
Die weltweiten Unternehmensdividenden haben im zweiten Quartal 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Nach dem im September veröffentlichten Dividend Watch von Capital Group lag die Ausschüttungssumme zwischen April und Juni bei 827,3 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal lag der Anstieg bei 7,9 Prozent. Das sogenannte Kernwachstum, bei dem Wechselkurse, Sonderdividenden und andere technische Effekte bereinigt werden, lag bei 7,5 Prozent. Damit stehen die weltweiten Dividenden auf Rekordniveau, obwohl die Entwicklung zwischen Branchen und Regionen deutlich unterschiedlich ausfiel.
Die viel zitierte Rekordsumme stammt aus dem Dividend Watch, der Teil der Global Equity Study von Capital Group ist. Die Untersuchung verfolgt nach Angaben des Vermögensverwalters die Dividendenzahlungen der weltweit 1.600 größten börsennotierten Unternehmen. Zusammen stehen diese Unternehmen für rund 85 Prozent der globalen Marktkapitalisierung. Die Auswertung ist deshalb breit angelegt, formal aber nicht identisch mit dem Janus Henderson Global Dividend and Buyback Index. Capital Group berechnet das Dividendenwachstum in US-Dollar und trennt zwischen dem nominalen Wachstum und einem bereinigten Kernwachstum.
Das zweite Quartal ist traditionell der stärkste Zeitraum für weltweite Ausschüttungen, weil in vielen europäischen Märkten ein großer Teil der Jahresdividenden im Frühjahr gezahlt wird. Nach der Capital Group Auswertung entfielen im zweiten Quartal 36 Prozent der globalen Ausschüttungen auf Europa. Über das Gesamtjahr liegt der Anteil Europas demnach bei rund 21 Prozent. Das erklärt, warum ein Quartalsrekord nicht einfach auf vier Quartale hochgerechnet werden kann.
Der stärkste Zuwachs kam im zweiten Quartal aus dem Technologiesektor. Das bereinigte Dividendenwachstum lag nach Capital Group bei 26,3 Prozent. Bei Halbleiterunternehmen lag es sogar bei 62,1 Prozent. Die Entwicklung hängt nach Einschätzung des Vermögensverwalters mit den hohen Gewinnen entlang der Lieferkette für Rechenzentren, Chips und andere Infrastruktur für künstliche Intelligenz zusammen. Gleichzeitig blieb der Finanzsektor der wichtigste absolute Treiber. Finanzunternehmen erhöhten ihre Ausschüttungen im Jahresvergleich um 26 Milliarden US-Dollar. Das Wachstum lag bei 10,1 Prozent.
Auch der Bergbausektor legte wieder stärker zu. Das Dividendenwachstum lag dort bei 15,1 Prozent. Insgesamt war die Entwicklung breit abgestützt. Nach der Capital Group Studie erhöhten 88 Prozent der untersuchten Unternehmen ihre Dividende oder hielten sie mindestens stabil. Das mediane Dividendenwachstum lag bei 6,0 Prozent. In den USA lag die Ausschüttungssumme im zweiten Quartal bei 186,8 Milliarden US-Dollar, während das bereinigte Wachstum dort bei 8,7 Prozent lag.
Europa erreichte nach der Capital Group Auswertung ebenfalls ein Rekordniveau bei den Ausschüttungen. Das bereinigte Wachstum lag jedoch nur bei 3,6 Prozent und damit unter dem globalen Durchschnitt. Belastend wirkten niedrigere Zahlungen aus der Automobilbranche. Banken und andere Finanzunternehmen glichen einen Teil dieser Schwäche aus. In den Schwellenländern lag das bereinigte Wachstum bei 4,7 Prozent. Capital Group führte die schwächere Entwicklung dort vor allem auf Rückgänge im Nahen Osten zurück.
Für Anleger in Europa ist zudem die Währungsebene relevant. Die globale Statistik wird in US-Dollar berechnet. Ein schwächerer Dollar kann deshalb Ausschüttungen aus anderen Währungsräumen in der Dollarstatistik höher erscheinen lassen. Für einen Anleger, der seine Erträge in Euro betrachtet, kann derselbe Wechselkurseffekt anders wirken. Dividenden aus US-Unternehmen können nach der Umrechnung in Euro niedriger oder höher ausfallen, selbst wenn der Dollarbetrag unverändert bleibt. Zusätzlich können Quellensteuern und die steuerliche Behandlung im jeweiligen Wohnsitzland die tatsächlich zufließende Nettodividende beeinflussen.
Dividenden sind nur ein Weg, auf dem Unternehmen Kapital an ihre Aktionäre zurückgeben. Der am 15. September veröffentlichte Janus Henderson Global Dividend and Buyback Index zeigt, dass Aktienrückkäufe im zweiten Quartal 2026 besonders stark zulegten. Nach dieser getrennten Erhebung lag das Volumen der Rückkäufe bei 572,0 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal lag bei 26,8 Prozent. Technologieunternehmen kauften eigene Aktien im Wert von 121,1 Milliarden US-Dollar zurück und waren damit in dieser Auswertung die größte Branche für Rückkäufe.
Die Dividendensumme des Janus Henderson Index lag im selben Quartal bei 757,8 Milliarden US-Dollar und damit unter dem Wert der Capital Group Studie. Das ist kein unmittelbarer Widerspruch, weil beide Zahlen aus unterschiedlichen Erhebungen stammen. Für Vergleiche ist deshalb entscheidend, Werte innerhalb derselben Datenreihe zu betrachten. Janus Henderson weist für sein Universum ein bereinigtes Dividendenwachstum von 7,3 Prozent aus. Finanzunternehmen blieben dort mit Ausschüttungen von 239,7 Milliarden US-Dollar der größte Dividendenzahler.
Rückkäufe wirken anders als Dividenden. Bei einer Dividende fließt den Aktionären unmittelbar Bargeld zu. Beim Rückkauf erwirbt das Unternehmen eigene Aktien. Werden diese eingezogen oder dauerhaft vom Markt genommen, sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien. Dadurch können sich Kennzahlen je Aktie und der relative Anteil der verbleibenden Aktionäre verändern. Rückkäufe sind zugleich flexibler als regelmäßige Dividenden und können von Unternehmen schneller reduziert oder ausgesetzt werden.
Capital Group hat seine Prognose für die weltweiten Dividenden im Gesamtjahr 2026 nach den starken Daten des zweiten Quartals angehoben. Die erwartete Ausschüttungssumme liegt nun bei 2,23 Billionen US-Dollar nach zuvor 2,20 Billionen US-Dollar. Das prognostizierte nominale Wachstum liegt bei 6,4 Prozent, das erwartete Kernwachstum bei 6,0 Prozent. Als Gründe nennt der Vermögensverwalter höhere Sonderdividenden als zunächst erwartet, einen schwächeren US-Dollar und höhere Ausschüttungen im Technologiesektor. Diese Angaben sind eine Prognose und keine gesicherte Entwicklung.
Für die Einordnung des Rekords ist damit nicht nur die Höhe der Dividenden entscheidend. Die Daten zeigen zugleich, dass Unternehmen einen erheblichen Teil ihres Kapitalrückflusses über Rückkäufe organisieren. Für Anleger in Europa sind deshalb Dividendenhöhe, Rückkaufvolumen, Wechselkurse und die jeweilige steuerliche Behandlung getrennt zu betrachten. Aus dem Rekordniveau der Ausschüttungen allein lässt sich keine Aussage über die künftige Kursentwicklung einzelner Aktien oder Märkte ableiten.
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