
Die Aussicht auf einen möglichen Stopp amerikanischer Diesellieferungen hat die ohnehin angespannte Versorgungslage in Europa verschärft. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, 22. September, er unterstütze die Idee, Diesel nicht mehr aus den USA zu exportieren. Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass die Regierung einen vollständigen oder teilweisen Exportstopp prüft. Beschlossen war eine solche Maßnahme zunächst nicht.
An den europäischen Rohstoffmärkten reagierten die Preise dennoch deutlich. Der Aufschlag von europäischem Diesel gegenüber Rohöl der Sorte Brent stieg am Mittwoch auf mehr als 95 Dollar je Barrel und erreichte damit laut Bloomberg-Daten einen Rekordwert. Für Verbraucher in Deutschland bedeutet das nicht automatisch einen ebenso starken sofortigen Preissprung an den Zapfsäulen. Der Dieselpreis in Deutschland lag am Mittwoch nach Angaben des ADAC im bundesweiten Mittel bei 2,428 Euro je Liter.
Trump hatte am Rande der UN-Generalversammlung erklärt, er habe innerhalb seiner Regierung bereits dafür geworben, Diesel im Land zu halten. Bessent sagte, geprüft werde sowohl die grundsätzliche Umsetzbarkeit als auch die Frage, ob vollständige oder teilweise Beschränkungen infrage kämen.
Damit handelt es sich bislang um eine politische Prüfung und nicht um einen bereits verfügten Exportstopp. Auch innerhalb der US-Regierung gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Energieminister Chris Wright hatte vor möglichen negativen Folgen gewarnt. Nach seiner Darstellung könnten Exportbeschränkungen zu Produktionskürzungen amerikanischer Raffinerien führen und dadurch auch das Angebot anderer Kraftstoffe verringern. Innenminister Doug Burgum äußerte ebenfalls Zweifel daran, dass ein Exportstopp die Preise nachhaltig senken würde.
Die Reaktion in Europa fällt auch deshalb deutlich aus, weil die USA für den europäischen Dieselmarkt erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA hatten sich die amerikanischen Diesellieferungen nach Europa im Januar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als verdoppelt. Sie stiegen von rund 167.000 auf etwa 396.000 Barrel täglich.
Bereits 2025 lagen die US-Lieferungen in wichtige europäische Märkte deutlich über dem Niveau vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die Niederlande bezogen im Jahresdurchschnitt rund 98.000 Barrel Destillate pro Tag aus den USA, Großbritannien etwa 89.000 Barrel.
Diese zusätzlichen Lieferungen sind inzwischen besonders wichtig, weil andere Quellen ausgefallen oder stark eingeschränkt sind. Russland hat seine Dieselausfuhren begrenzt, während die Lieferungen aus dem Nahen Osten infolge des Iran-Krieges und der Probleme im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark zurückgegangen sind.
Nach Daten von S&P Global lagen die Diesellieferungen aus dem Nahen Osten nach Europa im September bislang bei durchschnittlich rund 110.000 Barrel am Tag. Damit bewegen sie sich auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2020. Im August waren es noch etwa 191.000 Barrel täglich.
Die angespannte Versorgung hat die europäischen Großhandelspreise bereits vor Trumps Äußerungen auf außergewöhnliche Höhen getrieben. S&P Global bewertete schwefelarmen Diesel für Nordwesteuropa Mitte September mit bis zu 1.642,25 Dollar je Tonne. Das war der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden Datenreihe im Jahr 2007.
Auch weltweit sind die Vorräte knapp. US-Lagerbestände befinden sich für diese Jahreszeit auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Gleichzeitig arbeiten zahlreiche Raffinerien bereits mit hoher Auslastung, sodass sich die Produktion kurzfristig nur begrenzt erhöhen lässt.
An deutschen Tankstellen blieb der Dieselpreis am Mittwoch trotz der neuen Bewegung am europäischen Großhandelsmarkt zunächst nahezu stabil. Nach der wöchentlichen ADAC-Auswertung kostete ein Liter Diesel bundesweit durchschnittlich 2,428 Euro. Gegenüber der Vorwoche war das ein Anstieg um 0,6 Cent.
Damit liegt Diesel weiterhin knapp unter dem bisherigen Höchststand. Am 17. September hatte der bundesweite Durchschnitt laut ADAC 2,471 Euro je Liter erreicht.
Bemerkenswert ist dabei, dass Rohöl zuletzt deutlich günstiger geworden ist. Brent lag am Dienstag zum Handelsschluss unter 100 Dollar je Barrel und damit mehr als zehn Dollar niedriger als eine Woche zuvor. Der Rückgang des Rohölpreises ist nach Angaben des ADAC bislang nur teilweise bei den Kraftstoffpreisen angekommen. Neben Rohöl und Wechselkurs spielen insbesondere die Preise für die fertigen Mineralölprodukte auf den internationalen Märkten eine Rolle.
Gerade dort entsteht derzeit zusätzlicher Preisdruck. Diesel hat sich wegen der knappen Raffineriekapazitäten und der eingeschränkten internationalen Lieferströme stärker verteuert als Rohöl selbst.
Sollten die USA ihre Dieselausfuhren tatsächlich vollständig oder teilweise beschränken, würde eine wichtige Bezugsquelle Europas eingeschränkt. Wie groß die Auswirkungen auf deutsche Tankstellenpreise wären, lässt sich daraus jedoch nicht unmittelbar ableiten. Dafür sind unter anderem Dauer und Umfang möglicher Beschränkungen, alternative Lieferungen sowie Rohöl-, Raffinerie- und Wechselkursentwicklung entscheidend.
Bislang gibt es aus Washington weder einen konkreten Zeitpunkt noch einen festgelegten Umfang für mögliche Exportbeschränkungen. Offiziell bestätigt ist, dass die US-Regierung die Möglichkeit prüft und Trump den Vorschlag unterstützt.
Für deutsche Verbraucher trifft diese Unsicherheit auf ein ohnehin außergewöhnlich hohes Preisniveau. Ein weiterer Anstieg der europäischen Diesel-Großhandelspreise erhöht grundsätzlich den Kostendruck entlang der Lieferkette. Ob und in welchem Umfang dieser an deutschen Tankstellen ankommt, hängt von der weiteren Entwicklung des internationalen Marktes ab.
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