belastet

Ein wesentlicher Faktor bleibt die angespannte Versorgungslage auf den internationalen Ölmärkten. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist infolge des Konflikts im Nahen Osten erheblich eingeschränkt. Vor dem Krieg lief nach Angaben aus dem Ölmarkt ein großer Teil der globalen Öltransporte durch diese Meerenge.

Nach Reuters-Angaben gingen die Ölströme durch Hormus zuletzt auf etwa sechs bis neun Millionen Barrel pro Tag zurück. Vor dem Krieg lieferte der Nahe Osten insgesamt rund 22 Millionen Barrel täglich.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Lage in Saudi-Arabien. Nach Drohnenangriffen wurde die wichtige Ost-West-Pipeline außer Betrieb genommen. Über diese Leitung waren zuletzt rund vier Millionen Barrel Öl täglich zum Rotmeerhafen Yanbu transportiert worden. Das entspricht ungefähr vier Prozent des weltweiten Ölangebots. Reuters zufolge reichen die dortigen Lagerbestände nach Einschätzung von Marktteilnehmern nur für einige Tage, falls die Pipeline nicht wieder in Betrieb geht. Wie lange die Reparaturen dauern werden, war am Sonntag nicht offiziell geklärt. Schätzungen von Marktteilnehmern reichen von einer schnelleren Teilinbetriebnahme bis zu mehreren Wochen.

Auch die Lage am Roten Meer erhöht die Unsicherheit. Angriffe und Drohungen gegen Schiffe sowie Infrastruktur rund um wichtige Seewege verteuern Versicherungen und Transporte und können Reedereien dazu bewegen, gefährdete Routen zu meiden. Damit geht es am Ölmarkt nicht allein um die vorhandene Fördermenge, sondern zunehmend auch um die Frage, wie zuverlässig das Öl seine Abnehmer erreicht.

Brent lag zuletzt wieder über 100 Dollar

Die Folgen sind am Rohölmarkt sichtbar. Brent-Rohöl zur Lieferung über den Terminmarkt lag zum Handelsschluss am Freitag, 11. September 2026, bei 104,61 US-Dollar je Barrel. Quelle ist Reuters mit Marktdaten vom 11. September. Auf Wochensicht hatte sich Brent damit um mehr als acht Prozent verteuert, obwohl der Preis am Freitag gegenüber dem Vortag nachgab.

Da die internationalen Rohölmärkte am Wochenende regulär nicht in derselben Form wie werktags handeln, ist dieser Freitagsschluss der jüngste reguläre Referenzwert vor dem Sonntag. Wie die Märkte auf die jüngsten Entwicklungen in Saudi-Arabien reagieren, zeigt sich mit Beginn des neuen Handels.

Die Internationale Energieagentur rechnet für 2026 inzwischen mit einem Rückgang des weltweiten Ölangebots um 5,7 Millionen Barrel pro Tag gegenüber ihrer bisherigen Ausgangslage. Diese Einschätzung ist eine Prognose und hängt unter anderem davon ab, wann sich die Verkehrswege und Fördermengen im Nahen Osten normalisieren.

Tankrabatt ist seit Ende Juni ausgelaufen

Politisch wächst wegen der hohen Preise der Druck auf die Bundesregierung. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD sprach sich für einen Spritpreisdeckel aus. Ein solcher bundesweiter Höchstpreis ist derzeit jedoch weder beschlossen noch von der Bundesregierung angekündigt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU lehnt einen staatlichen Preisdeckel bislang ab.

Eine direkte Entlastung hatte es bereits im Frühjahr gegeben. Für Mai und Juni 2026 senkte der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer sollte die Entlastung an der Zapfsäule bis zu rund 17 Cent je Liter erreichen. Der Bund kalkulierte dafür mit Einnahmeausfällen von rund 1,6 Milliarden Euro. Die Maßnahme endete am 30. Juni.

Eine Wiederholung dieses Tankrabatts ist derzeit nicht beschlossen. Die Bundesregierung erklärt aktuell, sie beobachte die Kraftstoffpreisentwicklung und könne bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen. Zugleich verweist sie auf laufende Untersuchungen des Bundeskartellamts zur Preisgestaltung verschiedener Raffinerien.

Bereits seit Januar gilt außerdem eine höhere Entfernungspauschale. Seit dem 1. Januar 2026 können 38 Cent je Entfernungskilometer bereits ab dem ersten Kilometer steuerlich angesetzt werden. Das Bundesfinanzministerium veranschlagt die Entlastung für 2026 auf insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro. Diese Regelung reduziert allerdings nicht unmittelbar den Preis an der Zapfsäule.

Wie es mit den Spritpreisen weitergeht

Die weitere Entwicklung hängt vor allem von der Versorgung über die großen Transportwege im Nahen Osten ab. Entscheidend ist unter anderem, wie schnell die saudische Ost-West-Pipeline wieder genutzt werden kann und ob mehr Tanker sicher durch Hormus und die Zugänge zum Roten Meer fahren können.

Eine kurzfristige Preisentwicklung lässt sich daraus nicht verlässlich ableiten. Neben dem Rohölpreis spielen Raffineriekapazitäten, Großhandelspreise, Wechselkurse, Transportkosten und der Wettbewerb zwischen Tankstellen eine Rolle. Der ADAC hatte bereits vor der jüngsten Verschärfung festgestellt, dass Rohölpreis und Euro-Dollar-Kurs das hohe deutsche Tankstellenniveau nur teilweise erklären.

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